Kinder- und Jugendbuchpreis: Jury nominiert drei Einsendungen - Stadt Oldenburg
Pressemitteilung

Kinder- und Jugendbuchpreis: Jury nominiert drei Einsendungen

16.10.17, 0813/17jg
Preisverleihung am 8. November
Logo des Kinder- und Jugendbuchpreises Oldenburg. Grafik: Stadt Oldenburg

Grafik: Stadt Oldenburg

Oldenburg. Für den diesjährigen Kinder- und Jugendbuchpreis der Stadt Oldenburg hat die Jury zwei Autorinnen und einen Autor nominiert. Bekannt gegeben wird die Preisträgerin oder der Preisträger am Abend der Verleihung am Mittwoch, 8. November. In die nähere Auswahl kommen in diesem Jahr ein Kinderbuch, ein Jugendbuch sowie ein Jugendbuchmanuskript.

300 Erstlingswerke (203 Manuskripte, 97 Bücher) wurden insgesamt eingereicht und von der Jury gesichtet und beurteilt. Zum Vergleich: Im Vorjahr waren es 286 eingereichte Bücher und Manuskripte. Die diesjährige Jury hat sich schließlich für folgende Werke entschieden:

•    Anne Becker aus Essen mit ihrem Jugendbuchmanuskript „Klickediklack“
•    Ulrich Fasshauer aus Berlin mit seinem Kinderbuch „Das U-Boot auf dem Berg“ (Tulipan Verlag)
•    Julya Rabinowich aus Wien mit ihrem Jugendbuch „Dazwischen: ich“ (Hanser Verlag)

Die Mitglieder der Jury sind Nadia Budde (Illustratorin und Autorin, Berlin), Dr. Tobias Kurwinkel (Universitätslektor für Kinder- und Jugendliteratur an der Uni Bremen und Geschäftsführer des Bremer Instituts für Bilderbuchforschung), Christine Paxmann (Herausgeberin des Magazins „Eselsohr“ und Autorin, München), Ralf Schweikart (Redakteur und Journalist, Hofheim am Taunus) und Josephine Sommersberg (Schülerin der IGS Flötenteich, Oldenburg).

Jurystimmen:

Christine Paxmann: „Jugendbuch scheint eine Herzensangelegenheit aller Autorinnen und Autoren, die sich für den Debütpreis bewerben, zu sein. So der Eindruck der diesjährigen Auswahl. Wenig Bilderbuchtexte, wenig Kinderbuch. So gut wie kein Sachbuch. Dazu noch der Mix an bereits gedruckten Büchern, die spürbar lektoriert wurden. Neben Manuskripten, die eventuell nur und ausschließlich die Autorin/der Autor selbst gelesen hat. Die Schere könnte da weit sein – und ist es auch. Natürlich sind in der Vorrunde die „ganz und gar nicht Titel“ relativ schnell ausgemacht. Dann bleiben aber immer noch rund 20 Titel, die sich auf ein geneigtes Juryauge freuen dürfen. Tatsächlich birgt jeder Text ein Spannungsmoment. Wird man hier etwas entdecken? Und wirklich: die Empfehlungsliste hätte dieses Jahr länger sein können, denn so manchem neuen Talent wünscht man eine Zukunft. Und manch professioneller Autor wechselte vom Erwachsenenbuch herüber in ein neues Genre. Nicht zum Schaden für das Genre – aber eine Herausforderung für die Jury, zwischen frischen Talenten und alten Hasen, gedruckten Büchern und geklammerten, eng beschrieben DIN A4-Blättern zu urteilen. Ich hoffe, es ist gelungen; die Freude des Jurors, etwas zu entdecken, ist in jedem Fall belohnt worden.“

Nadia Budde: „Im Vergleich zum Vorjahr war die diesjährige Vorauswahl deutlich eingegrenzter. Dafür gab es am Ende gleich mehrere Werke, die sich durch Stil, Sprache und Inhalt klarer von der Gesamtheit abhoben und der Jury keine leichte Entscheidung abverlangten. Ganz deutlich traten in diesem Jahr wieder aktuelle Themen in den Vordergrund. Auf der Flucht sein, unterwegs sein, fremd sein, ankommen und zurechtkommen in unterschiedlichen sozialen Verhältnissen, bilden den Rahmen der Geschichten. Die verschiedenen Protagonisten bewegen sich darin klug, offen und manchmal auch ziemlich schräg. Das häufige Bemühen auf Kinder- beziehungsweise Jugendniveau zu schreiben tritt besonders bei den nominierten Werken vollkommen in den Hintergrund und macht Platz für eigene und besondere Stimmen. Sowohl die Erzählformen als auch die Handlungen zeigen Respekt und Verständnis im Umgang zwischen Erwachsenen und Kindern beziehungsweise Jugendlichen. Auch in durchaus komplizierten Situationen zeigt sich die Bereitschaft beider Seiten, etwas voneinander zu lernen. Wieder gab es nur wenig Illustriertes unter den Einreichungen. Das ist bedauerlich, denn der Preis richtet sich nach wie vor auch an Werke aus diesem Bereich.“

Dr. Tobias Kurwinkel: „Ich bin zum ersten Mal Jurymitglied beim Oldenburger Kinder- und Jugendbuchpreis. Überrascht hat mich sowohl die Quantität als auch die Qualität der Einsendungen – im Positiven wie im Negativen. Besondere Freude haben mir die Skizzen, die Entwürfe, die Manuskripte gemacht und das Potential, das diese Einsendungen hatten: So konnten wir auch in diesem Jahr ein Romanmanuskript nominieren.“

Josephine Sommersberg: „Es war spannend, mit der neu zusammengesetzten Jury zu arbeiten und dadurch einen neuen Blick auf den Wettbewerb zu werfen. Außerdem fand ich es interessant und toll, wie viele der eingesendeten Bücher sich mit dem Thema Migration beschäftigen, in unterschiedlichen Epochen und aus unterschiedlichen Perspektiven. Das ist ein so wichtiges Thema, dass es mich besonders freut, dass hierzu so viele so gute Texte entstanden sind.“

Ralf Schweikart: „Die Einsendungen zum Oldenburger Kinder- und Jugendbuchpreis spiegeln ein Stück weit literarische Trends und Moden der vergangenen Jahre wider. Zaubernde Internatsschüler, Vampirromanzen, Fantasy-Epen, mehr oder weniger originell variiert, machen wieder einen Teil der zu prüfenden Bücher und Manuskripte aus. Das augenblickliche Fehlen klar auszumachender Trends und Moden aber hat der Vielfalt und auch der Qualität der Einsendungen in diesem Jahr sehr gut getan. Es gab eine erstaunlich große Zahl an Büchern und Manuskripten, die mit spannenden Settings, ungewöhnlichen Figuren und unverbrauchten Geschichten aufgefallen sind – und das gerade im Kinderbuch, das sich in der Vergangenheit oftmals schwer getan hat. Vielleicht wird ja genau das zum Trend: Sich mit literarischem Mut an originelle Geschichten für Kinder zu wagen.“

Seit 1977 vergibt die Stadt Oldenburg einen Preis für herausragende literarische und künstlerische Leistungen auf dem Gebiet der Kinder- und Jugendliteratur. Der mit 8.000 Euro (ehemals 7.600 Euro) dotierte Preis ist der einzige seiner Art in Deutschland. Als Förderpreis dient er dem Ansporn und der Ermutigung von Autorinnen und Autoren beziehungsweise Illustratorinnen und Illustratoren, ein Erstlingswerk vorzulegen. Zugleich soll innovativen Ideen eine Chance gegeben und ein Anreiz geschaffen werden, die Werke Unbekannter in die Verlagsprogramme aufzunehmen.

Die Preisträger werden von einer ehrenamtlichen, unabhängigen und überregionalen Jury ausgewählt. Die Qualität ihrer Entscheidungen hat zum hohen Renommee des Oldenburger Kinder- und Jugendbuchpreises geführt. Der Erfolg lässt sich daran ablesen, dass viele Preisträgerinnen und Preisträger weitere Veröffentlichungen vorgelegt haben und ausgezeichnete Erstlingswerke mehrfach aufgelegt wurden oder weitere Ehrungen erhielten. Que Du Luu beispielsweise, 2009 nominiert für den Oldenburger Kinder- und Jugendbuchpreis, war 2016 mit ihrem Jugendbuch „Affenliebe“ (Königskinder Verlag) für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert. Auch andere Nominierte und Preisträgerinnen und Preisträger konnten sich weiter etablieren. Im letztjährigen Herbstprogramm veröffentlichten gleich zwei ehemalige Preisträgerinnen, Tamara Bach („Vierzehn“, Carlsen) und Beate Teresa Hanika („Das Marillenmädchen“, btb), neue Werke. Beate Teresa Hanika brachte damit ihren ersten Roman für Erwachsene heraus. Erst im September erschien „Was wir dachten was wir taten“ von Lea-Lina Oppermann (Beltz & Gelberg), die 2016 auf der Empfehlungsliste des Oldenburger Kinder- und Jugendbuchpreises stand.

Weitere Informationen zum Kinder- und Jugendbuchpreis gibt es im Internet unter www.oldenburg.de (Stichwortsuche: Kinder- und Jugendbuchpreis).

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Logo des Kinder- und Jugendbuchpreises Oldenburg. Grafik: Stadt Oldenburg
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