Aktuelle Kolumne - Stadt Oldenburg
Aktuelle Kolumne

Kolumne des Oberbürgermeisters (2. April 2014)

Oberbürgermeister Gerd Schwandner. Foto: Thorsten Ritzmann
Foto: Thorsten Ritzmann

Liebe Oldenburgerinnen und Oldenburger,

nichts ist so beständig wie der Wandel. Diese Erkenntnis ist – vorsichtig ausgedrückt – nicht mehr ganz neu. Sie wurde so oft erwähnt, dass man sie kaum noch aussprechen mag. Manchmal muss es aber einfach sein. Zum Beispiel dann, wenn Veränderungen wie ein Aderlass wirken – und das Mantra des beständigen Wandels die Nerven beruhigt. Deshalb verwende ich den Satz an dieser Stelle trotzdem – im vollen Bewusstsein, völlig unkreativ zu sein, dafür aber den Nagel auf den Kopf zu treffen.

Nichts ist so beständig wie der Wandel. Vor allem nicht, was Posten und Positionen angeht. 2014 ist das Jahr des großen Stühlerückens bei den öffentlichen Institutionen in unserer Stadt. Gleich vier Führungskräfte verlassen ihre Positionen – und das innerhalb von sieben Monaten. Wie gesagt: Das ist nicht unüblich. In dieser Bandbreite allerdings schon.

Zum 1. April hat Uni-Präsidentin Prof. Dr. Babette Simon den Anfang gemacht. Im Sommer folgt mit Markus Müller der Generalintendant des Oldenburgischen Staatstheaters. Der LzO-Vorstandsvorsitzende Martin Grapentin verabschiedet sich Ende Oktober in den Ruhestand – ein Zeitpunkt der mir nicht ganz unvertraut ist, weil ich dann ebenfalls meinen Schreibtisch räume.

Universität, Staatstheater, Landessparkasse, Stadtverwaltung: Sie gehören zweifellos zu den bekanntesten Institutionen in Oldenburg. Sie stehen für starke Präsenz, hohe Bedeutung und nicht zuletzt für 6.500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und ein Vielfaches an Studierenden, Gästen, Kundinnen und Kunden, Bürgerinnen und Bürgern. Der Wechsel ist zwar auch in diesen Fällen beständig – ganz alltäglich sind so eine Ballung und so eine breite Betroffenheit aber nicht.

Was bedeutet das für unsere Stadt? Erleben wir einen lokalen „Brain-Drain“? Müssen wir uns Sorgen machen, dass intakte Prozesse zum Stillstand kommen, dass begonnene Projekte nicht zu Ende gebracht werden und dass große Pläne in den Schubladen verschwinden? Denkbar wär’s, aber ich glaube nicht daran. Babette Simon, Markus Müller und Martin Grapentin sind Persönlichkeiten, die unsere Stadt positiv geprägt haben. Aber sie haben jeweils im Team agiert. Und sie werden dafür gesorgt haben, dass kein Vakuum zurückbleibt, das nicht zu füllen wäre.

Auf persönlicher Ebene bedeuten diese Veränderungen sicherlich Verluste. Kompetent, kreativ, konstruktiv, kooperativ – alle haben ihre Tätigkeit mit Leidenschaft ausgeübt, alle stehen für erfolgreiche Zeiten in ihren Institutionen und gleichzeitig für erfolgreiche Zeiten für Oldenburg. Beispiele dafür gibt es genug. Bei der Universität die European Medical School, der Exzellenzcluster Hearing4all oder Neubauten wie NeSSy und SSC; beim Staatstheater die starken Programme und hohen Besucherzahlen, die wegweisenden Erweiterungen um Exerzierhalle und Probebühne oder die spürbare Lust auf Neues (zum Beispiel Fliegerhorst); bei der LzO Rekorde bei Bilanzsumme und Mitarbeiterzahl, die wichtige Funktion als Fels in der Krisenbrandung oder das bedeutende soziale Engagement. Und das alles sind nur Ausschnitte aus einem viel größeren Bild.

Dass der Input und das Engagement von Babette Simon, Markus Müller und Martin Grapentin im Laufe des Jahres wegfallen, ist objektiv (und subjektiv) betrachtet in höchstem Maße bedauerlich. Ich möchte aber ungern lamentieren. Oldenburg ist eben eine dynamische Stadt – und in so einer Stadt ist, Sie ahnen es, nichts so beständig wie der Wandel. Trauern wir also nicht, dass etwas vorbei ist – freuen wir uns, dass es stattgefunden hat – und schauen wir auch auf das, was kommt: neue Gesichter, neue Akzente, neue Ideen.

Und ich selbst? – Spiele hier nur eine Nebenrolle und verschiebe meine Bilanz in den Herbst. Ich freue mich darauf, auf meine Zeit als OB zurückzublicken – aber erst dann, wenn sie vorbei ist. Ein paar Monate habe ich noch. Das ist keine Zeit zum freundlichen Verabschieden, das ist eine Zeit zum Anpacken und Gestalten. Die werde ich nutzen. Und dann werde ich an dieser Stelle sicherlich in epischer Länge schildern, warum Oldenburg die beste Stadt der Welt ist. Auch wenn der Oberbürgermeister gelegentlich alte Kamellen als Aufhänger für seine Kolumnen benutzt.

Ihr
Gerd Schwandner