Inge Deutschkron erhält den Carl-von-Ossietzky-Preis 2008

„Als Journalistin in Deutschland und Israel hat Inge Deutschkron den bundesrepublikanischen Umgang mit der NS-Vergangenheit über viele Jahrzehnte wachsam und kritisch begleitet. Als Schriftstellerin ist es ihr gelungen, Erfahrungen der Verfolgung und des Widerstands gegen den Nationalsozialismus einem großen Publikum eindringlich zu vermitteln. Im Eintreten für die ‚stillen Helden’, denen sie selbst ihr Überleben als Jüdin in Berlin im ‚Dritten Reich’ verdankt, erinnert sie seit Langem an Menschen, die Juden vor der Ermordung gerettet haben. Die Jury würdigt in Inge Deutschkron eine im In- und Ausland hoch geachtete Persönlichkeit und eine streitbare Mahnerin gegen das Vergessen. Ihr Lebenswerk steht im Zeichen des fortdauernden Engagements für Demokratie und Menschenrechte und gegen alle Formen des Rassismus“,

so die Begründung der Jury.

Der Jury gehören die Journalistin Dr. Franziska Augstein (München), die Literaturwissenschaftlerin und Vizepräsidentin der Carl von Ossietzky Universität, Prof. Dr. Sabine Doering, der Historiker Prof. Dr. Norbert Frei (Jena), der Soziologe Prof. Dr. Dr. h. c. Oskar Negt (Hannover) sowie der Journalist und Redakteur Eckart Spoo (Berlin) an.

Inge Deutschkron nimmt die Auszeichnung am 4. Mai 2008 im Rahmen eines Festaktes im Oldenburger Schloss persönlich von Oberbürgermeister Professor Dr. Gerd Schwandner entgegen. Die Laudatio auf die Preisträgerin hält Professor Dr. Norbert Frei.

Uraufführung der Komposition „Momentaufnahme in fünf Stationen. Studie. Kathartisch. Mit Quadrat.“

Anlässlich der Preisverleihung ist eine Auftragskomposition an den Berliner Komponisten Maximilian Marcoll vergeben worden. Empfohlen wurde Marcoll von einem musikalischen Beirat bestehend aus Eckart Beinke (Komponist, oh ton – Förderung aktueller Musik e.V.), Hans-Joachim Hespos (Komponist) und Professorin Younghi Pagh-Paan (Komponistin). Die Komposition für Saxophon, Schlagzeug, Harfe, Kontrabass und Elektronik wird während des Festaktes von den Mitgliedern des oh ton-ensembles John Eckhardt, Barbara und Mark Lorenz Kysela sowie Michael Pattmann uraufgeführt.

Rahmenprogramm 2008

Am Tag nach der Preisverleihung sind Oldenburger Oberstufenschülerinnen und –schüler zu einer Lesung aus Inge Deutschkrons Autobiografie „Ich trug den gelben Stern“ eingeladen. Musikalisch begleitet wird die Lesung der Preisträgerin von Ensemble-Mitgliedern des Berliner GRIPS-Theaters, die Lieder aus der Theaterinszenierung „Ab heute heißt du Sara“ vortragen. Textgrundlage des Theaterstücks ist die Autobiografie von Inge Deutschkron.

Abends findet eine Gesprächsveranstaltung der Preisträgerin mit dem Juristen, Politikwissenschaftler und Carl-von-Ossietzky-Preisträger des Jahres 1988 Professor Dr. Dr. Ingo Müller zum Thema „Die ‚Stunde Null’ 1945 – und dann? statt. Diskutiert werden die Grundzüge der politischen Nachkriegsentwicklungen in der BRD und deren Konsequenzen sowie die persönlichen Erfahrungen und Erlebnisse in jener Zeit.


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