DienstagsDrama: "Getanzte Rebellion"

Sie sprachen sich gern mit englischen Vornamen an wie „Bobby“ oder „Teddy“, grüßten nicht mit „Heil Hitler“, sondern mit „Swing-heil“, sie tanzten im Dritten Reich lieber ausgelassen zu amerikanischer Jazzmusik als uniformierten Dienst in der Hitler-Jugend zu leisten. Die Gestapo nannte die renitenten Jungen und Mädchen „Swing-Jugend“. Mit ihrer musikalischen Vorliebe und ihrer unangepassten Lebensweise forderte die Swing-Jugend den NS-Staat heraus. Swing-Musik galt den Nationalsozialisten als „entartet“, „zersetzend“ und „minderwertig“. Etliche „Swing-Jugendliche“ sind vom Regime verfolgt, zur Zwangsarbeit verpflichtet und in Konzentrationslagern drangsaliert worden.

Mit deren Widerstand gegen den totalen Herrschaftsanspruch der braunen Diktatur setzte sich die Freie Jugendtheatergruppe „DienstagsDrama“ in der Jugendfreizeitstätte Bürgerfelde in ihrem neusten Stück auseinander.


Originalzitate und Tagebucheinträge von Jugendlichen (aus dem Widerstand gegen das NS-Regime) verknüpft mit Texten der Propaganda, persönliche Texte der am Projekt beteiligten  Jugendlichen und aktuelle politische Texte versuchen das Stück in die heutige aktuelle Zeit zu transformieren, rufen dazu auf, sich mit der Vergangenheit auseinanderzusetzen, aus ihr zu lernen und geben Impulse für ein soziales Miteinander Aller heute. Das Stück ebenso auf der Suche nach Antworten auf  Fragen von Zivilcourage und gesellschaftlichem Engagement für die heutige Zeit sowie für die Zukunft.

Die Premiere war am 11. Juni 2018 im „theater hof/19“ in Oldenburg.

Extrem spannendes Thema
Thomas Vossenberg findet das Thema „extrem spannend“. „Jugend und Musik – das hatte schon immer etwas Rebellisches“, findet der Regisseur. Er hat für den Theater-Stoff viele historische Texte und Zeitzeugen-Interviews gesichtet, Tagebucheintragungen gelesen und Film-Dokumentationen gesehen. „Mit ihrer musikalischen Vorliebe und ihrer unangepassten Lebensweise forderte die Swing-Jugend den NS-Staat heraus“, weiß der Theaterpädagoge. Swing-Musik habe den Nationalsozialisten als „entartet“, „zersetzend“ und „minderwertig“ gegolten. Etliche „Swing-Jugendliche“ seien vom Regime verfolgt, zur Zwangsarbeit verpflichtet und in Konzentrationslagern drangsaliert worden.

Es geht in dem Stück aber nicht ausschließlich um eine geschichtliche Darstellung, sondern auch um Zivilcourage und gesellschaftliches Engagement. „Rebellion entsteht aus Hoffnung“, lautet daher der Arbeitstitel. Das Ensemble begibt sich auf die Suche nach Antworten auf die Fragen wie „Was hätte ich getan?“ oder „Wäre da wirklich der Mut gewesen, Widerstand zu leisten, aktiv gegen die bestehenden Verhältnisse zu rebellieren, gegen die Angst zu handeln? Was hat diese Jugendlichen veranlasst, so zu handeln?“



Probentermine und Kontakt
Probentermine sind immer dienstags von 17 bis 19 Uhr im Theaterraum der Jugendfreizeitstätte Bürgerfelde (Alexanderstraße 209). Interessierte können sich bei Thomas Vossenberg unter Telefon  0441 8850508 oder 0151 12495537 beziehungsweise per E-Mail an thomas.vossenberg(at)stadt-oldenburg » wenden.

Über die Jugendtheatergruppe „DienstagsDrama“
Seit September 2015 treffen sich Jugendliche im Alter ab 13 Jahren regelmäßig einmal in der Woche in der Jugendfreizeitstätte Bürgerfelde. Unter dem Namen „DienstagsDrama“ entwickeln sie zu ihnen wichtigen gesellschaftsrelevanten Themen Theaterstücke, die zum Nachdenken anregen. Bisherige Produktionen waren „Romeo und Julia – neu interpretiert“ (Theaterfestival JFS, 2015), „Findet mich das Glück oder bin ich lieber weg?“ (theater hof/19 und Jugendtheatertage Oldenburg, 2016) sowie „La Luna“ (theater hof19, 2017).

Proben zum Stück „Swing-Kids“ 2018