Vita

Nora Joana Hoch, geboren 1983 in Bochum, lebt als Dramaturgin, Theaterpädagogin und Schriftstellerin in Berlin. Geschrieben hat sie schon immer, aber zunächst nur für sich. 2002 erschien im Verlag Edition Wort und Bild ihr Lyrikband „Vielleicht wieder zum Wort“. Von 2003 bis 2009 studierte sie Kulturwissenschaften und ästhetische Praxis in Hildesheim und verliebte sich während des Studiums durch freie Projekte und viele Assistenzen immer mehr ins Theater. Von 2009 bis 2011 arbeitete sie im Bereich Dramaturgie und Öffentlichkeitsarbeit am Jungen Schauspielhaus Düsseldorf. Seit 2011 arbeitet Nora Hoch als Dramaturgin und Theaterpädagogin am GRIPS Theater, wo sie seit 2016 eine der größten theaterpädagogischen Abteilungen der Bundesrepublik leitet und jeden Monat im Rahmen ihrer Arbeit mit hunderten von Kindern und Jugendlichen redet, spielt und forscht.
2020 erscheint bei Dtv junior ihr erster Jugenroman „Das Salzwasserjahr“.

Zum Inhalt von „Das Salzwasserjahr"

Ein Austauschjahr in Australien. Alles soll sich ändern, findet Jannik, als er auf die andere Seite der Welt reist. Vor allem er selbst.
Wenn er sich neu erfinden könnte, wäre Jannik gerne so rätselhaft wie Sienna, die das Meer und ihre Freiheit liebt, die Jannik nahekommt und ihn dann doch immer wieder voller Fragen im Regen stehen lässt. Oder wenigstens halb so lässig wie sein Gastbruder Neil, der scheinbar alles kann. Neil Maden ist ein guter Typ, aber verdammt verschlossen. Die ganze Familie hütet ihre Probleme wie geheimnisvolle Schätze – bis Ruby wegläuft, die jüngste Tochter der Madens. Gemeinsam mit Sienna macht Jannik sich auf die Suche und endlich löst sich auch die Sprachlosigkeit der Familie …
Eine Geschichte über das Reisen. Und über das Suchen, Finden und Werden.

Beurteilung der Jury

Der Titel polarisiert. Das könnte Poesie sein, der Titel eines Pageturners oder sehr anspruchsvolle Literatur? Am Ende hat es von allem etwas. Im Hauptplot ist „Salzwasserjahr“ eine sauber komponierte Coming-of-Age-Geschichte. Der bald 17-jährige Jannik geht für ein Jahr nach Australien. Seine scheinbar so gechillte Gastfamilie hat mehr als nur ein Problem: Neil spricht kaum, weil er keine Bewältigungsstrategie für seinen Liebeskummer hat. Der Vater wirkt abwesend, die Mutter versucht den Schein der heilen Familie aufrecht zu halten. Hinzu kommt, dass Sienna, das Mädchen, das Neil Kummer bereitet, für Jannik attraktiv wird. Was nach einer mit Hindernissen angereicherten Romanze klingt, entwickelt sich nicht zuletzt durch die Sprache zu einer sensiblen Charakterstudie.
Die Autorin schafft es brillant Naturgegebenheiten und Szenerien zu verbalisieren – sei es die Wucht des Wassers während eines Surfgangs oder die beengten Wohnverhältnisse der Gastfamilie, deren Lebensmittelpunkt der riesige Garten ist. „Eine Welle lang lächelte sie mich an“. Sätze wie dieser sind es, die gekonnt in die Handlung eingewoben werden. Der ganz eigene Wortklang ergibt sich durch das Reflektieren der Stimmungen, verschränkt mit den kraftvollen Bildern der Landschaft. Die beständige Anwesenheit des Meeres korrespondiert mit dem aufgewühlten Innenleben der Protagonisten. Wie Jannik und Sienna eine ganz eigene Sprache finden, indem sie Worte zur Geheimsprache ihres Zusammenseins machen, das erzeugt jene Poesie, die schon im Titel steckt. Beide werden durch ihre Sprache zu einem romantischen Paar, ganz im Sinne von Novalis blauer Blume. Vielleicht kann man diese fast als Kammerspiel gebaute Story mit dem sehr eigenen Sound als eine moderne Form der Spätromantik sehen, auch wenn das australische Setting, mit seinen braun gebrannten, stets surfenden oder grillenden Menschen erst einmal nach Zivilisationspragmatik klingt.
Jannik ist mit seiner Beobachtungsgabe und beruhigenden Art die heilende Kraft in der Gemengelage der existenziellen Sorgen aller Protagonisten. Dass er seine eigenen Zweifel und Probleme so facettenreich gespiegelt bekommt, gibt ihm eine Antwort: Verantwortung trägt jeder für sich allein. Welch eine Message, die man nicht nur als Jugendlicher immer wieder verinnerlichen muss.

Christine Paxmann

Leseprobe

Hier finden Sie eine Leseprobe von „Das Salzwasserjahr" » (PDF, 263 KB)