Ausstellung - Stadt Oldenburg
Ausstellung

Zarter Fuß an hartem Leder

Foto: Peter Kreier
Claudia Triebe, geb. Pfeifer 1. Damenmannschaft des Post SV 1977/78. Foto: Peter Kreier

Am 26. Juni 2011 wird die Fußballweltmeisterschaft der Frauen in Berlin angepfiffen. Eine Selbstverständlichkeit? Nicht wenn man weiß, dass der Deutsche Fußballbund (DFB) 15 Jahre lang Frauen und Mädchen das Fußballspielen in Vereinen verbot.
Um diese Zeit und die Entwicklungen danach näher zu beleuchten, zeigt das Frauenbüro der Stadt Oldenburg in Kooperation mit der Landesbibliothek Oldenburg vom 26. Mai bis zum 30. Juli 2011 die Ausstellung "Zarter Fuß an hartem Leder. Mädchen- und Frauenfußball in Oldenburg von den Anfängen bis heute."

Die Idee zur Ausstellung

Die Grundidee der Ausstellung ist es aufzuzeigen, wie sich das Fußballverbot für Frauen des Deutschen Fußballbundes in Oldenburg auswirkte. Des Weiteren wie sich nach der Aufhebung 1970 der Mädchen- und Frauenfußball entwickelte. Konkret wird die Zeitspanne ab1958 dargestellt.
Unser Interesse ist exemplarisch am Fußball darzustellen, wie sich das Frauenbild verändert hat, welche Hindernisse die Fußballerinnen und ihre Trainer beseitigen mussten und wie der Stand des Oldenburger Mädchen- und Frauenfußball heute ist. Diese Aspekte werden wir im regionalen Kontext darstellen. Die Ausstellung ist damit ein Teil der Oldenburger Sportgeschichte.

Hintergrund

Foto: Stadt Oldenburg
Medaille: 125 Jahre BTS Neustadt. Internationales Fußballdamenturnier, 3. Platz, 7.7.87. Foto: Stadt Oldenburg

Ein Jahr nach dem "Wunder von Bern" verbot der Deutsche Fußballbund (DFB) seinen Vereinen Frauenabteilungen zu gründen oder Frauen Sportplätze zur Verfügung zu stellen. "Im Kampf um den Ball verschwindet die weibliche Anmut, Körper und Seele erleiden unweigerlich Schaden und das Zurschaustellen des Körpers verletzt Schicklichkeit und Anstand." so die Begründung des DFB für das damalige Verbot. 

Trotz des Verbotes organisieren sich Frauen und gründen Vereine: Rhenania Essen und Fortuna Dortmund. Im September findet in Essen vor 18.000 Zuschauerinnen und Zuschauern das erste (inoffizielle) Damenfußball-Länderspiel zwischen Deutschland und Holland statt.
1970 kicken zwischen 40.000 und 60.000 Mädchen und Frauen nach Schätzungen abseits vom DFB. Im Sommer findet in Italien die erste inoffizielle Damen-Fußballweltmeisterschaft statt.  Und am 31.10.1970 hebt der DFB schließlich sein Damenfußball-Verbot auf. Vier Jahre später findet die erste offizielle deutsche Frauenfußball-Meisterschaft statt. 1980/81 wird der DFB-Frauen-Länderpokal eingeführt. 13 von 16 Landesverbänden nehmen teil. Im Endspiel am 10.05.1981 im Stadion von Bergisch Gladbach gewinnt das Team aus Mittelrhein 1:0 gegen die Niedersachsenauswahl.
1991 wird die deutsche Nationalmannschaft bei der ersten offiziellen Frauenfußball-Weltmeisterschaft in China Vierte und verteidigt in Dänemark im selben Jahr erfolgreich ihren Europameisterschaftstitel.

Bis heute erringt die Nationalelf zwei Weltmeisterschaftstitel, sieben Europameisterschaftstitel und drei Bronzemedaillen bei den Olympischen Spielen.

Frauenfußball in Oldenburg

Foto: Günter Springer, Oldenburg
August 1970 auf dem VfL-Platz bei der Jahn-Halle. Polizei SV gegen VfL. Polizei SV v.l.n.r.: Jutta Beckert, Ingrid Weber, Helga Becker, Erika Oltmanns, Christa Geisler, Irmgard Abel. Foto: Günter Springer, Oldenburg

1958 stellte die Dortmunder Damenmannschaft den Antrag an die Stadt Oldenburg im Marschwegstadion ein Fußballspiel auszurichten. Dieser wurde abgelehnt.
Ab 1970 - nach Aufhebung des Frauenfußballverbots - entwickelte sich der Mädchen- und Frauenfußball in Oldenburg langsam. 2004 fand ein EM-Qualifikationsspiel der Frauennationalmannschaft gegen die Ukraine im Marschwegstadion statt. Damit wurde ein wichtiger Impuls für den Frauenfußball in Oldenburg und Umgebung gesetzt.