Kompositionsauftrag 2016 - Stadt Oldenburg
Kompositionsauftrag 2016

Kompositionspreis für Zeitgenössische Musik für Malte Giesen

Foto: Agathe Poupeney
Malte Giesen. Foto: Agathe Poupeney.

Der in Berlin lebende Komponist Malte Giesen hat den Kompositionspreis für Zeitgenössische Musik der Stadt Oldenburg erhalten. Damit hat die Stadt bereits zum 15. Mal die an die Verleihung des Carl-von-Ossietzky-Preises gebundene Auftragskomposition vergeben. Mitglieder des oh ton-ensembles haben das eigens zu diesem Anlass komponierte Werk in Anwesenheit des Komponisten am Dienstag, 3. Mai, im Rahmen des Festaktes uraufgeführt. Ein öffentliches Konzert findet anschließend am Mittwoch, 4. Mai, statt.

In der Begründung des musikalischen Beirats heißt es unter anderem: „Das künstlerische Selbstverständnis des jungen Komponisten Malte Giesen resultiert aus dem Spannungsfeld von Individuum und Gesellschaft, Selbstverwirklichung und politisch-gesellschaftlicher Positionierung. Mit Leidenschaft und Verve bezieht Giesen in seinen Kompositionen Stellung, kommentiert und thematisiert aktuelle Entwicklungen und fordert durch bisweilen anstrengende Sperrigkeit zum aufmerksamen, reflektierten Zuhören heraus. Dabei bedient er sich ausgefeilter Kompositionsmethoden mit analogen und digitalen Spielarten und Techniken, exzessivem General MIDI-Einsatz, feinster Mikrointervallik sowie im Netz zugänglicher Klangmaterialien und -quellen wie zum Beispiel YouTube Videos. Diese Techniken finden ihren Einsatz, um eine ernsthafte Auseinandersetzung mit Musik und ihrer Funktion zu befördern sowie Wahrnehmung durch Kontextveränderungen zu brechen und zu erweitern.“

Notenausschnitt: ©Malte Giesen
Auszug aus der Partitur „Die Paradoxie der Sichtbarkeit II“ von Malte Giesen. ©Malte Giesen

Zur Person Malte Giesen
Der 1988 in Tübingen geborene Malte Giesen hat an der Stuttgarter Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Komposition und Computermusik studiert und besuchte von 2010 bis 2011 das Pariser Konservatorium CNSM, bevor er zur Hochschule für Musik in Berlin ging. Giesen ist in der Vermittlung Neuer Musik in Schulen und Musikschulen tätig. Er ist Gründungsmitglied des Stuttgarter Klang Büros e.V. und engagiert sich bei Suono Mobile – Initiative für Neue Musik sowie beim Stuttgarter Festival „Neue Töne Open“.

Giesen schreibt sowohl für kammermusikalische Besetzungen als auch für großes Orchester. Für seine Werke wurde er mehrfach mit Stipendien und Preisen ausgezeichnet. Unter anderem erhielt er 2009 den ersten Preis des Deutschen Musikwettbewerbs Komposition. 2012 war er Preisträger des Meisterkurses Orchesterkomposition des Radio-Sinfonieorchesters Stuttgart. 2013 folgte die Auswahl als Teilnehmer der Donaueschinger Musiktage und 2014 des Summer Composition Institutes der Harvard University. Giesens Kompositionen sind bei Festivals wie Acht Brücken Köln, Wien Modern, Klangwerkstatt Berlin und den Wittener Tagen für neue Kammermusik zu hören.

Empfohlen wurde Giesen von einem musikalischen Beirat, dem der Komponist und Musiker Eckart Beinke (oh ton – Förderung aktueller Musik e.V.), Michael Hagemeister (Projektleitung klangpol – Netzwerk Neue Musik Nordwest) und der Musikpädagoge Prof. Dr. Lars Oberhaus, Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, angehören.

Über den Oldenburger Kompositionspreis
Die Stadt Oldenburg vergibt seit 1988 alle zwei Jahre anlässlich der Verleihung des Carl-von-Ossietzky-Preises für Zeitgeschichte und Politik eine honorierte Auftragskomposition: den Oldenburger Kompositionspreis für Zeitgenössische Musik. Mit der Uraufführung der jeweiligen Komposition während des Festaktes sollen Namensgeber und Preisträger auch musikalisch auf besondere Weise gewürdigt werden. Darüber hinaus leistet die Stadt Oldenburg mit dem Kompositionspreis einen Beitrag zur individuellen Förderung von Komponistinnen und Komponisten Neuer Musik.