Die Zeit der Herzöge und Großherzöge - Stadt Oldenburg
Die Zeit der Herzöge und Großherzöge

Herzoglicher Dienst

Durch Ländertausch gelangte Oldenburg im Jahr 1773 an das Oberhaupt des Hauses Holstein-Gottorp, dem späteren Zaren Paul I. Dieser trat das Land schon vier Tage später an seinen Vetter Friedrich August ab, dem Fürstbischof von Lübeck. Friedrich August wurde daraufhin vom Kaiser in den Herzogstand erhoben. Nach dem Regierungswechsel trat die „Garnisonkompanie“ in den herzoglichen Dienst. Die Bürgerwehr wurde aufgelöst.

Wachstube des Herzoglichen Infanteriekorps, die sogenannte Knobelgarde

1785 starb Friedrich August und sein Neffe Peter Friedrich Ludwig übernahm die Nachfolge. An der Aufgabenstellung der „Garnisonkompanie“ änderte sich zunächst nichts. Nun „Herzogliches Infanteriekorps“ genannt, kamen ihr hauptsächlich Wachdienste und Repräsentationsaufgaben zu. Alles andere hätte die Einheit sicher überfordert, denn sie war hoffnungslos überaltert. Die Einheit war etwa 50 Mann stark und wurde bald nach ihrem Kommandanten, dem Capitain Cornelius Valentin von Knobel, als „Knobelgarde“ bezeichnet.

Das Herzogtum Oldenburg trat 1808 dem „Rheinbund“ bei und wurde verpflichtet „Rheinbund-Kontingentstruppen“ aufzustellen. Dies waren Truppen, die militärisch funktionstüchtig sein mussten und keineswegs nur Repräsentationsaufgaben hatten. Als Folge dessen wurde das „Herzogliche Infanteriekorps“ aufgefüllt und als „Rheinbund-Kontingentstruppe“ neu strukturiert. 1810 wurde Oldenburg durch französische Truppen besetzt und unter Napoleon Teil des französischen Reichs.

Die „Rheinbund-Kontingentstruppe“ blieb bis 1812 in Oldenburg, wurde in das Kaiserlich-französische 129. Linien-Infanterie-Regiment eingegliedert wurde und 1812/13 im Rußlandfeldzug nahezu völlig aufgerieben.

Als Herzog Peter Friedrich Ludwig im Jahr 1813 nach dem Ende der französischen Herrschaft aus dem russischen Exil zurückkehrte wurde das „Herzogliche Infanteriekorps“ sofort neu errichtet. Militärische Gesichtspunkte standen dabei im Vordergrund und das Infanteriekorps wurde als „Oldenburgische Infanterie“ benannt. Dieses Oldenburgische Infanterieregiment war es, das im Jahr 1867 in der preußischen Armee aufging und die Nummer „91“ erhielt.

Die erste Pferdemarkt-Kaserne (an der Stelle der heutigen Landesbibliothek) 1820 Federzeichnung von H.C. Slevogt

Am 24. Dezember 1813 erlässt Peter Friedrich Ludwig eine „Landesherrliche Verordnung“ zu allgemeinen Wehrpflicht der männlichen Bevölkerung zwischen dem 17. und 40. Lebensjahr. Im Jahr 1820 begannen die Vorbereitungen zum Aufbau einer oldenburgischen Artillerie-Einheit. 1820 wurde auf dem Oldenburger Pferdemarkt die erste Infanteriekaserne gebaut, 1836 folgte die zweite Infanteriekaserne, die als Gegenstück auf dem gleichen Platz gebaut wurde. Die seit 1814 bestehende Militärschule bezieht im Jahr 1838 das neu errichtete Schulgebäude auf dem Pferdemarkt.

Oldenburg war bereits 1815 auf dem Wiener Kongreß zum Großherzogtum ernannt worden, Peter Friedrich Ludwig hatte den Titel allerdings Zeit seines Lebens nicht angenommen. Nach dem Tod von Herzog Peter Friedrich Ludwig im Jahr 1829 übernimmt Paul Friedrich August die Regierung und erhebt Oldenburg zum Großherzogtum.

Großherzoglich-Oldenburgisches Militär um 1840

Großherzog Paul Friedrich August war in der kaiserlich-russischen Armee ausgebildet worden und brachte eine ausgesprochene Militärbegeisterung mit. Dieser Umstand und Auflagen des Deutschen Bundes führten dazu, das oldenburgische Kontingent zu vergrößern. Eine eigenständige oldenburgische Artillerie wurde im Oktober 1830 aufgestellt. Am 6. Januar 1834 schloss Oldenburg mit den drei Hansestädten Bremen, Lübeck und Hamburg eine militärische Vereinbarung ab. Folge dieser „Brigade-Konvention“ war eine weitere Vergrößerung der oldenburgischen Truppe und eine Aufwertung der Garnison.

1853 folgte Großherzog Nikolaus Friedrich Peter II., Sohn Paul Friedrich Augusts, seinem Vater in die Regierung. 1864 wurden alle Erbrechte auf ihn übertragen. Im Deutschen Krieg 1866 stellte sich Oldenburg an die preußische Seite und kämpfte mit seinen Truppen in Süddeutschland. Am 15. Juli 1867 trat Oldenburg in den Norddeutschen Bund ein und schloss eine Militärkonvention mit Preußen. Das oldenburgische Militär wurde in das preußische Heer überführt. Durch den Beitritt zum Norddeutschen Bund wurden zahlreiche Beamte und Offiziere aus allen Staaten des Bundes nach Oldenburg versetzt. Das „Infanterie-Regiment Nr. 91“ und das „Dragoner-Regiment Nr. 19“ entstanden. Außerdem wurde das Artilleriekorps in das „Hannoversche Feldartillerie-Regiment Nr. 10“ eingegliedert, aus dem das in Oldenburg stationierte „Feldartillerie-Regiment Nr. 62“ hervorging. Neben den Kasernengebäuden am Pferdemarkt fanden die Dragoner Unterkunft in Kasernen in Osternburg, die Artillerie war in Gebäuden an der Ofener-, August- und Zeughausstraße untergebracht (heute die Ingenieurschule und das Feuerwehrgebäude). 1903 wurde in der Peterstraße eine eigene Kirche für die Garnisongemeinde erbaut. Bei den Auseinandersetzungen mit Frankreich 1870/71 gehörte das „Infanterie-Regiment Nr. 91“ zur III. Armee unter Prinz Friedrich Carl. Das Regiment kehrte am 13. August 1873 umjubelt nach Oldenburg zurück.

Wilhelm Morisse: Hurra! Unsere 91er!

Im Jahr 1900 übernimmt Großherzog Friedrich August die Regierungsgeschäfte. Er war letzter regierender Großherzog von Oldenburg. Als Teil des Deutschen Reichs kämpfte das Großherzogtum Oldenburg unter ihm im 1. Weltkrieg. Als das „Infanterieregiment Nr. 91“ am 28. Dezember 1918 wieder in Oldenburg einmarschierte, waren über 4.200 Soldaten gefallen und über 900 vermisst.