Biografie des Preisträgers

Włodzimierz Borodziej wurde 1956 in Warschau geboren. Zunächst besuchte er Grundschulen in Berlin und Warschau, um seine schulische Ausbildung später in Wien fortzusetzen. 1975 legte er am Bundesgymnasium Stubenbastei in Wien sein Abitur ab. Anschließend studierte Borodziej an der Universität Warschau Geschichte, promovierte und setzte seine akademische Laufbahn mit seiner Habilitation fort. Gastprofessuren führten ihn in den folgenden Jahren unter anderem nach Marburg und Jena.

Anfang der 90er Jahre unterbrach er seine universitären Tätigkeiten, um als Direktor des Büros für interparlamentarische Beziehungen und danach als Generaldirektor für wissenschaftliche Dienste in der Sejmkanzlei, der polnischen Parlamentsverwaltung, zu arbeiten. Seit 1996 ist Borodziej Professor für Zeitgeschichte am Historischen Institut der Universität Warschau. Von 1999 bis 2002 übernahm er das Vizepräsidentenamt der Universität. Er ist Mitglied in verschiedenen wissenschaftlichen Beiräten und Kuratorien.

Zeithistoriker mit hohem Renommee
Borodziej ist ein international hoch angesehener Zeithistoriker und genießt nicht nur in polnischen und deutschen Fachkreisen ein hohes Renommee. Sowohl in seinen wissenschaftlichen Arbeiten als auch in seinen umfangreichen Beiträgen in Fachzeitschriften und Zeitungen im In- und Ausland befasst er sich intensiv mit der eng verzahnten deutsch-polnischen Geschichte des 20. Jahrhunderts und der Gegenwart. Seine Forschungsgebiete erstrecken sich auf den nationalsozialistischen Terror in Polen ebenso wie auf den gescheiterten Warschauer Aufstand 1944. Der Hitler-Stalin-Pakt, die Geschichte der Umsiedlung und Vertreibung der Deutschen aus Polen, die internationalen Beziehungen in der Nachkriegszeit und aktuelle Fragen der Vergangenheitspolitik zählen ebenfalls dazu.

Borodziej leistet mit seinen Quellenstudien einen wichtigen Beitrag zur politischen Bildung. Darüber hinaus hat er sich viele Jahre als Co-Vorsitzender der deutsch-polnischen Schulbuchkommission für die Annäherung von Deutschen und Polen engagiert. Borodziej wurde für seine großen Verdienste bereits mit dem Verdienstkreuz der 1. Klasse der Bundesrepublik Deutschland, dem Herderpreis und dem Viadrina-Preis ausgezeichnet.

(Stand 2010)

Publikationen (Auswahl)

  • Der Warschauer Aufstand 1944, S. Fischer, Frankfurt am Main, 2001, TB 2004
  • Terror und Politik. Die deutsche Polizei und die polnische Widerstandsbewegung im Generalgouvernement 1939 - 1944, Philipp von Zabern Verlag, Mainz 1999 (Diss. 1984).
  • Das kurze 20. Jahrhundert Polens: Bilanz eines europäischen Sonderwegs?, Leipziger Universitäts-Verlag, Leipzig 2002
  • Die Deutschen östlich von Oder und Neiße 1945 - 1950: Dokumente aus polnischen Archiven, 4 Bände, hrsg. von Wlodzimierz Borodziej und Hans Lemberg, Verlag Herder-Institut, Marburg 2003
  • Option Europa. Deutsche, polnische und ungarische Europapläne des 19. und 20. Jahrhunderts, 3 Bd., Vandenhoek & Ruprecht, Göttingen 2005, als Mitherausgeber

 

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