Nachwendejahre

In seinem neuen Roman führt Lutz Seiler die Geschichte fort, die er mit „Kruso“ begann, dem Roman, der 2014 den Deutschen Buchpreis erhielt. Mit „Stern 111“ entwirft er ein Panorama der ersten Nachwendejahre in Ost und West. Und er erzählt die Geschichte einer Familie, die der Herbst 1989 sprengt und die nun versuchen muss, neu zueinander zu finden: Zwei Tage nach dem Fall der Mauer verlassen Inge und Walter Bischoff ihr altes Leben – die Wohnung, den Garten, ihre Arbeit und das Land. Ihre Reise führt die beiden Fünfzigjährigen weit hinaus. Über Notaufnahmelager und Durchgangswohnheime folgen sie einem lange gehegten Traum, von dem selbst ihr Sohn Carl nichts weiß. Carl wiederum, der den Auftrag verweigert, das elterliche Erbe zu übernehmen, flieht nach Berlin. Er lebt auf der Straße, bis er in den Kreis des „klugen Rudels“ aufgenommen wird, einer Gruppe junger Frauen und Männer, die dunkle Geschäfte, einen Guerillakampf um leerstehende Häuser und die Kellerkneipe Assel betreibt. Im U-Boot der Assel schlingert er durch das archaische Chaos der Nachwendezeit. Lutz Seiler liest aus dem Roman und spricht mit der Literaturwissenschaftlerin Silke Behl.

Lutz Seiler wurde 1963 in Gera/Thüringen geboren, heute lebt er in Wilhelmshorst bei Berlin und in Stockholm. Seit 1997 leitet er das Literaturprogramm im Peter-Huchel-Haus. Für sein Werk erhielt er mehrere Preise, darunter den Ingeborg-Bachmann-Preis, den Bremer Literaturpreis, den Uwe-Johnson-Preis und 2014 den Deutschen Buchpreis.