In Oldenburg sind sechs "Gemeinde-Notfallsanitäter" im Einsatz

Startschuss für ein bundesweit einmaliges Projekt: So genannte "Gemeinde-Notfallsanitäter" sollen ab jetzt den Rettungsdienst entlasten, dessen Einsatzzahlen in den vergangenen Jahren im Oldenburger Land stetig gestiegen sind. Sechs speziell als Notfallsanitäterin und Notfallsanitäter geschulte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben seit dem 2. Januar 2019 in der Stadt Oldenburg ihren Dienst aufgenommen.

Bei einer Vielzahl von Alarmierungen ist eine notfallmedizinische Versorgung durch den Rettungsdienst nicht erforderlich. Bislang fehlte es aber an einer Alternative, die Patientinnen und Patienten in ihrer zwar für sie unklaren, aber oft nicht lebensbedrohlichen Situation professionell unterstützt. Vor diesem Hintergrund ist das durch die Krankenkassen finanzierte Projekt „Gemeinde-Notfallsanitäter“ von mehreren Partnerinnen und Partnern – Berufsfeuerwehr Oldenburg, Deutsches Rotes Kreuz Cloppenburg, Malteser Hilfsdienst Oldenburg und Vechta sowie Rettungsdienst Ammerland – gemeinsam entwickelt worden. Dieses seit langem vorbereitete Projekt ist nun in der Stadt Oldenburg sowie in den Landkreisen Ammerland, Cloppenburg und Vechta in den Echtbetrieb gegangen. Insgesamt sind 25 "Gemeinde-Notfallsanitäter" im Einsatz.

Entlastung für den Rettungsdienst
Das System ist Teil des Rettungsdienstes und wird durch die Großleitstelle Oldenburger Land beziehungsweise die Rettungsleitstelle Vechta eingesetzt. Eine direkte Anforderung durch Dritte ist nicht möglich, sondern ein Einsatz ergibt sich aus der Notrufbewertung. Damit bleibt sichergestellt, dass auch bei akuten Krankheitsbildern die Rettungskette ohne Verzögerungen funktioniert.

Die Rettungsleitstelle setzt die Gemeinde-Notfallsanitäterin oder den Gemeinde-Notfallsanitäter bei einem unklaren Hilfeersuchen unterhalb der Notfallschwelle als medizinische Fachkraft vor Ort ein und verschafft sich somit ein klares Bild. Ziel ist es, bei niederschwelligen Einsätzen nicht direkt einen originär für die Notfallrettung vorgesehenen Rettungswagen entsenden zu müssen. Vor Ort leistet die Gemeinde-Notfallsanitäterin oder der Gemeinde-Notfallsanitäter direkte Hilfestellung und greift bei Bedarf auf das Netzwerk der ambulanten Versorgung zurück, indem sie oder er Kontakt zu entsprechenden Stellen oder auch der Hausärztin oder dem Hausarzt sucht. „Wir rechnen damit, dass bis zu 20 Prozent der Rettungsdienst-Einsätze künftig durch die Gemeinde-Notfallsanitäter abgefedert werden können“, sagt Stefan Thate, Leiter des Rettungsdienstes und der Notfallsanitäterschule der Feuerwehr Oldenburg.

Pilotprojekt von Stadt und drei Landkreisen gestartet
Die als Notfallsanitäter tätigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben eine zusätzliche Ausbildung an den Notfallsanitäterschulen der Feuerwehr Oldenburg und der Malteser in Nellinghof durchlaufen und auch praktische Hospitationen in verschiedenen Bereichen der ambulanten Versorgung von kranken Menschen absolviert. Zur Unterstützung in der Einsatzsituation kann der Gemeinde-Notfallsanitäter zudem bei Bedarf auf telemedizinische Unterstützung aus dem Klinikum Oldenburg zurückgreifen.

Das zwei Jahre lang laufende Projekt wird durch die Universitäten Oldenburg und Maastricht sowie durch das Klinikum Oldenburg wissenschaftlich begleitet und evaluiert.