05.11.2015

Hannes Mercker: Cartoons und Zeichnungen

Oldenburg. Das Stadtmuseum Oldenburg zeigt vom 7. November bis 6. Dezember 2015 die Ausstellung „Hannes Mercker: Cartoons und Zeichnungen“. Der aus Oldenburg stammende Mercker nimmt mit seinen Cartoons aktuelle Besonderheiten und traditionelle Eigenarten seiner Heimat auf humorvolle Weise aufs Korn. Neben Zeichnungen aus der Serie „Cartoons über Oldenburg“ sind in der Ausstellung aber auch andere Cartoons und kurze Comicstrip-Serien zu sehen. Gezeigt werden rund 110 Arbeiten, darunter ein 4 m x 2 m großes Wimmelbild mit Oldenburger Motiven, das Mercker eigens für die Ausstellung gezeichnet hat. Die Ausstellung wird am Freitag, 6. November, um 19.30 Uhr im Beisein des Künstlers eröffnet.

Als Hannes Mercker, 1983 in Oldenburg geboren, seinen Zivildienst ableistete und Einkaufszettel schreiben musste, die er mit kleinen Zeichnungen versah, dachte er noch nicht daran, dass genau diese Tätigkeit einmal seinen Lebensunterhalt bestreiten würde. Er begann ein Studium zum Lehrer an Grund- und Hauptschulen mit den Schwerpunkten Deutsch und Geographie, aber das Zeichnen begleitete ihn. Die kleinen, nebenher entstandenen Zeichnungen wurden größer, bunter, pointierter und mittlerweile ist Hannes Mercker als selbständiger Cartoonist und Illustrator überregional gefragt. Erstmals ist nun eine Auswahl seiner komischen Kunst im Stadtmuseum Oldenburg zu sehen. Mercker lebt derzeit in Mannheim und arbeitet für verschiedene Verlage, Unternehmen und Tageszeitungen. Ausgezeichnet u.a. mit dem Comic-Sonderpreis der taz-Nord, war Mercker in den vergangenen Jahren auch mehrfach für den Deutschen Cartoonpreis nominiert.

Auch wenn Mercker seine zeichnerischen Fähigkeiten autodidaktisch schulte, legt er doch Wert auf das traditionelle Handwerkszeug. Mittlerweile erstellen viele Cartoonisten ihre Werke direkt am Rechner, es wird ausschließlich mit Hilfe eines Grafikprogramms und eines Grafiktabletts gezeichnet. Hannes Mercker jedoch skizziert jede Zeichnung mit Bleistift auf Papier, dann wird mit Fineliner der Zeichnung der endgültige grafische Ausdruck verliehen. Es folgt das komplette Ausradieren der Bleistiftzeichnung, die somit unwiederbringlich verloren geht. Einige Zeichnungen werden von Hand mit Aquarellfarben koloriert. Erst jetzt kommt moderne Elektronik hinzu: Die Zeichnung wird eingescannt und am Rechner farblich nachbearbeitet. „Die Verbindung von traditioneller Zeichentechnik und digitaler Bearbeitung ist ein Markenzeichen der Arbeiten Merckers, gerade aus dieser Kombination schafft er zeichnerisch ein eigenes Potential“, sagt Kurator und Stadtmuseumleiter Dr. Andreas von Seggern und erläutert: „Sein Humor zeichnet sich durch Liebe zum Detail, Wortwitz und durch ein feines Gespür für die Komik absurder Situationen aus.“
Wo die meisten Cartoonisten sich auf das Wesentliche konzentrieren oder gar vereinfachen, zeichnet Hannes Mercker eine Vielzahl von Details in seine Cartoons. Vogelschwärme, die über Landschaften ziehen, die detaillierte Darstellung von Architektur oder Wolkenwände am Horizont sorgen für eine Atmosphäre, die man in den wenigsten Zeichnungen dieser auf schnelle Unterhaltung ausgelegten Gattung vorfindet. Seine Farbpalette ist eher gedeckt, reine Farbtöne dienen meistens der Pointierung, und die geschickt am Rechner gesetzten Farbverläufe geben vielen Zeichnungen einen geradezu malerischen Charakter. Die Cartoons von Hannes Mercker laden zum unterhaltsamen Verweilen ein, nicht nur zum schnellen, visuellen Konsum.