Kinderbuch „Der Goldfisch ist unschuldig“ ausgezeichnet

Oldenburger Kinder- und Jugendbuchpreis 2019 für Tanja Fabsits

Der Kinder- und Jugendbuchpreis der Stadt Oldenburg 2019 geht an Tanja Fabsits. Fabsits bekommt den Preis für ihr Kinderbuchdebüt „Der Goldfisch ist unschuldig“. Der mit 8.000 Euro dotierte Preis wurde der Autorin am Montag, 18. November 2019, im festlichen Rahmen im Alten Rathaus von Oldenburgs Oberbürgermeister Jürgen Krogmann überreicht. Sowohl die Jury als die Laudatorin Ute Krause betonten, wie Tanja Fabsits es auf originelle Weise schafft, ein ernstes Thema mit viel Humor und Leichtigkeit aus der Perspektive ihres jungen Protagonisten zu vermitteln.

Ausgewählt unter 212 Einsendungen
Unter 212 Einsendungen, darunter 63 verlegte Werke und 149 Manuskripte, hatte die Jury zunächst drei Nominierte ausgewählt. „Bei den diesjährigen Nominierungen handelt es sich um drei herausragende Texte, die sich mit dem Thema Bindung und Zusammenhalt beschäftigen: mit dem Wunsch, in der Familie, Heimat oder in der neu gewonnenen Gemeinschaft den ersehnten Frieden zu finden oder sie gar zu verlassen, um das Glück in der Ferne zu suchen. Die nominierten Bücher glänzen durch die sehr plastische und empathische Darstellung ihrer Protagonistinnen und Protagonisten. Sie überraschen mit außergewöhnlichen Erzählmitteln und unerwarteten Wendungen. Diese tiefgehenden Erzählungen regen an, sich mit seiner eigenen Geschichte auseinanderzusetzen“, begründet Mehrdad Zaeri, Mitglied der fünfköpfigen Jury, deren Auswahl.

Literarisch überzeugend, unterhaltsam und berührend
Letztendlich entschied sich die Jury für Tanja Fabsits als Preisträgerin: „Tanja Fabsits thematisiert, wie Kinder mit der Krankheit eines Elternteils – einer Depression oder einem Burnout – umgehen. Besonders beeindruckend ist, wie konsequent sie dabei die Perspektive Henris einnimmt. Es geht nicht um den kranken Vater, und so ist es auch nicht von Bedeutung, seine Krankheit zu benennen. Literarisch überzeugend findet Fabsits einen Ton, der das schwere Thema mit Leichtigkeit und Komik erzählt. Dazu kommen originelle und interessante Figuren, wie Hausmeister Montesanto oder die neugierige Nachbarin Frau Pelinka. Nicht zuletzt Henris Schulalltag, in dem sich der pfiffige Junge gegen den Klassentyrann Max durchsetzen kann, macht das Buch zur ebenso unterhaltsamen wie berührenden Lektüre, die ebenso zum Schmunzeln wie zum Nachdenken bringt“, so die Jurorin Birgit Müller-Bardorff.

Autorin und Illustratorin Ute Krause hält Laudatio
Die Preisrede auf „Der Goldfisch ist unschuldig“ hielt die Autorin und Illustratorin Ute Krause. „Tanja Fabsits erzählt in einem sehr eigenen, fast beiläufigen Ton, der ihrer Geschichte einen großen Charme verleiht. Sprache und Humor gehen in diesem Buch Hand in Hand. Die Autorin führt uns noch durch die ernstesten und traurigsten Momente mit Leichtigkeit. Ich glaube, jede Leserin und jeder Leser wird das Buch am Ende mit einem warmen Gefühl im Bauch zuschlagen und noch einen Moment in diesem Wiener Mietshaus verharren, um Henri, seiner Familie und seinen Freunden beim wohlverdienten Weihnachtsessen über die Schulter zu schauen.“

Die Preisverleihung wurde von KiKa-Moderator André Gatzke moderiert. Die Band „NUFOXAS“ der Musikschule Stadt Oldenburg hat den Abend unter der Leitung von Dagmar Martens musikalisch begleitet.

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Über Tanja Fabsits
Tanja Fabsits, geboren 1976, studierte Biologie und ist Redakteurin für Wissenschaft und Medizin in Wien. 2016 gewann sie den DIXI-Kinderliteraturpreis, 2019 wurde ihr Buch „Der Goldfisch ist unschuldig“ in die Kollektion des Österreichischen Kinder- und Jugendbuchpreises aufgenommen. Sie lebt mit ihrer Tochter in Klosterneuburg in der Nähe von Wien.

Zum Inhalt des Kinderbuchs „Der Goldfisch ist unschuldig“ von Tanja Fabsits
Henri ist wütend. So wütend, dass er den Goldfisch samt Glas aus dem Fenster wirft – denn sein Papa starrt seit Monaten nur mehr diesen Fisch an, reagiert und redet nicht. Aber der Goldfisch kann nichts dafür, das erkennt Henri schnell. Und er hat Glück, denn das Glas saust direkt in die offene Mülltonne, die der Hausmeister gerade aus dem Hof holen wollte. Das rettet zwar Goldie, löst aber weiterhin nicht das Papa-Problem. Geht es nach Signore Montesanto, dem italienischen Hausmeister (oder Geheimagent), braucht es dazu einen ziemlich guten Plan. Gute Pläne sind jedoch rar und können schnell durchkreuzt werden, vor allem wenn man die Hilfe von anderen braucht – und noch viel mehr, wenn die gar nicht helfen wollen. So stolpert Henri von einem Plan in den nächsten und muss seine Gehirnwindungen mächtig anstrengen, um seinem Ziel näherzukommen, unterstützt durch so manches faszinierende Agenten-Gespräch mit Montesanto im Treppenhaus.

Über den Kinder- und Jugendbuchpreis der Stadt Oldenburg
Seit 1977 vergibt die Stadt Oldenburg einen Preis für herausragende literarische und künstlerische Leistungen auf dem Gebiet der Kinder- und Jugendliteratur. Als Förderpreis dient er dem Ansporn und der Ermutigung von Autorinnen und Autoren beziehungsweise Illustratorinnen und Illustratoren, die ein Erstlingswerk vorlegen und ist damit der einzige seiner Art in Deutschland. Zugleich soll innovativen Ideen eine Chance gegeben und ein Anreiz geschaffen werden, die Werke Unbekannter in die Verlagsprogramme aufzunehmen.