Judith Hermann war fünfte Stipendiatin

Erkundungstour mit Grafiker
2019 war Judith Hermann Stipendiatin des Literaturhauses. Vom 16. bis zum 23. September unternahm sie ihre Erkundungstour. Anders als die bisherigen Stipendiaten war sie schon vor ihrer Landgang-Reise mit Teilen des Oldenburger Landes vertraut. Ihr Ur-Urgroßvater war Leuchtturmwärter auf Wangerooge. Ihre Großmutter lebte in Horumersiel. Noch heute ist ihr Haus, das in der direkten Blickachse des Leuchtturms liegt, im Familienbesitz, und Judith Hermann hält sich die Hälfte des Jahres dort an der Küste auf. Auch wegen dieser viel zu großen Nähe zu Teilen der Region, die das Projekt bespielt, ließ sie sich bei der Landgang-Reise von dem Zeichner Andreas Reiberg begleiten. Durch den zweiten Blick, den anderen künstlerischen Zugriff, hoffte sie, zu den vertrauten Orten eine neue Beziehung herstellen zu können. Denn der Zeichner sollte nicht nur ihr Weggefährte sein, sondern wie sie künstlerisch auf die Reise reagieren. In seinem Medium. Die Bitte um Begleitung erwies sich als vorzügliche Idee: Der zweifache Blick, die doppelte Wahrnehmung und deren Überführung in Text und Zeichnung bereichern und erweitern den Text Judith Hermanns zu einem künstlerischen Dialog.

Reiselogbuch mit Zeichnungen

Ein graues Notizbuch und ein schwarzgebundenes Skizzenbuch waren die ständigen Begleiter Judith Hermanns und Andreas Reibergs. Er fertigte Zeichnungen an. Die Schriftstellerin machte sich Notizen. Solange sie unterwegs waren, gewährten sie einander keinen Einblick in die Bilder und Formulierungen. Erst in den Monaten nach der gemeinsamen Fahrt, als die Arbeit am Text abgeschlossen war, tauschten sie sich über ihre verschiedenen Zugriffe aus. Und stellten erstaunt und beglückt fest, wie oft sie unabhängig voneinander und doch in Übereinstimmung das Wahrgenommene festgehalten hatten; wie groß die Entsprechungen zwischen Text und Zeichnungen sind. Dennoch stehen sie gleichwertig nebeneinander und nehmen an keiner Stelle eine dienende oder illustrierende Funktion ein.

Lesereise der Kulturstiftung Öffentliche Oldenburg

Die ursprünglich für den Juni 2020 geplante Lesereise musste wegen des Corona-Virus verschoben werden. Judith Hermann war bereit, die Lesungen in der zweiten Jahreshälfte nachzuholen. Sie fanden im September und Oktober 2020 statt. Wegen der durch das Virus bedingten Auflagen konnten auf allen Stationen nur wenige Besucher an den Lesungen teilnehmen.

Partner des vierten Durchgangs

Die regionalen Partner des Literaturhauses bei der fünften Durchführung waren das Schlossmuseum Jever, der Verein LiteraturPlus Wesermarsch in Kooperation mit dem Kulturzentrum Seefelder Mühle, die Städtische Galerie Delmenhorst, der Bahnhofsverein Westerstede und das Museumsdorf Cloppenburg.

Judith Hermann

Judith Hermann wurde 1970 in Berlin geboren. Ihrem Debüt „Sommerhaus, später“ (1998) wurde eine außerordentliche Resonanz zuteil. Für ihr Werk wurde sie mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, darunter dem Kleist-Preis und dem Friedrich-Hölderlin-Preis.