Kinder- und Jugendbuchpreis der Stadt Oldenburg 2017 - Stadt Oldenburg
Pressemitteilung

Kinder- und Jugendbuchpreis der Stadt Oldenburg 2017

26.10.17, 0855/17jg
Nominiert wurde: Anne Becker mit „Klickediklack“
Foto: Paula Hildebrand

Foto: Paula Hildebrand

Inhalt: „Diesen dürren, durchgeknallten Typ hätte ich mir niemals als Freund ausgesucht. Aber vielleicht ist das wie mit deinem verschwundenen Handy. Das findest du auch immer genau da, wo du nicht gesucht hast.“ Außenseiter Chris hat Stress in der Schule und auch zu Hause läuft es nicht gut. Aber dann freundet er sich mit Abdullah an, dem komischen Neuen in seiner Klasse. Als in Chris Leben plötzlich alles durcheinander gerät, verliert er auch das Vertrauen in Abdullahs Freundschaft. Doch Abdullah beweist sich als sein bester Freund.

Begründung der Jury (von Christine Paxmann):
Chris hat nicht ein Problem, sondern ganz, ganz viele. Eines davon ist er selber – noch eine Rauferei und er fliegt von der Schule. Dann ist da noch seine schwer schuftende, völlig überforderte Mams, eine nervige Schwester, keine vernünftige Ernährung, ein weggezogener Freund und der mal ab-, mal anwesende Vater, für den niemand Empathie entwickeln kann. Als auch noch der Klassenneuankömmling Abdullah neben Chris platziert wird, scheint eine Explosion unausweichlich. Chris‘ Reizschwelle liegt niedrig. Mühsam, durch viel Revierabstecken kommen sich Abdullah und Chris jedoch näher, werden Freunde, bis es plötzlich so aussieht, als wäre die Freundschaft doch nicht so tragfähig. Ausgerechnet in dem Moment, in dem Chris‘ Leben vollständig aus den Fugen gerät: Die Mutter wird vom Vater attackiert und dieser verbarrikadiert sich mit Chris in der Wohnung...
Was – so gerafft – nach einer komplett übersteuerten Problemstory klingt, liest sich wie ein auf den Punkt geschriebenes Drehbuch zu einem rasanten und authentischen Jugendfilm. Die Dialoge sitzen präzise, der Sprech hat eine verblüffende Streetcredibility und klingt dabei dennoch an vielen Stellen urkomisch. Anna Becker seziert neuralgische Momente bis ins kleinste. Man kann die Anspannung förmlich spüren, die Trigger, mit denen Aggressionen ausgelöst werden, sind stilistisch fein herausgearbeitet. An der Doppel- oder vielmehr All-Looser-Story möchte man dran bleiben, schon um fast voyeuristisch mitzuerleben, wie hier Menschen aus sehr unterschiedlichen Gründen und in sehr unterschiedlichen Situationen sich extrem verhalten. Tatsächlich gelingt das natürlich nur mit Überzeichnung. Die Guten, wie das Hausmeisterpaar, das sich rührend selbstlos und mit Griesbrei um all die gefallenen Kinderseelen kümmert, sind restlos gut. Der Vater ist eigentlich restlos schlecht, die Mutter komplett ausgelaugt. Dick aufgetragen, könnte man kritisieren, wäre da eben nicht die Sprache, die Selbstironie, die wirklich fein herausgearbeiteten Interaktionen, die Sekundendialoge und die authentischen Schulsituationen, angefangen vom Schulfest mit all seinen peinlichen Momenten bis hin zum leidigen Dauerthema Mobbing. Dass ein Referat über Fische geradezu leitmotivisch durch das ganze Buch führt, bringt eine raffinierte Ebene in die Handlung. Letztendlich werden in dem Erstling von Anne Becker ein Haufen Probleme ziemlich unterhaltsam verhandelt. Bei gleichbleibend hoher Spannung und ohne Anbiederung im Ton. Ein zeitgeistiger Text, der mit sprachlichem Tempo über so manche Charakterschablone hinwegführt und sich zum Ende hin zu einem starken Buch über Freundschaft steigert.

Vita: Anne Becker (geboren 1975) studierte Sonderpädagogik in Heidelberg. Seit 2005 wohnt sie mit ihrer Familie in Essen und arbeitet als Sonderschullehrerin.

Eine Leseprobe ist veröffentlicht unter www.stadtbibliothek-oldenburg.de.
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Hinweis an die Redaktionen: Ein Leseexemplar können Sie auf Anfrage an presse@stadt-oldenburg.de im Pressebüro bekommen.

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Foto: Paula Hildebrand
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