Carl-von-Ossietzky-Preisvergabe an Carolin Emcke wird verschoben

Neuer Termin am 4. Mai 2021 – Preisträgerin freut sich auf Begegnungen im nächsten Jahr

Die für Mittwoch, 27. Mai 2020, geplante Ehrung der Journalistin und Philosophin Dr. Carolin Emcke mit dem Carl-von-Ossietzky-Preis 2020 der Stadt Oldenburg für Zeitgeschichte und Politik wird aufgrund der Corona-Pandemie auf das nächste Jahr verschoben. Nach sorgfältiger Prüfung alternativer Veranstaltungsformate hat Oberbürgermeister Jürgen Krogmann entschieden, die Preisverleihung nun am 4. Mai 2021, dem Todestag Carl von Ossietzkys, auszurichten. Mit der Verschiebung in das nächste Jahr sei nun davon auszugehen, dass eine dem Renommee des Namensgebers des Preises und der diesjährigen Preisträgerin angemessene Festveranstaltung stattfinden kann.

Gleichermaßen verschoben wird das zugehörige Begleitprogramm, das traditionell am Folgetag geplant ist. Vorgesehen ist neben einer Schulveranstaltung ein öffentliches Podiumsgespräch mit Carolin Emcke und Thomas Roth zum Thema „Demokratie in Gefahr? Werte, Wahrheiten und Wirklichkeiten im Zeitalter sozialer Medien“.

„Natürlich ist es schade, dass die Preisverleihung verschoben werden muss. Ich habe mich sehr über die Auszeichnung und auf die Veranstaltungen in Oldenburg gefreut. Aber bei einem solchen Preis zu Ehren von Carl von Ossietzky geht es auch darum, das Nachdenken über die Notwendigkeit des Widerspruchs im Namen des Humanismus in die Öffentlichkeit zu tragen. Eine solche Auszeichnung beinhaltet eben auch, das Erbe Ossietzkys in der Gegenwart zu begründen und zu vertiefen. Und dazu braucht es die Begegnung, das Miteinander im öffentlichen Raum, das gemeinsame Nachdenken und Diskutieren. Darauf freue ich mich dann im Mai 2021“, so Carolin Emcke.

Zur Preisvergabe

Carolin Emcke erhält den Carl-von-Ossietzky-Preis für ihr Engagement gegen Hass und Ausgrenzung. Die Jury schreibt in ihrer Begründung: „Ob als Kriegsreporterin oder als Essayistin und literarische Philosophin in einer Gesellschaft im Umbruch – Carolin Emcke tritt der offenen oder versteckten Gewalt seit Jahren als engagierte Stimme der Aufklärung und Humanität entgegen. Sie lässt sich nicht einschüchtern, sondern mischt sich in den gesellschaftlichen Diskurs ein als kritische intellektuelle Stimme gegen Hetze, Rassismus und Antisemitismus. Sie steht beharrlich für Werte wie Respekt, Gleichheit und Vielfalt gerade dann, wenn der gesellschaftliche Diskurs von zunehmender Verrohung bedroht ist. Ganz im Sinne Carl von Ossietzkys verteidigt sie dadurch Freiheit und Demokratie als Grundlagen einer an Humanität orientierten Zukunft.“

Der Jury gehören an die Literaturwissenschaftlerin Professorin Dr. Sabine Doering (Carl von Ossietzky Universität Oldenburg), der Journalist und Autor Dr. Gunter Hofmann (Berlin), der Journalist Friedrich-Wilhelm Kramer (Hamburg), ehemals Direktor des NDR-Landesfunkhauses Schleswig-Holstein und Lehrbeauftragter für Medien und Politik in Riga und Hamburg, Thomas Roth (Berlin), Journalist, früherer Chefredakteur des ARD-Hauptstadtstudios und Tagesthemen-Moderator, sowie der Historiker Professor Dr. Martin Sabrow (Berlin), Direktor des Zentrums für Zeithistorische Forschung Potsdam und Professor für Neueste Geschichte und Zeitgeschichte an der Humboldt Universität zu Berlin.

Zur Person

Die promovierte Philosophin Carolin Emcke begann 1998 ihre journalistische Laufbahn beim Nachrichtenmagazin DER SPIEGEL und berichtete als Auslandsredakteurin bis 2006 aus vielen Krisen- und Kriegsgebieten. Darüber hinaus war sie Lehrbeauftragte an der Yale University für Politische Theorie. Von 2007 bis 2014 schrieb sie als Autorin und internationale Reporterin für die Wochenzeitung DIE ZEIT, um anschließend als freie Publizistin regelmäßig Essays, Reportagen und Kolumnen unter anderem in der Süddeutschen Zeitung, El Pais und Mediapart zu veröffentlichen. Seit 2004 ist sie zudem Kuratorin und Moderatorin des monatlichen Diskussionsformats „Streitraum“ an der Schaubühne in Berlin. Carolin Emcke ist bereits mehrfach ausgezeichnet worden, so auch 2016 mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Ihre Buchveröffentlichungen „Von den Kriegen. Briefe an Freunde“, „Stumme Gewalt. Nachdenken über die RAF“ „Wie wir begehren“, „Weil es sagbar ist. Zeugenschaft und Gerechtigkeit“, „Gegen den Hass“ und „Ja heißt ja und ...“ wurden zum Teil in mehrere Sprachen übersetzt.

Der Carl-von-Ossietzky-Preis wird alle zwei Jahre von der Stadt Oldenburg verliehen, um an den Friedensnobelpreisträger Carl von Ossietzky zu erinnern. Der Preis wird vergeben an Personen, die sich in herausragender Weise mit Leben und Werk Carl von Ossietzkys, dem Widerstand gegen den Nationalsozialismus, der demokratischen Tradition und Gegenwart in Deutschland oder die sich im Geiste Ossietzkys mit Politik und Zeitgeschichte befassen.