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Interview mit dem Oberbürgermeister
Schülerinnen und Schüler der Grundschule Nadorst haben zusammen mit ihrem Lehrer und Studenten Oberbürgermeister Gerd Schwandner im Rathaus besucht. Dabei haben die Jungen und Mädchen den Oberbürgermeister interviewt um herauszufinden, was die Aufgaben des Oberbürgermeisters sind, wie sein Arbeitsalltag aussieht und was er in seiner Freizeit macht.
Hier kannst du die Fragen und die entsprechenden Antworten nachlesen:
Was machen Sie in Ihrer Freizeit? Und was machen Sie, wenn Sie arbeiten?
„Na, wenn ich arbeite, arbeite ich. Was ich arbeite, das kann ich gleich ein bisschen erzählen. Freizeit habe ich ehrlich gesagt fast keine – das bringt der Job einfach mit sich. Aber das weiß man vorher. Wenn ich doch mal Freizeit habe, dann lese ich viel oder ich reise oder ich mache Sport. Und ganz selten koche ich. Das heißt ich helfe meiner Frau beim Kochen. Obwohl ich auch ein bisschen was kochen kann – so ist das nicht!
Mein Arbeitsalltag sieht etwas anders aus. Ich erzähle einfach mal ein bisschen was. Also, ich stehe üblicherweise um 6 Uhr morgens auf. Dann mache ich den Computer an und bearbeite meine E-Mails. Die kann ich nämlich auch zu Hause und auf meinem Blackberry lesen. So bin ich beinahe rund um die Uhr erreichbar. Wenn ich ins Büro komme, habe ich also schon alle E-Mails gelesen und bin auf dem neuesten Stand.
Dann telefoniere ich zwanzig Minuten mit meiner Frau – die arbeitet in der Woche nämlich in Hannover. Im Sommer jogge ich auch noch, dann laufe ich eine Runde im Eversten Holz. Frühstücken tue ich fast nichts – einen Kaffee und dann gehe ich ins Büro. Manchmal bin auch schon um sieben im Büro. Jeder Tag ist anders. Im Büro selbst habe ich interne Besprechungen mit meinen Mitarbeitern, Termine mit Unternehmen, mit Gästen von außerhalb oder mit Bürgerinnen und Bürgern unserer Stadt. Eine ganze Reihe von Terminen findet außerhalb des Rathauses statt, sozusagen „vor Ort“ – Schließlich kann man nicht alles vom Schreibtisch aus entscheiden. Außerdem ist der persönliche Kontakt mit der Bevölkerung wichtig. Und darüber hinaus vertrete ich die Stadt in vielen Gremien, die außerhalb tagen. Und so geht das dann so bis abends – und meistens habe ich am Abend auch noch einen oder zwei Termine.
Heute Abend zum Beispiel gehe ich zu den Baskets. Wenn ihr zu den Baskets geht, dann ist das euer Vergnügen. Für euch ist das Freizeit. Vergnügen ist das für mich auch, weil ich die Spiele gerne sehe. Aber es ist keine Freizeit. Für mich ist das Arbeit. Ich gehe dorthin auch als Repräsentant der Stadt und ich bin dort dann eine öffentliche Person. Ich werde während eines Spiels oder in der Pause von mindestens 10 Leuten angesprochen, die irgendetwas von mir wollen. Das ist auch richtig so. Ich gehe ja auch deswegen hin, damit ich da angesprochen werden kann. Manchmal kann man in solcher Atmosphäre schwierige Dinge besser besprechen als bei einem formellen Termin im Büro.
Es ist wichtig für einen Oberbürgermeister, dass man nicht nur offizielle Termine macht, sondern dass man auch „kleine“ Gespräche führt, wenn man jemanden irgendwo trifft. Das gehört dazu. Wenn ich hier in Oldenburg bin, dann bin ich auch immer im Dienst. Und das ist auch richtig so. Ich werde auch nachts angerufen. Und meine Mitarbeiter wissen, dass ich auch nachts um elf noch E-Mails lese und beantworte.“
Wieviel Stunden arbeiten Sie am Tag?
„Ich würde schätzen, ich arbeite 13 bis 14 Stunden am Tag.
Bei mir ist es dann ja so, dass ich keine 5-Tage-Woche habe. Ich arbeite ja auch am Samstag und auch am Sonntag – allerdings nicht im Büro. Da gibt es sehr viele Termine, zu denen ich eingeladen bin – Eröffnungen, Einweihungen, Empfänge und Jubiläen zum Beispiel. Auch deshalb komme ich durchschnittlich auf sehr viele Arbeitsstunden. 24 Stunden – das wäre wirklich übertrieben. Aber viel ist es dennoch. Das weiß man aber auch vorher. Das ist eine normale Arbeitsbelastung in einer Führungsposition. Bei einem Topmanager in einer Firma ist das nicht anders. Den Unterschied zwischen einem Oberbürgermeister und einem Topmanager erkennt man an zwei Stellen – Erstens: Die Bezahlung ist deutlich schlechter und zweitens: Man steht häufiger in der Presse - manchmal positiv, manchmal negativ. Als Chef einer großen Firma kommt das seltener vor. Die Firma erscheint dort mal, aber nicht die Person. Das ist ein Unterschied.“
Wie wird man eigentlich Oberbürgermeister?
„Man kandidiert, man stellt sich zur Wahl. Und dann gibt es einen Wahlkampf, in dem man versucht, die Menschen mit seinen Argumenten davon zu überzeugen, dass man der richtige Kandidat ist. Dann entscheiden die Wähler.
In Niedersachen ist es so, dass bei der ersten Wahl derjenige gewinnt, der absolut die meisten Stimmen bekommen hat – also über 50 %! Wenn keiner der Kandidaten die 50 % bekommen hat, dann gibt es 14 Tage später einen zweiten Wahlgang – die sogenannte Stichwahl. Dann treten nur noch zwei Kandidaten an – der, der die meisten Stimmen bekommen hat und der, der die zweitmeisten Stimmen bekommen hat. Dann hat einer auf jeden Fall mehr als 50%.“
Wenn Sie eine Entscheidung treffen: Entscheiden Sie alleine oder entscheiden andere mit?
„Die Entscheidung selbst treffe ich alleine. Aber ich lasse mich vorher beraten und wir besprechen unsere Entscheidungen ausführlich. Es ist immer vernünftig, mehrere Meinungen und Gegenargumente zu hören, bevor man eine schwierige Entscheidung trifft. Man sollte immer wissen, welche Meinungen es zu einem Thema gibt und wie sie begründet sind. Man muss das Für und Wider gegeneinander abwägen. Aber dann muss man eine Entscheidung fällen und die auch verantworten.“
Wofür braucht eine Stadt einen Oberbürgermeister?
„Aus ganz vielen, aber vor allem aus zwei Gründen: Zum einen braucht jede Organisation, ob es eine Firma oder die Kirche ist oder ein Sportverein oder eine Fußballmannschaft ist, einen Chef. Ob es ein Mann ist oder eine Frau – das ist völlig egal. Man braucht ganz einfach jemanden, der zum Schluss eine Entscheidung zu fällen und auch zu verantworten hat.
Das ist das eine und das andere ist: Eine Stadt oder ein Dorf braucht auch jemanden, der für die Stadt als Gesicht oder als Person dasteht und die Stadt repräsentiert, so dass die Menschen wissen: Der – oder die – verkörpert jetzt unsere Stadt. Was er – oder sie – sagt, das gilt.“
Muss man sich als Oberbürgermeister mit der Geschichte Oldenburgs auskennen?
„Ein bisschen sollte man schon Bescheid wissen. Ich bin ja sogar Historiker. Ich bin aber nicht deshalb Historiker geworden, weil ich mich mit Geschichte ausführlich beschäftigen wollte. Und man wird auch nicht Oberbürgermeister, wenn man ganz viel über die Geschichte der Stadt weiß. Das ist nicht der Teil, der am wichtigsten ist.
Es schadet nicht, wenn man sämtliche Geschichtsdaten kennt. Wichtiger ist aber etwas anderes. Man sollte wissen, wie die Stimmung und die Psychologie der Stadt sind. Das hängt ein bisschen mit der Geschichte zusammen, aber auch mit dem Selbstbewusstsein der Menschen. Als Oberbürgermeister sollte man die Vergangenheit mit der Gegenwart und der Zukunft verknüpfen können. Man muss in großen Zusammenhängen denken. Dafür muss man nicht jedes Detail kennen. Es schadet allerdings auch nicht.“
Schwimmen Politiker eigentlich im Geld?
„Nein. Zumindest nicht im eigenen. Theoretisch hat ein Bürgermeister zwar viel Geld zur Verfügung. Aber es ist nicht seins, sondern das der Bürgerinnen und Bürger. Deshalb muss er sehr sorgsam und vorsichtig damit umgehen. Er darf das Geld also nicht selber behalten, sondern muss es zum Beispiel für Straßenbau oder für die Unterstützung hilfsbedürftiger Menschen ausgeben. Dabei hilft ihm der Rat der Stadt Oldenburg, der immer sehr genau weiß, wo gerade Geld gebraucht wird und wo nicht. Für seinen Beruf bekommt der Bürgermeister natürlich auch Geld. Weil er für die Stadt sehr wichtig ist und auch viel arbeitet, bekommt er für seine Tätigkeiten mehr Geld als in vielen anderen Berufen. Es reicht aber bei weitem nicht, um darin zu schwimmen. Es ist etwas mehr als Eure Lehrer verdienen – aber weniger als zum Beispiel ein Fabrikdirektor bekommt.“
Treffen Sie sich auch mit anderen Oberbürgermeistern?
„Ja und zwar gibt es zwei Gesprächsrunden, wo ich regelmäßig hingehe – und es gibt noch weitere, wo ich nicht hingehe. Eine dieser beiden Gesprächsrunden besteht aus den Hauptverwaltungsbeamten des alten Oldenburger Landes. Das ist – grob gesagt – das Gebiet von Vechta bis nach Wilhelmshaven. Hauptverwaltungsbeamte sind die Landräte und Oberbürgermeister aus diesem Raum. Meine Kollegen aus Delmenhorst und Wilhelmshaven treffe ich also häufig. Dann gibt es in Niedersachsen noch eine Gesprächsrunde der Oberbürgermeister, die trifft sich einmal im halben Jahr. Da geh ich auch immer hin.“
Was machen Sie, wenn Sie krank sind? Kommt dann ein Ersatz-Oberbürgermeister?
„Nein, das ist etwas anders. Es gibt bei der Stadt Oldenburg insgesamt vier Dezernate. Das ist die oberste Ebene der Verwaltung. Ich selbst bin zuständig für Personal- und Verwaltungsmanagement und Wirtschaftsförderung – das ist das Dezernat 1. Frau Meyn kümmert sich um die Finanzen – das ist Dezernat 2. Frau Sachse leitet das Dezernat 3 und ist unter anderem für Schule zuständig. Und dann gibt es noch das Dezernat 4, das sich um Bauangelegenheiten kümmert. Dafür ist Frau Nießen zuständig. Frau Meyn ist gleichzeitig die Erste Stadträtin – und damit die offizielle Vertreterin des Oberbürgermeisters. Wir haben also eine klare Vertretungsregelung. Wenn ich krank bin – dann übernimmt Frau Meyn.“
Was muss ein Oberbürgermeister können?
„Man muss eine Berufsausbildung abgeschlossen haben. Der Beruf ist dabei egal. Hauptsache ist, dass man außerhalb der Politik seine Berufserfahrungen gesammelt hat.
Von den persönlichen Eigenschaften muss man ein ganzes Bündel von Eigenschaften mitbringen. Man braucht politisches Gespür und Erfahrungen. Man braucht Menschenkenntnis. Man braucht auch Führungsqualitäten, denn man muss den Menschen ja sagen, was gemacht wird – auch zum Teil gegen deren Überzeugung. Ganz wichtig ist außerdem ein offenes Ohr haben für die Anliegen der Mitarbeiter und der Bevölkerung. Man braucht auch so etwas wie einen Schutzmechanismus um sich herum, damit einem nicht alle Probleme, mit denen man jeden Tag konfrontiert wird, so nahe gehen. Man benötigt eine gewisse Distanz.
Als Oberbürgermeister einer Stadt wie Oldenburg braucht man heutzutage außerdem internationale Kenntnisse und Erfahrungen. Man muss sich schlichtweg im Ausland auskennen. Und man muss neugierig sein auf Veränderungen. Außerdem sollte man in der Lage sein, sich selbst zu hinterfragen und zu überprüfen, ob das, was man macht, richtig ist oder nicht. Wichtig ist es auch, um sich herum einen kleinen Kreis von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zu haben, denen man absolut vertrauen kann und deren Rat man hört. Ob man deren Rat annimmt, ist immer eine andere Frage, aber hören sollte man darauf. Und das sollte mehr als eine Person sein. Bei mir sind es vier oder fünf Personen, die mich auf unterschiedlicher Ebene beraten und das ist auch ganz gut so!“
Was machen Sie, damit die Leute mehr arbeiten können?
„Man hat als Oberbürgermeister leider nicht so viele Möglichkeiten, direkt Arbeitsplätze zu schaffen. Das hat man eigentlich nur indirekt. Es gibt dafür mindestens zwei Möglichkeiten: Erstens haben wir als Stadt dafür zu sorgen, dass Firmen, die hierherkommen wollen oder die sich hier erweitern wollen, dies auch können und ideale Bedingungen vorfinden. Das hört sich jetzt einfacher an, als es ist. Zweitens können wir als Stadt junge Menschen, die selbst Unternehmer werden und ein Unternehmen gründen wollen, unterstützen. In unserem Gründerzentrum TGO bieten wir ihnen zum Beispiel Räumlichkeiten an. Darüber hinaus vermarkten wir uns als Stadt ganz allgemein, um attraktiv für Menschen und Unternehmen zu sein.
Derzeit trägt vor allem der Titel „Stadt der Wissenschaft“ dazu bei. Er signalisiert, dass wir offen für Neues sind und dass man hier die Möglichkeit hat, seine Ideen umzusetzen. Deswegen kommen viele Menschen gern zu uns. Die Zahl unserer Einwohner nimmt immer weiter zu.“






