Bunker - Stadt Oldenburg
Bunker

Bunker aus dem Zweiten Weltkrieg

Der Kulturausschuss der Stadt Oldenburg hat im Februar 2015 auf Antrag der Ratsfraktion Bündnis90/Die Grünen empfohlen, einige der im Stadtgebiet vorhandenen Bunker aus dem Zweiten Weltkrieg mit erklärenden Hinweisschildern auszustatten. Sie sollen stellvertretend für die ungefähr 100 noch existierenden Bunker auf die Geschichte dieser Schutzbauten hinweisen. Die Auseinandersetzung mit den Bunkern und der Antrag wurden von zwei Oldenburger Bürgern angeregt, die sich im Rahmen von Stadtführungen damit beschäftigt haben.

Nach Prüfung des städtischen Denkmalschutzes eignen sich zwei Bunker besonders für Hinweisschilder, da sie für die Öffentlichkeit am besten zugänglich sind: der Rundbunker im Dobbenviertel an der Tappenbeckstraße/Ecke Lasiusstraße und ein weiterer im Eversten Holz. Nachdem auch die für das Eversten Holz zuständige Schlossgartenverwaltung zugestimmt hatte, konnten die Schilder im November 2016 an beiden Bunkern angebracht werden.

Foto: Stadt Oldenburg
Kleiner Rundbunker an der Tappenbeckstraße/Ecke Lasiusstraße. Foto: Stadt Oldenburg
© Stadt Oldenburg
Kleiner Rundbunker im Eversten Holz. Foto: Stadt Oldenburg

Die Oldenburger Rundbunker

Oldenburg galt zu Beginn des Zweiten Weltkrieges als nicht luftgefährdet, obwohl einige Kasernen und ein Fliegerhorst auf dem Stadtgebiet lagen. Bis zum Jahr 1943 wurden neben verschiedenen anderen Schutzbauten etwa 100 splitter- und trümmersichere Rundbunker angelegt. Direkten Bombenangriffen haben diese Bauten nicht standgehalten.

Die Anzahl dieser Bunker stieg in Oldenburg und Oldenburgs Vororten bis zum Ende des Krieges auf mindestens 322. Die meisten von ihnen befanden sich im inneren Stadtgebiet wie dem Dobbenviertel und im östlichen Teil der Stadt. Sie wurden sowohl in Innenhöfen und Gärten von Reihenhäusern und einzelnen Wohnhäusern als auch direkt an Straßen oder öffentlichen Plätzen errichtet.

Die kleinen Rundbunker waren zwischen 15 und 40 m² groß, hatten bis zu 90 cm dicke Wände und boten circa 10 Personen Schutz bei Luftangriffen. Sie waren nicht baugleich, sondern unterschieden sich hinsichtlich Form und Größe. Der Wilhelmshavener Historiker Holger Raddatz hat bei seinen Recherchen sechs verschiedene Standard-Bauformen der in Oldenburg noch vorhandenen Rundbunker identifiziert.

Oldenburg gehört tatsächlich zu den wenigen Städten in Deutschland, die den Luftkrieg weitgehend unbeschadet überstanden haben. In kaum einer anderen Stadt sind ähnlich viele dieser Rundschutzbauten erhalten geblieben. Obwohl zahlreiche dieser Anlagen nach dem Krieg abgetragen oder demilitarisiert wurden, sind heute noch ungefähr ein Drittel dieser Rundbunker vorhanden. Viele von ihnen befinden sich auf privatem Besitz, sind zugemauert und überwachsen und für die Öffentlichkeit nicht zugänglich.

Seit einigen Jahren richtet die Stadt Oldenburg in dafür geeigneten Bunkern Habitate für Fledermäuse ein. Auch die beiden hier genannten Bunker, an der Tappenbeckstraße/Ecke Lasiusstraße und im Eversten Holz, sind dafür vorgesehen. Unter Aufsicht des städtischen Teams für Naturschutz und Landschaftspflege wurden bisher insgesamt fünf dieser Rundbunker geöffnet, aufgeräumt, gesäubert und mit entsprechenden Materialien und Einbauten für die Fledermäuse ausgestattet.


Weiterführende Hinweise
Der Wilhelmshavener Historiker Holger Raddatz hat zu Luftschutzanlagen und Bunkern in Oldenburg, dem Oldenburger Umland sowie in Wilhelmshaven geforscht. Sein umfängliches Wissen und Material stellt er auf einer Website » allen Interessierten zur Verfügung.

Auch die folgende Erklärung für den nahezu unversehrten Zustand, in dem die Stadt Oldenburg die Luftangriffe der Alliierten im Zweiten Weltkrieg überstanden hat, ist hier » zu finden: „Im Krieg erhielt die Stadt Oldenburg von englischer Seite das geheime Codewort ‚Goby‘. Dieses Wort bezog sich offiziell auf eine Fischart, den ‚Goby‘ (zu deutsch: Grundel-Fisch). Auch Wilhelmshaven, Emden und Bremen hatten geheime Codewörter in Form von Fischnamen erhalten. Jedoch bedeutet das für Oldenburg vergebene Codewort auch so viel wie ‚vorbeigehen‘ (‚go by‘)... Oldenburg wurde letztendlich zu gerade einmal 1,4 Prozent im Luftkrieg zerstört. Es spricht vieles dafür, dass von alliierter Seite durchaus vorgesehen war, Oldenburg zu verschonen und deshalb gerade dieses Codewort vergeben wurde. In der Bevölkerung kursierte der Spruch: ‚Oldenburg wollen wir verschonen, denn hier werden wir bald wohnen...‘, oder auch folgender Spruch: ‚Ihr Oldenburger könnt ruhig schlafen, wir fliegen nur nach Wilhelmshaven...‘ “