Modick, Klaus

Roggemannstraße 18 a
26122 Oldenburg


https://de.wikipedia.org/wiki/Klaus_Modick
Genres:

  • Prosa
  • Lyrik

Vita

* 3. Mai 1951 in Oldenburg

Klaus Modick besuchte das Alte Gymnasium in Oldenburg (Oldenburg) und legte dort 1971 sein Abitur ab. Danach studierte er Germanistik, Geschichte und Pädagogik an der Universität Hamburg. 1977 legte er das Erste Staatsexamen für das Lehramt an Gymnasien in den Fächern Deutsch und Geschichte ab, 1980 promovierte er in Literaturwissenschaft mit einer Arbeit über Lion Feuchtwanger zum Dr. phil. Modick hatte danach verschiedene Jobs und war unter anderem Werbetexter und Lehrbeauftragter.

Seit 1984 ist er freier Schriftsteller und Übersetzer. Modick lebt seit 2000 wieder in Oldenburg. Er ist Mitglied des PEN-Zentrums Deutschland. Er las in den Wettbewerben um den Ingeborg-Bachmann-Preis 1988 und 1994. Von 1986 bis 1992 schrieb er monatliche Kolumnen (Taschenbücher) für Die Zeit, von 1997 bis 2002 für die tageszeitung. Klaus Modick war am Deutschen Literaturinstitut Leipzig und in den Vereinigten Staaten von Amerika (USA) am Middlebury College und Dartmouth College Gastprofessor. Von 1996 bis 2002 war er Dozent für Kreatives Schreiben an der Universität Bielefeld, von 2000 bis 2003 Mitglied der Literaturkommission des niedersächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kunst. Von 2004 bis 2008 organisierte und moderierte er für den Oldenburger Kunstverein Literaturgespräche. Seit 2014 ist er beratendes Mitglied im Kulturausschuss der Stadt Oldenburg (Oldb).

Nach seinem literarischen Debüt mit der von der Kritik gelobten Novelle Moos (1984) gelang Modick der Durchbruch mit seinen Romanen Ins Blaue (1985), der 1990 vom ZDF verfilmt wurde und später mit September Song (2002) eine Fortsetzung erfuhr, sowie Das Grau der Karolinen (1986), der in mehrere Sprachen übersetzt wurde. Zu Modicks erfolgreichsten Büchern zählen die Romane Der Flügel (1994), Vierundzwanzig Türen (2000) und Der kretische Gast (2003), ein episches Werk über die deutsche Besatzungsherrschaft auf Kreta während des Zweiten Weltkriegs.

Ein Schwerpunkt von Modicks Schaffen liegt auf dem Themengebiet Kinder und Familie, zum Beispiel Vatertagebuch (2005). Der Roman Klack (2013) erzählt eine Familien- und Pubertätsgeschichte, die auf dem Höhepunkt des Kalten Kriegs 1960/1961 zwischen Mauerbau und Kuba-Krise spielt.

Die Romane Weg war weg (1988) und Bestseller (2006), deren Held der Schriftsteller Lukas Domcik (Anagramm von Klaus Modick) ist, sind satirische Auseinandersetzungen mit dem Literaturbetrieb.

In den Romanen Der Flügel (1994) und Der Mann im Mast (1997) hat Modick sich bereits mit deutsch-amerikanischen Themen beschäftigt; im Roman Die Schatten der Ideen (2008) rückt dieser Themenkomplex in den Mittelpunkt: Erzählt wird die Geschichte eines deutschen Historikers, der 1935 in die USA emigriert und dort schließlich in die Hysterie der McCarthy-Ära gerät. Das Exil-Thema wird in Modicks Roman Sunset (2011) fortgeführt am Beispiel der Freundschaft zwischen den nach Los Angeles emigrierten Schriftstellern Bertolt Brecht und Lion Feuchtwanger. Der Roman wurde 2011 sowohl für den Deutschen Buchpreis als auch für den Wilhelm-Raabe-Literaturpreis nominiert.[1]

Mit dem Roman Konzert ohne Dichter (2015) entwirft Modick anhand der Entstehungsgeschichte des Gemäldes Das Konzert oder Sommerabend auf dem Barkenhoff von Heinrich Vogeler ein Panorama der Worpsweder Künstlergruppe um 1900 und erzählt die schwierige Beziehung Vogelers zu Rainer Maria Rilke. Der Roman wurde sofort nach Erscheinen zu einem Bestseller, erzielte bereits im Erscheinungsjahr eine Auflagenhöhe von über 100000 Exemplaren, wurde auch von der Literaturkritik begeistert aufgenommen und erreichte Platz 1 der Kritiker-Bestenliste des SWR.

Nach Sunset und Konzert ohne Dichter veröffentlichte Modick mit Keyserlings Geheimnis (2018) einen weiteren Künstlerroman. In dessen Mittelpunkt steht der baltische Literat Eduard von Keyserling und die Genese des Porträt-Gemäldes, das Lovis Corinth im Sommer 1901 von Keyserling anfertigte.

Modicks essayistische und literaturkritische Kompetenz ist in den Sammelbänden Das Stellen der Schrift (1988), Milder Rausch (1999) und Ein Bild und tausend Worte (2016) dokumentiert.

Als literarischer Übersetzer hat Modick zahlreiche englische und amerikanische Werke ins Deutsche übertragen.

Für das Album Metamorphosen der Musiker Fröhling & Schicke (Schicke Führs Fröhling) schrieb Modick die Songtexte.
 

Auszeichnungen

  •     1986 Hamburger Literaturförderpreis
  •     1989 Niedersächsisches Künstlerstipendium
  •     1990 Stipendium der Villa Massimo/ Rom
  •     1993 Stipendium der Cité Internationale des Arts Paris
  •     1994 Bettina-von-Arnim-Preis
  •     1996 Écrivain Présent, Université de Poitiers
  •     2005 Nicolas Born-Preis
  •     2006 Elba-Stipendium Thyll-Dürr-Stiftung
  •     2007 Stipendium Deutscher Literaturfonds
  •     2009 Stipendium Villa Aurora / Los Angeles
  •     2012 Writer in residence, Heinrich-Böll-Cottage /Achill Island, Irland
  •     2013 Stipendium Deutscher Literaturfonds
  •     2015 Rheingau-Literaturpreis für Konzert ohne Dichter
  •     2015 Poet in residence, Universität Duisburg-Essen

Werke (Auswahl)

  •     Lion Feuchtwangers Roman „Erfolg“, Scriptor, Kronberg/Ts. 1978 (mit Egon Brückener)
  •     Lion Feuchtwanger im Kontext der zwanziger Jahre, Scriptor, Königstein/Ts. 1981
  •     Moos, Novelle. Haffmans, Zürich 1984
  •     Ins Blaue, Roman. Machwerk, Siegen 1985
  •     Das Grau der Karolinen, Roman. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1986
  •     Weg war weg, Roman. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg, 1988, ISBN 978-3-8959-8518-8
  •     Das Stellen der Schrift, Essays. Affholderbach & Strohmann, Siegen 1988
  •     Die Schrift vom Speicher, Roman. Frankfurter Verlagsanstalt, Frankfurt am Main 1991
  •     Der Schatten, den die Hand wirft, Sonette. Frankfurter Verlagsanstalt, Frankfurt am Main 1991
  •     Das Licht in den Steinen, Roman. Frankfurter Verlagsanstalt, Frankfurt am Main 1992
  •     Der Flügel, Roman. Schöffling & Co, Frankfurt am Main 1994, ISBN 978-3-5961-2969-0
  •     Das Kliff, Roman. Schöffling & Co, Frankfurt am Main 1995
  •     Der Mann im Mast, Roman. Schöffling & Co, Frankfurt am Main 1997, ISBN 978-3492-24757-3
  •     Milder Rausch, Essays. Eichborn, Frankfurt am Main 1999
  •     Vierundzwanzig Türen, Roman. Eichborn, Frankfurt am Main 2000
  •     September Song, Roman. Eichborn, Frankfurt am Main 2002, ISBN 3-8218-0905-1
  •     Der kretische Gast, Roman. Eichborn, Frankfurt am Main 2003, ISBN 978-3-4922-4206-6
  •     Vatertagebuch, Eichborn, Frankfurt am Main 2005, ISBN 978-3-4232-0573-3
  •     Bestseller, Roman. Eichborn, Frankfurt am Main 2006, ISBN 978-3-4922-5218-8
  •     Die Schatten der Ideen, Roman. Eichborn, Frankfurt am Main 2008, ISBN 978-3-4922-5443-4
  •     Krumme Touren, Geschichten. Eichborn, Frankfurt am Main 2010, ISBN 978-3-8218-0880-2
  •     Sunset, Roman. Eichborn, Frankfurt am Main 2011, ISBN 978-3-8218-6117-3
  •     Klack, Roman. Kiepenheuer & Witsch, Köln 2013, ISBN 978-3-462-04515-4
  •     Konzert ohne Dichter, Roman. Kiepenheuer & Witsch, Köln 2015, ISBN 978-3-462-04741-7
  •     Ein Bild und tausend Worte. Die Entstehungsgeschichte von "Konzert ohne Dichter" und andere Essays, Kiepenheuer & Witsch, Köln 2016, ISBN 978-3-462-04926-8
  •     Keyserlings Geheimnis, Roman. Kiepenheuer & Witsch, Köln 2018, ISBN 978-3-462-05156-8

Herausgeberschaften

  •     Kabelhafte Perspektiven. Wer hat Angst vor neuen Medien? (mit Matthias-Johannes Fischer). Hamburg 1984.
  •     Allerneueste Vergangenheit. Walter Benjamins Passagenwerk. Hamburg 1984.
  •     Traumtanz. Ein berauschendes Lesebuch. Reinbek 1986.
  •     Walt Whitman. Tagebuch 1876-1882. Odisheim 1986.
  •     Man müßte nochmal 20 sein, oder doch lieber nicht? Ein Lesebuch. (mit Bernhard Lassahn). Reinbek 1987.
  •     Humus. Hommage à Helmut Salzinger (mit Michael Kellner und Mo Salzinger). Hamburg 1996.
  •    Helmut Salzinger: Moor. Ein Versuch nichts zu erzählen (mit Mo Salzinger). Odisheim 1996.
  •     Die Axt im Haus. Reinbek 1999.
  •     Von Lust und Last literarischen Schreibens. Werkstattberichte deutscher Schriftsteller. (mit Helmut Mörchen). Frankfurt/M. 2001.
  •     We’d love to turn you on. Eine Liebeserklärung an die Beatles. (mit Matthias Bischoff). Köln 2012.

Übersetzungen (Auswahl)

  •     Aravind Adiga: Zwischen den Attentaten. Beck, München 2009.
  •     Sebastian Faulks: Gesang vom großen Feuer. Schöffling & Co, Frankfurt am Main 1997.
  •     William Gaddis: Die Erlöser. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1988.
  •     William Gaddis: J R. Zweitausendeins, Frankfurt am Main. 1996. Neuausgabe: München 2010
  •     William Goldman: Als die Gondolieri schwiegen. Eichborn, Frankfurt am Main 2003.
  •     Alice Greenway: Schmale Pfade. mare, Hamburg 2016, ISBN 978-3-86648-232-6.
  •     Sudhir Kakar: Die Seele der Anderen. Beck, München 2012.
  •     Victor LaValle: Monster. Beck, München 2004.
  •     Leitfaden für britische Soldaten in Deutschland 1944, Kiepenheuer & Witsch, Köln 2014.
  •    Andrew Motion: Silver. Rückkehr zur Schatzinsel. mare, Hamburg 2014, ISBN 978-3-86648-188-6.
  •     Jeffrey Moore: Die Gedächtniskünstler. Eichborn, Frankfurt am Main 2006.
  •     John O’Hara: Begegnung in Samarra. Beck, München 2007.
  •     John O’Hara: BUtterfield 8. Beck, München 2008.
  •     Robert Olmstead: Jagdsaison. Rowohlt, Reinbek 1991.
  •     Matt Beynon Rees: Ein Grab in Gaza. Beck, München 2009.
  •     Matt Beynon Rees: Der Tote von Nablus. Beck, München 2010.
  •     Matt Beynon Rees: Der Attentäter von Brooklyn. Beck, München 2011.
  •    Matt Beynon Rees: Mozarts letzte Arie. Beck, München 2012.
  •     Matt Beynon Rees: Mit Blut signiert. Beck, München 2013.
  •     Charles Simmons: Belles Lettres. Beck, München 2003.
  •     Charles Simmons: Bekenntnisse eines ungeübten Sünders. Beck, München 2005.
  •     Robert Louis Stevenson: Die Ebbe (Originaltitel: The Ebb Tide). Haffmans, Zürich 1998.
  •         Vom Übersetzer überarbeitete und mit einem Nachwort versehene Neuausgabe: Manesse, Zürich / München 2012, ISBN 978-3-7175-2244-7.
  •     Robert Louis Stevenson: Mein Bett ist ein Boot. Der Versgarten eines Kindes. Lappan, Oldenburg, München 2002.
  •     Karen Usborne: Elizabeth von Arnim, eine Biographie (Originaltitel: Elizabeth: the Life of Elizabeth von Arnim). Fischer, Frankfurt am Main 2003, ISBN 3-89561-600-1.
  •     Nathanael West: Der Tag der Heuschrecke (Originaltitel: The Day of the Locust), mit einem Nachwort von Bernd Eilert, Manesse, Zürich 2013, ISBN 978-3-7175-2272-0.

© Stadt Oldenburg, alle Angaben ohne Gewähr.