Interview mit einem JobPaten und Patenschüler - Stadt Oldenburg
Interview mit einem JobPaten und Patenschüler

Interview mit Gisbert Kleinhalz und Klaas Beyer

Foto: Till Werhan
JobPate Gisbert Kleinhalz und sein Patenschüler Klaas sind auch nach dem „offiziellen Ende“ der Patenschaft bis heute in Kontakt. Foto: Till Werhan

Gisbert Kleinhalz ist Fotograf und JobPate in zwei Durchgängen und Klaas Beyer, jetzt 21 Jahre alt, war sein Patenschüler und ist aktuell im Abschluß des Berufsvorbereitungsjahres. Beide sind auch nach dem „offiziellen“ Ende der eigentlich circa 2 Jahre dauernden JobPatenschaft bis heute in Kontakt. 

Frage an Klaas: Du bist damals im Jahr 2010 in das Projekt eingestiegen. Was hat dich als Schüler interessiert, in das Projekt zu gehen und einen JobPaten an der Seite haben zu wollen?
Klaas: Ich wusste damals nicht, was ich beruflich werden wollte. Ich habe dann über die Schule von dem Projekt gehört, dass ehrenamtliche Erwachsene Schülern bei der Praktikumsplatzsuche und generell beim Suchen nach dem richtigen Beruf helfen und habe mich gemeldet.

Frage an Gisbert: Was hat dich bewogen, wieder als JobPate in das Projekt einzusteigen? Du warst ja bereits JobPate in einem vorherigen Durchgang.
Gisbert: Es macht mir Spaß, jungen Leuten etwas weiterzugeben. Die erste JobPatenschaft war allerdings nicht so intensiv wie die jetzige mit Klaas.

Frage an Klaas: Wobei hat dich dein JobPate zum Beispiel unterstützt?
Beide antworten: Wir haben viel geredet, Erfahrungen ausgetauscht, Praktikumsplätze gesucht und Berufsbilder besprochen.
Gisbert: Wobei wir über das Berufsbild nicht immer einer Meinung waren!
Klaas: Ja, erst wollte ich Kellner werden, was Gisbert überhaupt nicht gefiel. (Beide geraten in eine Diskussion über Berufsausbildungen!)

Frage an beide: Wie und wo habt ihr euch eigentlich getroffen?
Klaas:
Meistens haben wir uns abends getroffen und – obwohl möglich – bewusst nicht in der Schule, um ein anderes Umfeld zu haben.
Gisbert: Wir haben allerdings auch manchmal etwas gemeinsam unternommen, was nichts mit der beruflichen Orientierung zu tun hatte, wie ein Fußballspiel anzusehen und den Tag bei den EWE Baskets fanden wir auch super. (Anmerkung: der Jahresempfang des JobPatenprojekts 2014, an dem alle JobPaten und Patenschüler nach dem offiziellen Part zum EWE Baskets Day eingeladen waren)
Klaas: Ich habe Gisbert auch einmal zu Hause besucht.

Frage an Klaas: Was hast du durch deinen JobPaten an Erfahrungen gewonnen?
Klaas: Erst wollte ich ja wie gesagt Kellner werden, aber mein JobPate hat mich dann doch dazu bewogen, auch etwas anderes auszuprobieren, wie zum Beispiel ein Praktikum in einem Altenheim und in einer Bäckerei. Ich habe aber noch etwas anderes gelernt: Durch den Kontakt zu Gisbert, der ja im Rolli (Rollstuhl) sitzt, habe ich den Umgang mit Behinderten gelernt. Das hilft mir jetzt im Berufsbildungswerk, wo ich auch mit Menschen mit Handicaps zusammen bin. Außerdem habe ich jetzt eine Freundin, die ebenfalls im Rollstuhl sitzt.

Frage an Gisbert: Was hat dir das Zusammensein mit Klaas gegeben?
Gisbert: Den Kontakt zu jungen Menschen zu behalten. Ich bin an seinem Werdegang interessiert wie an dem meiner eigenen Kinder, die jetzt 38 und 40 Jahre alt sind. Der Umgang mit Klaas macht mir viel Freude und Spaß (Klaas, spontan: …den habe ich auch mit Dir!) und ich fühle mich dadurch jung und mit den Generationen verbunden.

Frage an Klaas: Wie sieht deine aktuelle Lebenssituation aus (Beruf/Schule) und warum bist du immer noch gerne mit deinem JobPaten zusammen?
Klaas: Derzeit bin ich beim Berufsbildungswerk in Bremen, wo ich ein Berufsvorbereitungsjahr mache und dort gerne anschließend eine kaufmännische Ausbildung absolvieren möchte. (Klaas lacht und wirft einen Seitenblick zu Gisbert) Und ich finde es gut, dass Gisbert eben kein Elternteil ist, sondern mehr ein Freund.

Frage an Gisbert: Wie unterstützt du Klaas heute und/oder gibt er dir – er ist ja inzwischen erwachsen geworden – auch etwas zurück?
Gisbert: Ich begleite immer noch seinen Werdegang durch Höhen und Tiefen (Klaas wirft ein: Ich war ja länger krank, dadurch bedingt auch der Schulwechsel zum Berufsbildungswerk) und dass er bis jetzt alles so gut gemeistert hat, finde ich super. Vielleicht ja auch ein bisschen durch mein Zutun. (Klaas bestätigt das!)

Frage an beide: Das offizielle Ende Eurer Patenschaft war ja bereits Mitte 2013. Trotzdem seid ihr bis jetzt (Anfang 2015) verbunden oder soll ich sagen, befreundet, und trefft euch immer noch regelmäßig.
Gisbert: Ja – weil, wir akzeptieren uns nicht nur...
Klaas ergänzt: Wir mögen uns auch!

Frage an beide: Was würdet Ihr gerne Interessenten für das JobPatenprojekt raten oder mit auf den Weg geben? Einmal vielleicht aus aus der Sicht des Schülers und einmal aus der Sicht eines JobPaten?
Klaas: Ich würde als Schüler genauso wie damals wieder in das Projekt einsteigen. Ich habe durch die Patenschaft mit Gisbert gelernt, nicht nur auf das Äußere, sondern auf andere Charaktereigenschaften zu achten. Außerdem fand ich es super, das ein Erwachsener von außerhalb (Anmerkung: gemeint ist, außerhalb des Familien- und Schulkreises) mich ernst genommen hat.
Gisbert: Erwachsene sollten sich auf das Projekt einlassen, da auch sie persönlich durch das Zusammensein mit einem jungen Menschen viel gewinnen können, zum Beispiel Verständnis für andere jüngere Generationen zu behalten.