Vita

Tanja Fabsits, geboren 1976, studierte Biologie. Heute ist sie Redakteurin für Wissenschaft und Medizin in Wien. 2016 gewann sie den DIXI-Kinderliteraturpreis, 2019 wurde ihr Buch „Der Goldfisch ist unschuldig“ in die Kollektion des Österreichischen Kinder- und Jugendbuchpreises aufgenommen. Sie lebt mit ihrer Tochter in Klosterneuburg.

Zum Inhalt von „Der Goldfisch ist unschuldig“

Henri ist wütend. Richtig wütend. So wütend, dass er den Goldfisch aus dem Fenster wirft. Samt Glas. Weil sein Papa seit Monaten nur mehr diesen Goldfisch anstarrt. Auf dem Sofa liegt, sich nicht bewegt, nicht reagiert, nicht redet. Nur starrt. Nicht einmal Henris Briefe liest er, die er ihm immer wieder unter den Kopfpolster stopft.
Aber der Goldfisch kann nichts dafür – das erkennt Henri schnell. Und hat Glück, denn das Glas ist direkt in die offene Mülltonne gesaust, die der Hausmeister gerade aus dem Hof holen wollte. Goldie ist also gerettet, doch das Papa-Problem weiterhin nicht gelöst.
Dazu braucht es einen Plan, und zwar einen ziemlich guten. Das meint zumindest Signore Montesanto – der italienische Hausmeister, oder auch Geheimagent, das weiß man nicht so genau. Gute Pläne sind jedoch rar und so mancher kann schnell durchkreuzt werden, vor allem wenn man die Hilfe von anderen braucht, und noch viel mehr, wenn die gar nicht helfen wollen. So stolpert Henri von einem Plan in den nächsten und muss seine Gehirnwindungen mächtig anstrengen, um seinem Ziel näherzukommen – unterstützt durch so manches faszinierende Agenten-Gespräch mit Montesanto im Stiegenhaus. (Verlagstext: Tyrolia Verlag)

Beurteilung der Jury

„Der Goldfisch ist unschuldig“, das weiß Henri, trotzdem lässt er seinen Frust an dem Tierchen aus, auf das sein Papa unentwegt starrt. Seit einigen Monaten liegt  der Vater lethargisch auf der Couch – unerreichbar für den Sohn. Der Hausmeister Signore Montesanto rettet den Goldfisch – und nicht nur ihn. Der alte Mann, der viele Geschichten und Lebensweisheiten auf Lager hat, hilft auch Henri, mit seinen Sorgen und Ängsten besser zurechtzukommen. Er bringt ihn auf die Idee, wie er seinem Vater helfen kann: mit dem besten Weihnachtsfest aller Zeiten. Doch dafür muss der Junge noch einige Hindernisse aus dem Weg räumen.
Eindringlich und glaubwürdig stellt Tanja Fabsits die Not Henris dar. Die Briefe, die der Junge seinem Vater schreibt und unter das Kopfkissen legt, zeugen von den Emotionen, die ihn umtreiben: Da ist die Sehnsucht, dass der Vater wieder der alte wird, die Hilflosigkeit, mit der Situation umzugehen, auch die Wut, dass der Vater sich nicht zusammennehmen kann. Vor allem aber sind da die Schuldgefühle Henris, dass er dafür verantwortlich sei, dass Papa so seltsam ist. All das kulminiert in seiner Anzeige im Internet: „Sofa mit Vater abzugeben. Sofa fast neu. Vater gebraucht.“
Die Autorin thematisiert, wie Kinder mit der Krankheit eines Elternteils – einer Depression oder einem Burnout – umgehen. Besonders beeindruckend ist, wie konsequent sie dabei die Perspektive Henris einnimmt. Es geht nicht um den kranken Vater, und so ist es auch nicht von Bedeutung, seine Krankheit im Buch zu benennen. Literarisch überzeugend findet Tanja Fabsits einen Ton, der das schwere Thema mit Leichtigkeit und Komik erzählt. Dazu kommen originelle und interessante Figuren wie der Hausmeister Montesanto, der statt Blaumann Anzug trägt und sich als Geheimagent vorstellt, oder die neugierige Nachbarin Frau Pelinka. Nicht zuletzt Henris Schulalltag, in dem sich der pfiffige Junge mit Cleverness gegen den Klassentyrann Max durchsetzen kann,  macht dieses Buch zur ebenso unterhaltsamen wie berührenden Lektüre, die ebenso zum Schmunzeln wie zum Nachdenken bringt.

Birgit Müller-Bardorff

Leseprobe:

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