Marion Poschmann war zweite Stipendiatin

Landgang-Stipendium
Die Schriftstellerin und Lyrikerin Marion Poschmann erhielt 2016 vom Literaturbüro Oldenburg das zum zweiten Mal auf der Grundlage einer Förderung durch die Kulturstiftung der Öffentlichen Versicherungen Oldenburg vergebene Landgang-Stipendium, ein Reisestipendium durch das Oldenburger Land. Im September 2016 unternahm sie eine Erkundungsreise, die in sieben Landkreisen und kreisfreien Städten des ehemaligen Landes Oldenburg Station machte. Marion Poschmann führte die Rundtour auf eigenen Wunsch mit dem Fahrrad durch. Die Passagen zwischen den Stationen gewannen so an Bedeutung, weil die Schriftstellerin die Entfernungen körperlich erfuhr und des Reisetempos wegen viel Zeit hatte, den Blick unterwegs in die Landschaften zu richten.

Literarisches Reisetagebuch
Auf der Grundlage dieser Radtour schrieb sie ein Reisetagebuch. Als Vorbild führt sie im Prolog ihres Textes das Tagebuch eines japanischen Schriftstellers an, das als eines der bekanntesten Reisebücher der Weltliteratur gilt: Bashos „Auf schmalen Pfaden durchs Hinterland.“ „Ich werde also“, formuliert ihr Text, „wie Basho in den wilden Norden meines Landes reisen. Schmale Pfade, Radwege, Hinterland, stürmische Nordsee, alles ist stimmig“. In der Reiseliteratur Asiens, so Marion Poschmann, herrsche die Ansicht, dass jeder Reise unabhängig von ihrer Dauer die Ernsthaftigkeit einer Lebensreise zugemessen werden könne. Von keiner Reise, dauere sie auch nur sieben Tage, komme man als derselbe zurück. „Nach einer Woche im Oldenburger Land bin ich ruhiger geworden“, bilanziert ihr Text. „Mein äußeres Tempo war vom Fahrrad vorgegeben, mein inneres Tempo hat sich der Landschaft angepasst.“

Lesereise der Kulturstiftung der Öffentlichen Versicherungen Oldenburg
Ihr Reisetagebuch stellte sie vom 16. Mai bis zum 1. Juni 2017 bei öffentlichen Literaturveranstaltungen vor. Die vom Literaturbüro Oldenburg konzipierte und organisierte Lesetour führte sie erneut zu den sieben Stationen, die sie im September des Vorjahres als Stipendiatin bereist hatte. Monika Eden, die Leiterin des Literaturbüros, begleitete sie als Moderatorin.

Partner der zweiten Durchführung
Die regionalen Partner des Literaturbüros bei der zweiten Durchführung des Projekts waren das Industrie Museum Lohne, das Schiffahrtsmuseum Unterweser in Brake, das Museumsdorf Cloppenburg, das Schlossmuseum Jever in Kooperation mit den Horumersieler Literaturtagen, der Bahnhofsverein Westerstede und die Städtische Galerie Delmenhorst.

Marion Poschmann
Marion Poschmann wurde 1969 in Essen geboren. Sie studierte Germanistik, Philosophie und Slawistik. 1994 nahm sie zudem ein Studium für Szenisches Schreiben an der Berliner Hochschule der Künste auf. Sie lebt als freie Schriftstellerin in Berlin und ist Mitglied der Mainzer Akademie für Wissenschaften und Literatur sowie im P.E.N. Für ihre Prosa und Lyrik wurde Marion Poschmann vielfach ausgezeichnet. Zuletzt erhielt sie den Peter-Huchel-Preis und den Ernst-Meister-Preis für Lyrik. Ihr Roman „Die Sonnenposition“ stand auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises und erhielt den Wilhelm-Raabe-Literaturpreis 2013. 2015 hatte sie die Thomas-Kling-Poetikdozentur inne. 2016 war sie mit dem Lyrikband „Geliehene Landschaften“ für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert. Marion Poschmanns Gedichte“, urteilte Michael Braun in der Neuen Züricher Zeitung, „entwickeln eine Wahrnehmungskunst, die neue Maßstäbe setzt in der Dichtung des 21. Jahrhunderts.“

Neuer Weg in der Literaturförderung
Mit dem Projekt „Literarischer Landgang“ gehen die Kulturstiftung der Öffentlichen Versicherungen Oldenburg und das Literaturbüro Oldenburg als Partner einen neuen Weg in der Literaturförderung, der einen deutlichen Akzent in der bundesweiten Literaturförderung setzt und zugleich Regionalität betont.