Aktuelle Kolumne - Stadt Oldenburg
Aktuelle Kolumne

Kolumne des Oberbürgermeisters (18. Juli 2014)

Oberbürgermeister Gerd Schwandner. Foto: Thorsten Ritzmann
Foto: Thorsten Ritzmann

Liebe Oldenburgerinnen und Oldenburger,

am 13. Juli 2014 um Punkt 23.36 Uhr war es soweit: Deutschland wurde zum vierten Mal Fußball-Weltmeister! Dieser Moment wird für Millionen Fans unvergesslich bleiben. Es steckt jedoch viel mehr dahinter als 120 dramatische Minuten im Maracanã von Rio de Janeiro. Es ist das Ergebnis von zehn Jahren fundierter, fokussierter, akribischer, zielorientierter Arbeit.

Ganz ähnlich kann man sich auch die Stadtentwicklung in Oldenburg vorstellen. Um eines Tages ein bestimmtes Ziel zu erreichen, das unserer Stadt erheblich nützt oder das sie deutlich aufwertet, müssen wir möglichst früh und umfassend handeln. Das heißt: Wir müssen ebenfalls fundiert, fokussiert, akribisch und zielorientiert denken, planen, konzeptionieren und schließlich realisieren. Nur dann können wir die richtigen Akzente setzen. Nur dann gewinnen wir auch mal einen Titel – wie Stadt der Wissenschaft 2009.

Anders als die Nationalelf haben wir aber nicht nur ein ultimatives Ziel, dem wir alles unterordnen. Wir haben ein komplexes System von verschiedenen – teils konvergierenden, teils divergierenden – Unterzielen, die wir sorgfältig aufeinander abstimmen müssen. Und anders als die Nationalelf dürfen wir viele Partner einbinden sowie die Bürgerinnen und Bürger beteiligen – müssen allerdings auch finanzielle Restriktionen berücksichtigen.

Stadtentwicklungsplanung ist also kein Top-Down-Prozess, der ausschließlich aus dem Rathaus gesteuert wird. Jedenfalls nicht mehr. In Oldenburg haben wir ihn weit geöffnet und verstehen ihn als Einladung mitzudenken und mitzumachen. Deshalb ist es wichtig, alle Überlegungen als nachvollziehbares Konzept zu dokumentieren, das eine kontinuierliche Diskussions- und Planungsgrundlage darstellt. Das Ergebnis dieses Gedankens geht in diesen Tagen in den Druck: der step2025. Er wird bis zur genannten Jahreszahl der Wegweiser sein, an dem wir die Entwicklung der Stadt orientieren. Und wer einen Blick hineinwirft (was ich Ihnen hiermit ans Herz lege), wird schnell merken: Darin steckt viel Substanz – von prinzipiellen Leitlinien bis zu konkreten Detailplanungen.

Aus meiner Sicht werden für die Zukunft zwei strategische Schwerpunkte besonders wichtig sein. Erstens: die „Science Based Economy“, also eine wissens- und wissenschaftsbasierte Wirtschaftsszene. Sie besitzt enorme Entwicklungspotenziale – und in Oldenburg existieren hervorragende Bedingungen dafür; mittel- bis langfristig ganz besonders im Kontext der European Medical School. Zweitens: die Internationalisierung nach außen und nach innen, das heißt in Form von Partnerschaften mit anderen Städten und in Form von Integrationsprozessen und Toleranzkultur. Eine Großstadt moderner Prägung braucht Ideen und Einflüsse aus anderen Ländern und Kulturen. Sie erweitern unsere Denkhorizonte sowie unsere Kenntnisse und Kompetenzen. Beides macht den Standort attraktiver. Und beides werden zukünftige Erfolgsmerkmale Oldenburgs sein. Davon bin ich überzeugt.

Bei der Stadtentwicklung geht es zwar nicht um Titel. Wohl aber geht es um ein gemeinsames Ziel, das internationalen Standards genügt, und das wir nur zusammen – als ein gesamtstädtisches Team – erreichen können. Und ganz ähnlich wie beim Fußball – bei dem man gern vom „12. Mann“ spricht – können wir mit Unterstützung aus der Bevölkerung viel mehr erreichen als ohne sie. Wenn man all das alles beherzigt – und der step2025 tut genau das –, dann hat man gute Chancen, dauerhaft sehr erfolgreich zu sein. Auch ohne einen Mario Götze.

Ihr Gerd Schwandner