Die Eisenbahn

1867 wurde die Eisenbahnlinie Bremen – Oldenburg – Heppens (heute Wilhelmshaven) eröffnet. „Endlich“ kann man sagen, denn der Anschluss an die Eisenbahn war lange geplant. Zwei Jahre später, 1869, folgte die Eisenbahnlinie Oldenburg – Leer. Die Eisenbahnstrecke Oldenburg – Osnabrück wurde 1876 fertig gestellt. Die Bahnstrecke Oldenburg – Brake wurde erst 1896 in Betrieb genommen. Bei so viel Eisenbahnverkehr brauchte man auch einen Bahnhof. Anfangs gab es nur einen Güterschuppen, der als Bahnhof diente. Der erste Bahnhof wurde 1879 gebaut. Das Gebäude dieses „Centralbahnhofes“ war fast symmetrisch. Er musste 1911 dem heutigen Hauptbahnhof weichen.

Am 3. August 1915 wurde dieser neue Bahnhof feierlich eingeweiht. Die Bürger Oldenburgs waren damals begeistert, weil das Gebäude im Jugendstil » gebaut wurde.

Wenn du dir das Foto hier aus dem Jahr 1950 genauer anschaust, siehst du Spuren des Krieges. Siehst du sie? Du kannst das Bild auch vergrößern, indem du das Bild anklickst!

Was für uns heute vielleicht sehr fremd wirkt, ist die Unterteilung der Wartesäle im Bahnhof. Es gab dort Wartesäle für die erste, zweite, dritte und vierte Klasse. In der Bahnhofshalle siehst du auch heute noch Hinweise darauf. Achte mal darauf, wenn du das nächste Mal im Bahnhof bist! Heute kennst du so eine Unterteilung in Klassen vielleicht noch aus den Zügen. Dort gibt es aber nur noch eine Unterscheidung nach erster und zweiter Klasse.

Ein besonderes Ereignis war in Oldenburg 1967 die Hochlegung der Bahnstrecke am Pferdemarkt. Dadurch wurde ein großes Verkehrsproblem in Oldenburg gelöst. Davor standen viele Autos, Fahrradfahrer und auch Fußgänger häufig vor verschlossenen Schranken. Frag doch mal deine Eltern oder Großeltern, wie das damals mit den Schranken am Pferdemarkt war!

Dieses Bild ist so um 1966 entstanden. Hier siehst du wie in der Übergangszeit am Pferdemarkt Züge oben und unten fuhren. Das kann man sich heute schon kaum noch vorstellen, wie das früher war! Stell dir mal vor, wie es heute wäre, wenn bei jedem Zug die Autos, Fahrräder und Fußgänger am Pferdemarkt vor Schranken stehen müßten.

Die Pferdebahn

Seit den 1870er Jahren gab es überall öffentliche Pferdebahnen beziehungsweise Pferdeomnibusse. In Oldenburg nahm die Pferdebahn 1884 ihren Betrieb auf. Ab dem 15. Mai 1884 fuhr die Pferdebahn auf drei Strecken in Oldenburg:

  1. Donnerschwee – Osternburg
  2. Bahnhof – Ofenerstraße und
  3. Bahnhof – Pferdemarkt

Die Strecke Donnerschwee – Osternburg hatte eine Fahrtdauer von 18 Minuten, Bahnhof – Ofenerstraße 13 Minuten und der Pferdemarkt war mit der Pferdebahn vom Bahnhof aus in drei Minuten zu erreichen. Schon damals galt das System als veraltet. Der Wagen fuhr auf Schienen. Da die Schienen nur einspurig verliefen, mussten die Pferdebahnen einander ausweichen. Dies war durch die besonderen Räder möglich: Es gab fünf Räder, aber nur eines hielt den Wagen in der Spur. Bei so einem Überholmanöver wurde dieses fünfte Rad vom Kutscher gehoben. Der Wagen holperte dann unsanft über die Straßenpflasterung. 1888 stellte die Oldenburger Pferdebahn ihren Betrieb ein. Die Gleise und die Fahrzeuge wurden nach Schleswig verkauft. 1890 wurde dort die Pferdebahn eröffnet und 1910 dann auf elektrischen Betrieb umgestellt. Hier auf dem Foto siehst du die „Schleswiger Strassenbahn“.

Was kam nach der Pferdebahn?

Erst 1925 gab es in Oldenburg wieder die Möglichkeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln von einem Ort zum anderen zukommen. Da Oldenburg immer größer wurde, schien sich die Beförderung von Personen dort finanziell zu rechnen. So hat der Betreiber der Bremer Vorortbahnen sich entschieden, auch in Oldenburg seine Bahnen fahren zu lassen. 1929 wurden die wirtschaftlichen Bedingungen schwierig. Dies galt nicht nur für Oldenburg, sondern für die ganze Welt. Man spricht von der Weltwirtschaftskrise ». Die Fahrpreise wurden sehr teuer und die Benzinbusse zu wenig genutzt. Schlussendlich wurde der Betrieb eingestellt.

Die Firma Pekol

1933 übernahm die Firma Pekol den Busverkehr in Oldenburg. Damals wurden Benzinbusse betrieben, die von der Bremer Vorortbahn übernommen worden waren. 1934 stellte Theodor Pekol auf Dieselbusse um. Auch für die Pekolbusse war es nicht einfach sich durchzusetzen. Die Energiepreise stiegen. Ohne Zuschüsse wurde es eng. Diese wirtschaftlichen Engpässe hingen mit der Inflation » zusammen. Der „Trollibus“ oder auch „Obus“ war die Lösung: Diese neuartigen Fahrzeuge, die Oberleitungsbusse, wurden elektrisch betrieben.

Nach den benzin- beziehungsweise dieselbetriebenen Bussen werden die Obusse auch als „geruchslose Pekoline“ bezeichnet. Sie funktionierten über Oberleitungen und waren unabhängig von einem Schienennetz. Nach und nach wurden die Oldenburger Vorortbahnen – so hieß das Bussystem in Oldenburg damals – ab 1936 auf den Oberleitungsbus umgestellt. Damit war Oldenburg die erste Stadt im damaligen Deutschen Reich mit einem zusammenhängenden Obusliniennetz. Der Oberleitungsbus hielt sich in Oldenburg über zwanzig Jahre. Der letzte Trollibus fuhr am 26. Oktober 1957 durch Oldenburgs Straßen.

Der „ganz normale“ Bus

Dieses Mal mussten die Oldenburger nicht lange auf die neuen Busse warten. Schon ab November 1957 fuhren die Autobusse. Die Bezeichnung „Trolli“ aber hielt sich noch lange im Sprachgebrauch. 1985 verkaufte die Firma Pekol an die Stadt Oldenburg. Die gründete die VWG, die Verkehr und Wasser GmbH. Die Autobusse, die ab 1957 in Oldenburg fuhren, sahen schon fast so aus wie die Busse, die du heute hier in Oldenburg fahren siehst.

Das obere Foto von 1956 zeigt einen Pekol-Bus auf dem Schlossplatz. Kannst du die Gebäude im Hintergrund erkennen? Auf dem zweiten Foto sieht der Bus doch schon etwas anders aus. Diese Fotografie ist aber auch erst im Jahr 1971 entstanden.