Carolin Emcke erhält Carl-von-Ossietzky-Preis 2020

Stadt Oldenburg ehrt Publizistin für ihr Engagement gegen Hass und Ausgrenzung

Die Stadt Oldenburg würdigt die Publizistin Dr. Carolin Emcke mit dem Carl-von-Ossietzky-Preis für Zeitgeschichte und Politik. Die 52-Jährige erhält die mit 10.000 Euro dotierte Auszeichnung aufgrund des einstimmigen Votums einer unabhängigen Jury. Oberbürgermeister Jürgen Krogmann verleiht ihr den Preis, der von der Stadt in Erinnerung an Friedensnobelpreisträger Carl von Ossietzky alle zwei Jahre vergeben wird, am Mittwoch, 27. Mai 2020, im Rahmen eines Festaktes in Oldenburg.

Carolin Emcke, promovierte Philosophin, ist eine international geachtete Intellektuelle, die sich als erfahrene Kriegsreporterin, Autorin, Kuratorin und Moderatorin kritisch zu aktuellen Themen der Gegenwart positioniert. Die mehrfach ausgezeichnete Publizistin, die sich gegen Hetze, Rassismus und Antisemitismus engagiert, wurde unter anderem mit dem Theodor-Wolff-Preis, dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels und zuletzt mit dem Brückenpreis der Stadt Regensburg geehrt.

Die Jury für die Vergabe des Carl-von-Ossietzky-Preises schreibt in ihrer Begründung: „Ob als Kriegsreporterin oder als Essayistin und literarische Philosophin in einer Gesellschaft im Umbruch – Carolin Emcke tritt der offenen oder versteckten Gewalt seit Jahren als engagierte Stimme der Aufklärung und Humanität entgegen. Sie lässt sich nicht einschüchtern, sondern mischt sich in den gesellschaftlichen Diskurs ein als kritische intellektuelle Stimme gegen Hetze, Rassismus und Antisemitismus. Sie steht beharrlich für Werte wie Respekt, Gleichheit und Vielfalt gerade dann, wenn der gesellschaftliche Diskurs von zunehmender Verrohung bedroht ist. Ganz im Sinne Carl von Ossietzkys verteidigt sie dadurch Freiheit und Demokratie als Grundlagen einer an Humanität orientierten Zukunft.“

Zur fünfköpfigen Jury gehören die Literaturwissenschaftlerin Professorin Dr. Sabine Doering (Carl von Ossietzky Universität Oldenburg), der Journalist und Autor Dr. Gunter Hofmann (DIE ZEIT, Berlin), Friedrich-Wilhelm Kramer (Hamburg), ehemals Direktor des NDR-Landesfunkhauses Schleswig-Holstein, freier Journalist und Lehrbeauftragter für Medien und Politik in Riga und Hamburg, Thomas Roth (Berlin), Journalist, früherer Chefredakteur des ARD-Hauptstadtstudios und Tagesthemen-Moderator, sowie der Historiker Professor Dr. Martin Sabrow (Berlin), Direktor des Zentrums für Zeithistorische Forschung Potsdam und Professor für Neueste Geschichte und Zeitgeschichte an der Humboldt Universität zu Berlin.

Langfassung der Jury-Begründung: Botschaft gegen Hass und Ausgrenzung
„Carolin Emcke wird mit dem Carl-von-Ossietzky-Preis 2020 der Stadt Oldenburg ausgezeichnet. Sie war Kriegsreporterin in Ländern wie Afghanistan, Pakistan, im Irak oder im Gazastreifen. Wenn sie von dort berichtet hat, verkörperte sie stets auch eine Stimme der Humanität gerade für jene, die in der Gewalt der Kriege keine Stimme mehr haben. Sie setzte und setzt sich als Publizistin dabei zugleich stets kritisch mit ihrer jeweils eigenen Rolle auseinander. Aufklärung ist ihr Interesse. Und Zeugin sein, wenn Unrecht geschieht.

Carolin Emcke ist auch als Autorin und Publizistin seit Jahren ganz im Sinne Carl von Ossietzkys eine Stimme der kritischen Humanität in einer Gesellschaft, die in ihren Debatten auch außerhalb der sozialen Medien von einer zunehmend aggressiven Grundstimmung bis hin zur offenen Bedrohung geprägt ist. Deshalb mischt Carolin Emcke sich ein. Sie lässt sich nicht einschüchtern und tritt auf gegen Hetze, Rassismus, Antisemitismus und ‚Gegen den Hass’, wie sie einen ihrer jüngeren Essays als Buch überschrieben hat. Carolin Emcke engagiert sich nachdrücklich für Respekt und Vielfalt. Und sie steht, wiederum ganz im Sinne Carl von Ossietzkys, für die Notwendigkeit kritischer Debatten in einer Gesellschaft im Umbruch, die Orientierung sucht und gerade deshalb ihre Orientierung an Humanität, Vielfalt und Empathie nicht verlieren darf. Deshalb wird Carolin Emcke mit dem Carl-von-Ossietzky-Preis 2020 ausgezeichnet.“

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