Staats- ministerium und Alter Landtag - Stadt Oldenburg Kinder Symbolfoto
Staats- ministerium und Alter Landtag

Staatsministerium und Alter Landtag

Foto: Stadt Oldenburg
Das Staatsministerium. Foto: Stadt Oldenburg

Max und Mia beschließen an einem sonnigen Tag im Juni eine Fahrradtour zum Dobbenteich zu unternehmen. Dort angelangt, packt Max ein Stück Brot aus, hält Mia ein Stück hin und sagt: „Meine Oma hatte noch altes Brot über! Wir könnten doch die Enten füttern?“ Mia entgegnet: „Oh ja. Das ist eine schöne Idee!“ Max zögert und fragt Mia: „Sag mal Mia, weißt du eigentlich was das für ein großes gelbes Gebäude da drüben ist mit den vielen hohen Säulen?“ Mia antwortet: „Hmm, mein Vater hat mal erzählt, dass diese zwei alten Gebäude in der Geschichte eine große Bedeutung in Oldenburg hatten und Politiker sich dort getroffen haben. Aber genaueres kann ich dir dazu auch nicht sagen.“

In diesem Moment taucht ein alter Herr hinter ihnen auf. Max und Mia drehen sich erschrocken um, als der alte Herr sie anspricht: „Wie? Habe ich da richtig gehört? Ihr wisst beide nicht, dass es sich bei diesen Gebäuden um das ehemalige Landtagsgebäude und das Staatsministerium handelt?“ Max und Mia schauen sich verdutzt nach dem Herrn um. Mia erwidert verlegen, als sie ihren Nachbarn Herrn Hoffmann erkennt: „Na ja. Von außen sieht es ja sehr beeindruckend aus. Aber warum es hier in Oldenburg diese Gebäude gibt und welchen Nutzen sie haben, das weiß ich nicht!“ „Ja, dann kommt doch mal beide mit! Ich werde euch ein bisschen mehr über diese Gebäude erzählen“, sagt Herr Hoffmann und lächelt Mia und Max zu. Er geht vor und Max und Mia folgen ihm. Sie stellen sich auf den Vorplatz mitten auf die grüne Wiese des Theodor-Tantzen-Platzes und Mias Nachbar fängt an zu erzählen.

Der Theodor-Tantzen-Platz
„Wir befinden uns hier auf dem Theodor-Tantzen-Platz. Der Platz wurde nach Theodor Tantzen benannt. Er war der erste Ministerpräsident des Freistaates Oldenburg, der nach dem ersten Weltkrieg gegründet wurde. Theodor Tantzen war damals Mitglied der Deutschen Demokratischen Partei in Oldenburg.“

Foto: Stadt Oldenburg
Das alte Landtagsgebäude. Foto: Stadt Oldenburg

Herr Hoffmann erzählt Geschichten über die Gebäude
„Hier auf der linken Seite seht ihr das alte Landtagsgebäude und direkt vor uns befindet sich das Staatsministerium. Beide Gebäude wurden im Auftrag des damals bestehenden Großherzogtums in den Jahren 1912-1916 mit Hilfe des Architekten Paul Bonatz errichtet.“ Max erwidert daraufhin: „Was passiert denn eigentlich in so einem Landtagsgebäude und wozu diente das Staatsministerium? Ich kann mir gar nichts darunter vorstellen.“

In diesem Moment gibt Mia Max einen leichten Seitenhieb und antwortet energisch: „Ach Max, das hatten wir doch letztens erst im Politik-Unterricht! Im Landtagsgebäude trifft sich der Landtag. Das ist doch klar! Der Landtag bildet die Volksvertretung, also das Parlament. Volksvertreter sind Personen, Abgeordnete, die wir wählen. Eigentlich hat der Landtag nur eine Kontrollfunktion, er überprüft zum Beispiel die Arbeit der Landesregierung und beschließt Gesetze. Der Landtag wird auch als Abgeordnetenhaus bezeichnet.“ Max schaut Mia verdutzt an und erwidert: „Das war natürlich klar, dass du das alles weißt, Mia!“ Der alte Herr schaut die beiden mit einem ernsthaften Blick an und Max und Mia richten ihm ihre Aufmerksamkeit wieder zu.

Dieser fängt daraufhin weiter an zu erzählen: „Das Staatsministerium war Amtsstätte der Oldenburgischen Ministerpräsidenten. Die Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten sind Personen, die zu einer Regierung gehören, vom Bundeskanzler vorgeschlagen und vom Bundespräsidenten zu Ministern ernannt werden. Sie leiten danach ein bestimmtes Ministerium und sind für bestimmte Aufgaben zuständig. Zum Beispiel kümmert sich das Familienministerium des Landes um die Belange von Familien. Man kann dabei auch von einem Amtsbereich sprechen. Deshalb der Begriff Amtsstätte. Wie es dazu kam, dass gerade Oldenburg zur Amtsstätte wurde, möchte ich euch etwas genauer erzählen. Dazu gehört ein bisschen die Geschichte Oldenburgs.

Von 1773 bis 1918 regierten Herzöge und Großherzöge das Oldenburger Land. 1774/1777 wurde Friedrich August, in den Herzogstand erhoben. Er regierte damals Oldenburg und das Hochstift Lübeck. Er war also zuständig für zwei räumlich getrennte Gebiete. Als der Herzog 1785 starb, übernahm sein Neffe Peter Friedrich Ludwig das Amt, da sein leiblicher Sohn, Peter Friedrich Wilhelm, eine geistige Behinderung hatte und damals nicht Nachfolger werden konnte. Als Peter Friedrich Wilhelm 1823 starb, wurde Peter Friedrich Ludwig Herzog von Oldenburg. Oldenburg wurde unter der Führung von ihm Residenzstadt und das Hochstift Lübeck wandelte man 1803 in ein erbliches Fürstentum um. Napoleon Bonaparte, dessen Namen ihr sicher schon einmal im Geschichtsunterricht gehört habt, eroberte um 1810 sämtliche Gebiete, so auch Oldenburg. Peter Friedrich Ludwig flüchtete zu diesem Zeitpunkt nach Russland, wo sein Sohn Georg mit der Schwester des Zaren Alexander verheiratet war.

Nach dem Sturz Napoleons kehrte Peter Friedrich Ludwig in sein Land zurück. Als der Herzog 1829 starb, übernahm sein Sohn Paul Friedrich August das Regiment und nahm gleichzeitig auch den Titel des Großherzoges an. Im Großherzogtum übernahmen die Staatsminister die Leitung der Regierung. Dies waren drei Minister, die von dem Großherzog ernannt und entlassen wurden. Bis nach dem ersten Weltkrieg und bis zur Gründung des Freistaates 1918 bestand das Großherzogtum in Oldenburg. Im Staatsministerium, welches zwischen 1912-1916 errichtet wurde, übernahmen die ernannten Staatsminister eine Verwaltungsaufgabe. Der letzte Großherzog, Friedrich August, verzichtete während der Novemberrevolution aufgrund des öffentlichen Druckes auf seinen Thron. Oldenburg wurde dadurch erstmals zu einem Freistaat.“

Nachdem Herr Hoffmann so lange über das Herzogtum und Großherzogtum in Oldenburg erzählt hat, schaut Max ihn fragend an und erwidert daraufhin: „Was ist denn ein Freistaat? Da habe ich wirklich noch gar nichts von gehört?“ Mia ergreift wieder das Wort und wendet sich Max zu: „Mensch, Max! Damit ist eine Republik gemeint. In einer Republik geht die Entscheidungsgewalt vom Volke aus. Es gibt somit niemanden mehr, der alles zu sagen hat, wie in einer Diktatur. Das Volk wählt Vertreter, die sich für seine Interessen einsetzen und diese Personen bilden dann eine Regierung. Das Staatsoberhaupt wird entweder direkt oder indirekt gewählt!“ Max sieht Mia verärgert an und antwortet: „Ach, ich verstehe nur noch Bahnhof!“ Der alte Herr zieht die Stirn nach oben und beginnt von neuem: „Nach dem ersten Weltkrieg und durch die Ausrufung der Republik bildeten sich Freistaaten wie Preußen, Bayern, Sachsen, Oldenburg und viele andere. Der Begriff Freistaat hat heute aber keine rechtliche Bedeutung mehr. Die Republik bestand bis zum Beginn des Zweiten Weltkrieges.“ Mia hörte interessiert zu und fragte dann ihren Nachbarn: „Na und was ist dann im Zweiten Weltkrieg hier passiert?“ Herr Hoffmann antwortete ihr: „Ja, das ist leider eine traurige Geschichte.

Denn 1933 gewann die nationalsozialistische Partei die absolute Mehrheit in Oldenburg. Als Hitler zum Reichskanzler ernannt wurde, wehte da drüben am Theodor-Tantzen-Platz das erste Mal eine Hakenkreuzfahne. Dieser Platz vor dem Staatsministerium, auf dem wir uns hier befinden, wurde dann in den „Adolf-Hitler-Platz“ umbenannt. Die Stadtverwaltung verlor im Zuge dessen ihre Entscheidungsmacht über kommunale Angelegenheiten. Im Nationalsozialismus hatte die Verteidigung des Reiches Vorrang.“ Mia antwortet darauf: „Das war dann wohl das Ende der Republik. Zumindest vorerst, denn unter der Führung Hitlers herrschte ja eine Diktatur im so genannten „Dritten Reich“. Somit verlor das Volk jegliche Mitbestimmung bei wichtigen Angelegenheiten der Bevölkerung.“

Max kann sich jetzt mit seiner Frage auch nicht mehr zurückhalten und fragt Herrn Hoffmann, was denn nach dem Zweiten Weltkrieg passiert sei. Er schaute Max mit ernster Miene an und sagt: „Nach dem Zweiten Weltkrieg, 1945, befreiten die Siegermächte, die Alliierten, Deutschland von den Nationalsozialisten. Die Alliierten, das waren die USA, Großbritannien, Frankreich und die Sowjetunion. Damals wurden durch eine Verordnung der britischen Militärregierung alle Provinzen des ehemaligen Landes Preußen aufgelöst und es bildeten sich neue selbstständige Länder. Das Land Oldenburg wurde durch die Bildung des Landes Niedersachen zum „Verwaltungsbezirk“ ernannt. Der entstandene Verwaltungsbezirk wurde durch eine Behörde geleitet. Sitz des früheren Verwaltungsbezirkes war das Oldenburgische Staatsministerium. 1978 wurde der Regierungsbezirk Weser-Ems mit den Regierungsbezirken Aurich und Osnabrück neu gegründet. Der „Verwaltungssitz“ des Weser-Ems-Bezirkes war Oldenburg. Am 1. Januar 2005 wurden alle Regierungsbezirke des Landes Niedersachsen aufgelöst. Durch Beschluss der Landesregierung gibt es nun in Oldenburg eine Regierungsvertretung.“

Foto: Stadt Oldenburg
Eingang vom Staatsministerium. Foto: Stadt Oldenburg

Max schaut den Herrn verwundert an und erwidert „Da haben diese beiden Gebäude ja eine lange Geschichte hinter sich! Mia schaut nachdenklich die beiden Gebäude an und fragt den alten Herrn: „Wozu dienen die Räumlichkeiten denn heute noch?“ Dieser antwortet: „Im damaligen Staatsministerium befindet sich heute das Landesbehördenzentrum. Dort gibt es sieben Verwaltungseinrichtungen. Zum einen befindet sich dort die Polizeidirektion und der Polizeipräsident hat dort sein Büro. Zum anderen ist dort noch ein kleiner Teil der Regierungsvertretung zu finden, wie zum Beispiel das Ministerium für Soziales, Frauen, Familie und Gesundheit oder das Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft, Verbraucherschutz und Landesentwicklung.

Zudem befindet sich im ehemaligen Staatsministerium noch das staatliche Gewerbeaufsichtsamt, die Wasserschutzpolizei, das Niedersächsische Landesarchiv, das Landesamt für Statistik und Kommunikationstechnologie und das Neue Hanse Interregio. Das Neue Hanse Interregio, das ist eine Partnerschaft mit den Niederlanden. Das Landtagsgebäude wird heute für kulturelle Zwecke genutzt. Es befinden sich dort Schulungsräume und es besteht noch ein Plenarsaal, in dem Debatten stattfinden. Außerdem gibt es auch noch eine Kantine.“

Mittlerweile ist es auf dem Theodor-Tantzen-Platz ganz schön heiß geworden und Max wischt sich den Schweiß von der Stirn und sagt: „Puh! Was für eine Hitze! Kaum auszuhalten!“ Auch Herr Hoffmann holt aus seinem Jackett ein Taschentuch und tupft sich die Stirn. Er erwidert: „Na, das war jetzt vielleicht auch ein bisschen viel!“
Max und Mia bedanken sich für die ausführlichen Informationen bei Herrn Hoffmann. Sie haben wirklich viel erfahren. Bei dem Wetter wird es aber jetzt Zeit für ein Eis!