Vita

Christine Zureich wurde 1972 in Suffern, New York, geboren. Soziologiestudium in Tübingen, Uppsala und Frankfurt am Main. Lebt und arbeitet am Bodensee. Veröffentlichungen in Zeitschriften und Anthologien (Würth Preis der Tübinger Poetikdozentur, Schwäbischer Literaturpreis, MDR-Literaturwettbewerb und andere). Roman-Debüt im Februar 2018 mit „Garten, Baby!“ bei Ullstein fünf, Berlin.
„Ellens Song“ (AT) ist ihr erstes Jugendbuch.

Zum Inhalt von „Ellens Song“

Sommer 1990. Ellen kann es kaum erwarten: Abi machen und nichts wie weg, raus aus der Süddeutschen Provinz, endlich ein eigenes Leben, ihre eigene Wende. Da trifft sie Johnny. Johnny, den angepunkten Theaterspieler vom humanistischen Gymnasium. Johnny, den alle anhimmeln. Johnny, der Geld hat und funktionierende Eltern, keinen Vater, der säuft. Mit ihm findet Ellen so was wie ein Ersatzzuhause, bis eine Diagnose auch dieses Glück vor die Zerreißprobe stellt.

Christine Zureich spielt kunstvoll mit verschiedenen Perspektiven und schreibt mit großer erzählerischer Intensität von der ersten Liebe, der Kraft der Freundschaft, aber auch Krankheit, Sucht und Tod.

Beurteilung der Jury

Die Geschichte, die aus der Perspektive ihrer 18-jährigen Hauptfigur erzählt wird, erscheint zunächst nicht außergewöhnlich: Ellen, eine talentierte junge Musikerin, will nach dem Abitur aus der süddeutschen Provinz und vor den Eltern fliehen; nichts soll dazwischenkommen, auch die Liebe nicht. Eingeplant ist diese für später – sie soll zum Neubeginn in der Stadt, in der alles anders sein wird, gehören.
Natürlich stellt sie sich vorher ein, die Liebe. Ellen verliebt sich in Johnny, weil er, komplementär charakterisiert, alles hat – insbesondere die richtigen Eltern. Sie hat hingegen die falschen: Einen alkoholkranken, arbeitslosen Vater und eine koabhängige Mutter, die an ihren Mann und an Besserung glaubt – in Wahrheit aber längst aufgegeben, der Sucht nichts mehr entgegenzusetzen hat.
Die Liebesbeziehung und das Elternhaus Johnnys bieten Ellen Schutz vor ihrem desolaten Zuhause, funktionieren als kontrastiv gezeichneter Zufluchtsort, bis bei Johnnys Mutter Krebs diagnostiziert wird. Zunächst schweißt die schwere Krankheit die jugendlich Liebenden zusammen, dann isoliert sie Ellen von ihren Freunden und der für sie so wichtigen Musik. Schließlich leitet sie eine Folge von Ereignissen und daraus resultierenden Entwicklungen ein, an denen Ellen zu zerbrechen scheint.

Christine Zureichs Coming-of-Age-Story Ellens Song überzeugt, beeindruckt: Zum einen durch die Geschichte, die auf ihrem Höhepunkt zeigt, welche Bedeutung der Musik als Seelenkraft und -helfer zukommen kann. Zum anderen durch die Art und Weise, wie diese Geschichte erzählt wird: So reflektiert Zureich die Entfremdung, die Distanz ihrer traumatisierten Protagonistin zu sich selbst durch verschiedene Erzählperspektiven, die sie mit einer filmischen Schreibweise kombiniert: Situationen, die für Ellen emotional schwer zu bewältigen sind, werden von ihr drehbuchgleich in Filmszenen wiedergegeben – und übersetzen damit kongenial, wie weit entfernt Ellen von einem kohärenten Ich ist.

Prof. Dr. Tobias Kurwinkel
 

Leseprobe:

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