Ein Arzt für alle Fälle

Amar Abu Barham führt Aufklärungsgespräche in fünf verschiedenen Sprachen

Impfpunkt international: Ein Arzt für alle Fälle

„Arabisch, Englisch, Ukrainisch, Russisch – und ein bisschen Deutsch“, antwortet Amar Abu Barham lachend, wenn man ihn nach seinen Sprachkenntnissen fragt. Der 34-Jährige arbeitet seit Frühjahr 2021 nebenberuflich als Impfarzt, zunächst im Impfzentrum und seit Dezember 2021 in den Impfpunkten der Stadt Oldenburg.

So auch am 26. März, 23. und 30. April 2022, als zahlreiche Geflüchtete aus der Ukraine in die Schlosshöfe kamen, um sich gegen das Coronavirus impfen zu lassen. Eine besondere Stimmung auch für Abu Barham, denn zu dem Land und den Menschen hat er eine besondere Verbindung und der Krieg und das damit verbundene Leid der Ukrainerinnen und Ukrainer berühren ihn sehr: „Ich habe sieben Jahre in der Ukraine gelebt und pflege bis heute freundschaftliche Beziehungen in das Land“, erklärt der Jordanier, der sein Medizinstudium in der Stadt Vinnitsa, rund 250 Kilometer von Kiew entfernt, absolviert hat.

Einen emotionalen Moment erlebte er in der Impfkabine, als ihm kürzlich eine junge Frau aus Vinnitsa gegenübersaß, die nur 300 Meter von Abu Barhams damaliger Wohnung entfernt lebte. „Sie berichtete mir von Angriffen auf den Flughafen und ersten Toten in der Stadt“, erzählt der Arzt, „und in dem Moment waren meine Erinnerungen an Vinnitsa und die Ukraine wieder ganz nah.“

Mit offenen Armen empfangen

In den Gesprächen geht es somit nicht nur um die Impfung gegen Corona, viele Geflüchtete nutzen die Gelegenheit, sich in ihrer Muttersprache mit Abu Barham auszutauschen. „Ich versuche, ihnen etwas Mut zu machen und zu vermitteln, dass sie hier gut aufgehoben sind. Das erzähle ich allen Geflüchteten in ihrer Sprache, egal ob sie aus der Ukraine, Syrien oder dem Irak kommen. Auch wenn ich selbst nicht als Flüchtling kam, wurde ich hier mit offenen Armen empfangen, als ich Ende 2015 neu in das Land kam“, erklärt der Oldenburger, der seit Oktober 2019 hier lebt und hauptberuflich im Evangelischen Krankenhaus als Plastischer Chirurg und Handchirurg arbeitet.

„Mann für alle Fälle“

„Man könnte sagen: Amar Abu Barham ist unser Mann für alle Fälle“, sagt Sönke Wendt von der Feuerwehr der Stadt Oldenburg und Leiter der Impfpunkte. „Er hilft uns mit seinen vielfältigen Sprachkenntnissen sehr, gerade bei besonderen Impfaktionen wie am vergangenen Wochenende oder etwa auch in Blankenburg, wo er sehr viel Arabisch gesprochen hat.“  Sogar telefonisch sei er schon in Impfkabinen zugeschaltet worden, wenn die Sprachbarriere trotz technischer Hilfsmittel zu groß war. Gerade bei Bedenken gegen die Impfung sei ein Aufklärungsgespräch in der Muttersprache oft sehr hilfreich. Seine nächsten Einsätze als Impfarzt hat Amar Abu Barham an zwei Samstagen im April. Am 30. April heißt es dann im Impfpunkt Schlosshöfe wieder: „Hallo“, „Hello“, „Marhaba“, „Zdravstvuyte“ oder „Privet“ – je nachdem, wer ihm gerade gegenübersitzt.