Vita

Maya Alou wurde 1990 in Kassel geboren. Das Studium der Anglistik und Germanistik mit dem Schwerpunkt Literaturwissenschaft absolvierte sie in Konstanz, Aberystwyth (UK) und Freiburg. Ihren Master in "Neuerer deutscher Literatur, Kultur und Medien" wird sie vorraussichtlich im Frühjahr 2019 abschließen. Neben dem Studium machte Maya Alou eine theaterpädagogische Ausbildung zur Spielleiterin und hat bisher an mehreren Theaterprojekten mitgewirkt. Außerdem verfasst sie Gedichte, die sie in einem persönlichen Lyrikband irrtümlicherweise. Gedichte und Tuuli versammelt hat. Sie lebt mit ihrem Mann und ihren Kindern in Freiburg.

Zum Inhalt von „Herbstspaziergänge“

Eine Geschichte von Frau und Herrn Apfelschnitz, die alles zusammen machen - vom Arbeiten bis zum Zähneputzen. Sie haben sich so lieb, dass sie sich sogar dazu entschließen, ihren Nachnamen zu teilen. Doch eines schönen Tages ziehen plötzlich Gewitterwolken auf, die auch vor dem Kopf der kleinen Frau Apfelschnitz nicht Halt machen und einiges durcheinanderbringen. Gut, dass es den kleinen Herrn Apfelschnitz gibt, der hat nämlich für alles eine Lösung!

 

Beurteilung der Jury

Es ist eine kurze Geschichte, die Maya Alou erzählt: Sie handelt von einer kleinen Frau und einem ebenso großen Herrn, von zwei Menschen, die sich „so lieb hatten, dass sie sich morgens zusammen die Zähne putzten“. Die Bilderbucherzählung ist ein Märchen, beginnt mit der bekannten Formel des Es-war-einmal und hält sich daran, in der gattungsgeschuldeten Neutralität des Nicht-Festgelegten zu bleiben: Keine zeitliche Einordnung nennt der Erzähler, keinen Ort. Damit wird, was den Kern dieser kleinen Kunde ausmacht, allgemeingültig – wenn es das nicht sowieso schon wäre: Herbstspaziergänge berichtet von der Liebe.
Die Zuneigung zwischen den beiden Menschen wächst, während sie limonadetrinkend im alten Kastanienbaum schaukeln oder sich im Wassermelonenkernenweitspucken messen; irgendwann, inmitten der vielen Crescendi, die einer Liebe zu Beginn bestimmend eingeschrieben sind –  fragt der kleine Herr die ihm Zugetane, ob sie auch ihre Nachnamen teilen wollen. Die kleine Frau stimmt vergnügt zu. Fortan verstreichen Tage, Wochen und Jahre, bis es zum vielleicht obligatorischen Unwetter kommt.
Es donnert, rumpelt und kracht; symbolisch wird der große und treue Kastanienbaum, der über die beiden wie „ein riesiger, grüner Sonnenschirm“ wacht, vom Blitz zerschlagen: „Ohne nachzudenken und ohne sich zu entschuldigen. Einfach so.“ Die kleine Frau verkriecht sich, kämpft gegen die „Gewitterriesen in ihrem Kopf“ und beginnt „schwermütig nach Zimt zu duften“. Der kleine Herr sucht verzweifelt nach einer Lösung und wird sie, so viel sei verraten, finden.
Maya Alou ist ein Märchen gelungen, das Kinder wie Erwachsene durch seine Bildsprache und Lautbilder ebenso „dringlich an die Hand nimmt“, wie es an einer Stelle die kleine Frau mit ihrem Mann tut; Herbstspaziergänge erzählt lebensklug und -weise auf eine ganz besondere, eigene Art von der Liebe.
Dr. Tobias Kurwinkel

Leseprobe:

Eine Leseprobe von „Herbstspaziergänge“ finden Sie hier » (PDF, 160 KB)