Vita

Stepha Quitterer wurde 1982 in Niederbayern geboren. Hat in Rio de Janeiro mit Augusto Boal in Jugendgefängnissen gearbeitet, in Berlin und Kairo Politik studiert, tagsüber im Bundestag gelitten, nachts in Clubs gejobbt, in Moskau zu viel Wodka getrunken und in München ein Regiestudium in den Sand gesetzt.
Hat beim Film Bierbänke und auf der Bühne des Maxim Gorki Theaters ein Fettkostüm getragen, am Thalia Theater Hamburg Petras protokolliert, Pollesch die Kamera geführt, Schauspielern souffliert, dabei nicht das große Geld, dafür aber jede Menge Sporen verdient.
Ist wegen dieser Sporen als feste Regieassistentin am Deutschen Theater Berlin gelandet. Sehr gute Zeit, in der sie lange und nach Herzenslust all den großen Namen assistierte und schließlich selbst inszenierte, bis 2011 ihre Tochter geboren wurde.
Die schnallte sie sich für ihr Projekt "Rotkapi" vor den Bauch und lud sich in 200 Tagen bei 200 fremden Menschen in 200 fremden Wohnungen spontan zu Kaffee und Kuchen ein. Aus ihren Gesprächen an fremden Küchentischen wurde erst ein Blog, dann ein Buch: "Hausbesuche - wie ich mit 200 Kuchen meine Nachbarschaft eroberte", erschien 2016 im Knaus Verlag.
Seither sitzt sie als freie Autorin an ihrem Schreibtisch in Berlin, als Stipendiatin der Franz-Edelmaier-Residenz für Literatur und Menschenrechte und als Writer in Residence des Goethe Instituts auch an Schreibtischen in Meran, Italien, und Broumov, Tschechien – und ist noch glücklicher als je zuvor.

Zum Inhalt von „Weltverbessern für Anfänger“

An Minnas Schule wird ein Wettbewerb ausgeschrieben: Weltverbessern für Anfänger. Die Klasse, die ihr alltägliches Umfeld am herausragendsten verbessert, gewinnt eine Klassenreise. Aber gute Weltverbesserungsideen zu finden, ist gar nicht so einfach.
Als kurz darauf Minnas Oma mit einem Hirngerinnsel im Pflegeheim liegt, ist die Sache aber klar: Minna gründet einen Besuchsdienst im Pflegeheim. Gar nicht so leicht, die anderen in der Klasse zum Mitmachen zu bewegen. Aber Unterstützung kommt aus den unverhofftesten Ecken: Pawel, für den Minna heimlich schwärmt, und auch der Christophschnösel scheint gar nicht so ein Idiot zu sein.
Das Besuchen kommt in Fahrt. Aber als dann bei Frau Insunza Schmuck verschwindet, die Schnedelbachtochter gegen die Fremdbesucher auf die Barrikaden geht und der wilde Herr Greulich beim Tanztee um ein Haar das Zeitliche segnet, steht das Pflegeheimbesuchen vor dem Aus. Da hat ausgerechnet Peter, der neue Möchtegernfreund von Minnas Mama, eine Idee. Ob man so vielleicht doch noch den Wettbewerb gewinnen könnte?

Beurteilung der Jury

Stepha Quitterer widmet sich in ihrem Jugendroman „Weltverbessern für Anfänger“ einem Thema, das in der Jugendliteratur bisher wenig Beachtung fand: dem Umgang mit alten Menschen, insbesondere ihrer Situation in Pflegeheimen.
An Minnas Schule wird ein Wettbewerb ausgeschrieben: Weltverbessern für Amateure. Die Klasse, die einen Bereich aus dem täglichen Leben entscheidend verbessert, gewinnt eine Reise nach Tallinn. Mit Aktionen wie der Begrünung der Schulaula, einer Tausch-Bar, bei der man die Dinge, die man nicht mehr braucht, abgeben kann, oder einer Offensive für mehr Freundlichkeit im Umgang miteinander versuchen sich die Schüler gegenseitig zu übertrumpfen, doch Minna fehlt noch die zündende Idee. Als ihre Oma mit einem Hirngerinsel plötzlich im Pflegeheim liegt, ist Minna entsetzt über die Atmosphäre und unwürdige Behandlung, die die alten Menschen dort erfahren, und sie weiß jetzt, wie sie die Welt verbessern will: mit einem Besuchsdienst im Pflegeheim. Ihren besten Freund Basti und ihren Schwarm Pawel kann sie überzeugen, und auch der Schnösel Christoph macht mit. So lernen sie Frau Klever kennen, die in ihrem Bett nur an die Decke starren kann, die demente Frau Perlinger, die eine ausgezeichnete Lateinnachhilfelehrerin ist, und Herrn Schnedelbach, einen ehemaligen Soldaten, der zwar sehr fidel zu Likör und Zigarren einlädt, aber durch den Krieg traumatisiert ist. Und sie sehen, wie die Pfleger überfordert sind, wie sie ungeduldig und unfreundlich reagieren, wie sie Schlafmittel verteilen, um die Pflegeheimbewohner ruhig zu halten. Nach einigen Schwierigkeiten gelingt es sogar, die ganze Klasse für die Pflegeheimbesuche zu gewinnen. Als dann aber eine Perlenkette verschwindet und Herr Greulich beim Tanztee zusammenbricht, droht der Weltverbesserung das Ende.
Stepha Quitterer erzählt diese ungewöhnliche Geschichte aus der Perspektive Minnas amüsant, flott und flapsig, ohne dabei den ernsten Blick auf das Thema zu verlieren. Sie beobachtet genau und zeichnet dabei interessante Charaktere: Jugendliche, die in typischen Pubertätskonflikten gefangen sind und dabei aber Verantwortlichkeit und soziales Bewusstsein entwickeln; alte Menschen, deren Lebensleistungen Bestand haben, auch wenn sie hilfsbedürftig geworden sind. Außerordentlich ist die Sprache des Romans, die einen süddeutschen Klang hat , durch Neologismen große Originalität besitzt und der Geschichte einen speziellen Charme verleiht. Stepha Quitterer zeigt, wie sich die Generationen gegenseitig bereichern und regt zum Nachdenken darüber an, welchen Platz alte Menschen in unserer Gesellschaft haben. Dass sich „Weltverbessern für Anfänger“ dabei flüssig und unterhaltsam liest, öffnet Jugendlichen den Zugang zu diesem Thema.

Birgit Müller-Bardorff
 

Leseprobe:

Eine Leseprobe von „Weltverbessern für Anfänger“ finden Sie hier » (PDF, 462 KB)