Carl-von-Ossietzky-Preisträger Uri Avnery gestorben

Der israelische Friedensaktivist und der Carl-von-Ossietzky-Preisträger des Jahres 2002 Uri Avnery ist in der Nacht zum 20. August 2018 im Alter von 94 Jahren in Tel Aviv gestorben.
Jahrzehntelang setzte er sich für eine friedliche Lösung des Nahost-Konfliktes ein.

Uri Avnery wurde als Helmut Ostermann 1923 als Sohn jüdischer Eltern in Beckum/Westfalen geboren und ging in Hannover zur Schule. 1933 wanderte er mit seiner Familie nach Palästina aus. Im Alter von knapp 15 Jahren schloss er sich der paramilitärischen Untergrundorganisation Irgun Tsvai Leumi an, die er aus ideologischen Gründen 1942 wieder verließ. 1948 wurde er als Mitglied der israelischen Armee schwer verwundet. Während seines Krankenhausaufenthaltes kam er zu der Überzeugung, dass Frieden ohne die Berücksichtigung der palästinensischen Interessen nicht möglich ist. Seitdem machte sich Avnery für eine Zwei-Staaten-Lösung mit Jerusalem als gemeinsamer Hauptstadt stark.

Die israelisch-palästinensische Verständigung mit dem Ziel einer friedlichen Koexistenz unter Wahrung der Menschenrechte kennzeichnete Avnerys gesamten weiteren Lebensweg. Von 1950 bis 1990 war er Herausgeber und Chefredakteur der linken Zeitschrift Haolam Haseh, in der er häufig die offizielle israelische Politik kritisierte. Heftige Reaktionen von allen Seiten zog er sich zu, als er 1982 als erster Israeli ein Interview mit Jassir Arafat führte, der ihn sehr beeindruckt hatte. Da Kontakte zur PLO untersagt waren, prüfte die Generalstaatsanwaltschaft ein Verfahren wegen Hochverrats. Dreimal zog er mit kleinen Parteien in die Knesset ein, um als Politiker für seine Ziele zu kämpfen, bevor er 1981 nicht mehr als Parlamentarier kandidierte. 1993 gründete er mit Freunden die israelischen Friedensblock Gusch Shalom, eine parteiunabhängige Organisation. 2003 erregte er gemeinsam mit anderen Aktivisten mit seiner Aktion als menschlicher Schutzschild vor dem belagerten palästinensischen Präsidentensitz in Ramallah große Aufmerksamkeit.

Zeitlebens war Uri Avnery trotz aller Kritik, Anfeindungen und Morddrohungen der festen Überzeugung, dass der Nahost-Konflikt lösbar ist. Für dieses Engagement wurde er mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Erich-Maria-Remarque-Friedenspreis, dem Aachener Friedenspreis, dem Alternativen Nobelpreis, dem Lew-Kopelew-Preis und dem Marler Medienpreis Menschenrechte. Den Carl-von-Ossietzky-Preis für Zeitgeschichte und Politik erhielt er im Jahr 2002 für „seinen Einsatz für Frieden und Völkerverständigung“. In den Oldenburger Wallanlagen erinnert seit 2003 eine vom Verlag Kommunikation & Wirtschaft gestiftete Blutbuche an den Aktivisten, Schriftsteller und Journalisten Avnery.

Die Stadt Oldenburg wird Uri Avnery ein ehrendes Andenken bewahren.