Perspektivwechsel

Die Türkei: gestern – heute – morgen

Im Jahr 2023 begeht die Türkei den 100. Jahrestag ihrer Gründung durch Mustafa Kemal Atatürk.
Der charismatische Visionär erhob sein Land aus den Trümmern des Osmanischen Reichs und krempelte es nach dem Vorbild Europas um, in dem er nach Jahrhunderten politisch-religiöser Gesellschaftsordnung eine strikte Säkularisierung und Modernisierung verordnete.
Diese Westorientierung steht heute wieder in Frage, seit der religiös verhaftete Teil der türkischen Gesellschaft mit Recep Tayyip Erdoğan einen ebenso charismatischen und entschlossenen Staatsführer aufbieten kann. Jüngste Einschnitte in die Presse- und Meinungsfreiheit, Einmischungen in private Lebensstile wie auch Korruptionsskandale und Vorwürfen des Machtmissbrauchs der islamisch-konservativen Regierung lassen zudem eine Aufnahme der Türkei in die Europäische Union mehr denn je in weite Ferne zu rücken.

Kurz vor den türkischen Präsidentschaftswahlen im August veranstaltet das Kulturbüro der Stadt Oldenburg einen Gesprächsabend mit dem Türkei-Experten Thomas Kossendey und dem Journalisten Süleyman Bağ. Sie diskutieren vor dem Hintergrund der türkischen Geschichte über die heutige politische Situation der Türkei sowie Erdoğans „Vision 2023“, die insbesondere das Ziel verfolgt, mit dem Land in den nächsten neun Jahren wirtschaftlich unter die Top 10 der Welt aufzusteigen.

Thomas Kossendey war 27 Jahre Abgeordneter im Deutschen Bundestag, parlamentarischer Staatssekretär im Bundesverteidigungsministerium und auch langjähriger Vorsitzender der deutsch-türkischen Parlamentariergruppe. Heute ist der studierte Rechts- und Staatswissenschaftler der Präsident der Oldenburgischen Landschaft.
Süleyman Bag studierte Soziologie und arbeitet seit 2003 als Journalist. Er ist Chefredakteur des Nachrichtenportals DTJ-Online und schreibt regelmäßig Kolumnen für die türkischsprachige Zeitung „Zaman“.

Kartenbestellung unter Telefon 0441 235-2319 oder unter kulturbuero(at)stadt-oldenburg.de

  • Datum: Mittwoch, 25. Juni 2014
  • Uhrzeit: 19.30 Uhr
  • Ort: Kulturzentrum PFL, Peterstraße 3, 26121 Oldenburg
  • Veranstalter: Kulturbüro der Stadt Oldenburg

Zwischen Kriegen und Europa

Vortrag und Gespräch mit dem ehemaligen stellvertretenden Generalinspekteur der Bundeswehr Johann-Georg Dora; moderiert von Dr. Roy Karadag

Die geografische Lage der Türkei begünstigt ihre Rolle als Vermittler zwischen der arabisch-islamischen Welt und der westlichen Staatengemeinschaft. Das Land nimmt zudem immer mehr die Position als Energiedrehscheibe für den Westen ein, der sich zunehmend von den Gaslieferungen Russlands emanzipieren möchte.
Der NATO 1952 beigetreten, wurde die Türkei im Ost-West-Konflikt zu einem Einflussgebiet der Westmächte an der Grenze zur UdSSR. Nun, 25 Jahre nach Öffnung des Eisernen Vorhangs, signalisiert Ankara jedoch auch ein Interesse an der Vollmitgliedschaft in der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SOZ), in der neben Russland und verschiedenen zentralasiatische Staaten vor allem China als stärkstes Mitglied eine Kooperation in politischer, kultureller und wirtschaftlicher Hinsicht eingehen.
Ob das Interesse des „ewigen“ EU-Beitrittskandidaten Türkei an der SOZ als Beweis dafür gelten kann, dass die schwächelnde NATO Auflösungserscheinungen zeigt oder dieses quasi als Trojanisches Pferd zu interpretieren ist, das durch den Westen eingesetzt wird, soll an diesem Abend erörtert werden.
Welche Rolle spielt die Türkei im globalen Kampf gegen den Terrorismus? Ist Ankara politisch in der Lage und willens, den zentralasiatischen Raum zu ordnen und zu stabilisieren? Und welche Rolle spielt die NATO dabei? Diesen Fragen widmet sich Generalleutnant a.D. Johann-Georg Dora in seinem Vortrag und im anschließenden Gespräch mit dem Politik- und Islamwissenschaftler Dr. Roy Karadag.

  • Datum: Freitag, 10. Oktober 2014
  • Uhrzeit: 19.30 Uhr
  • Ort: Altes Rathaus Oldenburg, Markt 1, 26122 Oldenburg
  • Veranstalter: Kulturbüro Stadt Oldenburg
  • Eintritt: 5 Euro

Kartenbestellung unter kulturbuero(at)stadt-oldenburg.de oder telefonisch unter 0441 235-2319.

Gallipoli 1915

Vortrag über die individuellen Geschichten der gefallenen Soldaten des Friedhofs Tarabya

Die Schlachten von Gallipoli 1915 – das heißt die Seeschlacht um die Dardanellen und die amphibische Landung der alliierten Truppen ab dem 25. April 1915 – haben sich tief in das kollektive Gedächtnis der heutigen Türkei aber auch von Australien und Neuseeland eingeprägt. Für die moderne Türkei gehört dieses Gefecht zu ihrem Gründungsmythos. Ebenso gedenken andere an den Kämpfen beteiligte Nationen wie Frankreich und Großbritannien der Geschehnisse und insbesondere der Opfer.

Dass jedoch zu jener Zeit ein Bündnis zwischen dem Deutschen und dem Osmanischen Reich bestand und bei dieser Schlacht auch deutsche Soldaten beteiligt waren, ist landläufig kaum bekannt. Ebenso wird diese Tatsache in der Geschichtsschreibung des ehemaligen Bündnispartners wenig beachtet. Dabei waren bei den Kämpfen unmittelbar vermutlich mehr als 1000 deutsche Soldaten beteiligt. Mehr als 200 Männer sind bei den Gefechten gefallen. Diesen Kriegsopfern, aber auch den im zweiten Weltkrieg Gefallenen, wird insb. auf dem Soldatenfriedhof von Tarabya, einem der nördlichsten Stadtteile von Istanbul, gedacht. Auf vier Terrassen erstrecken sich die 677 Gräber beziehungsweise Ruhestätten.

Klaus Wolf, Oberst im Generalstab des Nato-Quartiers Istanbul und ausgewiesener Kenner der Militärgeschichte des Ersten Weltkriegs, dessen Buch „Gallipoli 1915“ im Jahr 2008 erschien, widmet sich im Rahmen eines Vortrages diesen in der Türkei gefallenen Soldaten. Seinem zentralen Anliegen, den Namen auf den Grabsteinen in Tarabya wieder Gesichter zu geben und die Soldaten so aus der Vergessenheit zu holen, wird er in Form einer Lesung aus seinem Werk, aber auch durch eine Präsentation von Zeitdokumenten und Fotografien nachkommen.

  • Datum: Donnerstag, 16. Oktober 2014
  • Uhrzeit: 20 Uhr
  • Ort: Kulturzentrum PFL, Peterstr. 3, 26121 Oldenburg
  • Veranstalter: Kulturbüro Oldenburg
  • Eintritt: 5 Euro

Kartenbestellung unter kulturbuero(at)stadt-oldenburg.de oder telefonisch unter 0441 235-2319.

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