Zur Person - Stadt Oldenburg
Zur Person

Inge Deutschkron: Streitbare Mahnerin gegen das Vergessen

Foto: Daniel Penschuck
Preisträgerin Inge Deutschkron. Foto: Daniel Penschuck.

Inge Deutschkron wurde 1922 in Finsterwalde geboren und wuchs in Berlin auf. Die Familie wurde von 1933 an als Sozialdemokraten und Juden verfolgt. Dem Vater gelang noch kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs die Flucht nach England. Mutter und Tochter Inge blieben in Berlin zurück und waren von Kriegsbeginn an den immer grausamer werdenden Verfolgungen ausgesetzt. Inge Deutschkron arbeitete zunächst als Dienstmädchen und dann als Fabrikarbeiterin. Freunde versteckten schließlich sie und ihre Mutter, um sie vor den Deportationen zu schützen. Bis zur Befreiung am 8. Mai 1945 waren die beiden fast ständig auf der Flucht.
1945/46 arbeitete Inge Deutschkron als Sekretärin in der Zentralverwaltung für Volksbildung für die sowjetisch besetzte Zone. Später wanderte sie nach England aus, studierte dort vier Jahre und arbeitete danach im Londoner Büro der Sozialistischen Internationale. 1956 ließ sie sich in Bonn nieder und war zunächst als freie Journalistin tätig. 1958 wurde sie Deutschland-Korrespondentin der israelischen Zeitung Maariv. Von 1972 bis zu ihrer Pensionierung 1987 arbeitete sie in der Redaktion in Tel-Aviv. 1988 kam sie zur Vorbereitung des Theaterstückes „Ab heute heißt Du Sara“ nach ihrer Autobiografie „Ich trug den gelben Stern“ nach Berlin zurück, wo sie seit 2001 wieder wohnt.

Publikationen von Inge Deutschkron
Inge Deutschkron hat mehrere Bücher veröffentlicht. So erschienen zuletzt von ihr „Emigranto. Vom Überleben in fremden Sprachen“ (2001), „Das verlorene Glück des Leo H.“ (2001) und „Offene Antworten“ (2004). In Vorträgen und Lesungen für Kinder, Jugendliche und Erwachsene informiert sie regelmäßig über ihre Erfahrungen mit dem Nationalsozialismus. Als Vorsitzende des Fördervereins des Museums „Blindenwerkstatt Otto Weidt“ versucht sie, die Erinnerung an Otto Weidt und die „stillen Helden“ wach zu halten, die in der Nazizeit jüdischen Menschen das Überleben ermöglichten.

Bisherige Auszeichnungen für Inge Deutschkron
Inge Deutschkron wurde mit dem Rudolf Küstermeier-Preis, dem Moses-Mendelssohn-Preis, der Rahel Varnhagen von Ense-Medaille und dem Verdienstorden des Landes Berlin geehrt. Der Deutsche Staatsbürgerinnenverband zeichnete sie 1998 als „Frau des Jahres“ aus. Das Bundesverdienstkreuz hat sie mit der Begründung abgelehnt, dass noch in den 50er Jahren ehemalige Nationalsozialisten mit dieser Auszeichnung geehrt worden sind.

(Stand 2008)

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Inge Deutschkron zum 95. Geburtstag

Foto: Daniel Penschuck
Inge Deutschkron, Empfängerin des Carl-von-Ossietzky-Preises 2008. Foto: Daniel Penschuck.

Die Journalistin und Autorin Inge Deutschkron ist am Mittwoch, dem 23. August 2017 95 Jahre alt geworden. Im Jahr 2008 wurde die „im In- und Ausland hoch geachtete Persönlichkeit und streitbare Mahnerin gegen das Vergessen“ mit dem Carl-von-Ossietzky-Preis der Stadt Oldenburg geehrt. „Ihr Lebenswerk steht im Zeichen des fortdauernden Engagements für Demokratie und Menschenrechte und gegen alle Formen des Rassismus“, so die damalige Begründung der Jury. Die Preisverleihung, das Podiumsgespräch mit Prof. Dr. Dr. Ingo Müller zum Thema „Die ‚sogenannte‘ Stunde Null 1945 – und dann?““ sowie die Lesung aus ihrer Autobiografie „Ab heute heisst du Sara“, begleitet von Ensemble-Mitgliedern des Grips-Theaters, wurden vom Oldenburger Publikum mit großem Interesse aufgenommen.

Freie Journalistin und Deutschlandkorrespondentin
Inge Deutschkron, geboren 1922 in der Niederlausitz, wuchs als Tochter jüdischer Eltern in Berlin auf. Sie überlebte die Zeit des Nationalsozialismus im Berliner Untergrund mithilfe „stiller Helden“, die sie vor den Deportationen schützen konnten. Nach Kriegsende absolvierte sie zunächst ein Sprachstudium in England. Nach mehrjährigem Auslandsaufenthalt kam sie in den 50er Jahren wieder nach Deutschland zurück und arbeitete zunächst als freie Journalistin und später als Deutschlandkorrespondentin für die israelische Zeitung ‚Maariv’ in Bonn. Als politische Berichterstatterin verfolgte sie über Jahrzehnte die politischen Entwicklungen unter anderem in der Adenauer-Ära und den unbehelligten Verlauf einzelner beruflicher Karrieren von NS-Angehörigen. 1966 wurde Deutschkron israelische Staatsangehörige und siedelte 1972 nach Israel über. Für die Bühnenadaption ihrer Autobiografie „Ich trug den gelben Stern“ am Grips-Theater kehrte sie 1988 nach Berlin zurück.

Gegen Rechtsextremismus und Intoleranz
Seit Langem erinnert Inge Deutschkron an Menschen, die Juden vor der Ermordung gerettet haben und setzt sich gegen Rechtsextremismus und Intoleranz ein. Mit ihren vielzähligen Vorträgen und Lesungen hat sie über Jahrzehnte insbesondere auch die junge Generation über die Zeit des Nationalsozialismus informiert. Viel beachtet wurde auch ihre Rede im Januar 2013 zum Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus im Deutschen Bundestag. Inge Deutschkron, mehrfach mit Preisen ausgezeichnet, lebt in Berlin. Noch heute ist sie Ehrenvorsitzende des Fördervereins Blindes Vertrauen e. V. des Museums Blindenwerkstatt Otto Weidt, einer damaligen Zufluchtsstätte für verfolgte jüdische Arbeiter, und Vorsitzende der Inge Deutschkron Stiftung.