...dessen sich keiner bey Vermeidung Unser Ungnade zu verweigern..., Die Sozialstruktur in der Stadt und Hausvogtei Oldenburg nach der Steuererhebung von 1744

Thorsten Mack, 194 Seiten, 3 Karten, erschienen im Isensee Verlag Oldenburg 1995.

Macks Untersuchung wertet eine für die Sozialgeschichte äußerst ergiebige Quelle wissenschaftlich aus. Und zwar handelt es sich um die nahezu vollständig im Staatsarchiv und Stadtarchiv Oldenburg erhaltenen Unterlagen zur Erhebung einer Sondersteuer in den Jahren 1743/44. Diese Steuer wurde per Verordnung vom dänischen König erhoben, zu dessen Herrschaftsgebiet auch Stadt und Land Oldenburg gehörten. Die Verordnung bemüht sich durch sehr differenzierte Erhebungsrichtlinien um eine möglichst gerechte Verteilung der Steuerlasten. Dazu werden von den Steuerpflichtigen genaue Angaben über Beruf, Vermögen, Unterhalt, Besitz an Kutschen und Pferden, Anzahl der Bediensteten und anderem gefordert. Mack nutzt diese weitgehend erhaltenen Angeben, um die Sozialstruktur in Stadt und Hausvogtei (Umland) zu rekonstruieren. Er benutzt dabei quantitative Analysemethoden der historischen Finanzsoziologie. In einem ersten Schritt analysiert er Häufigkeit und Verteilung der Berufe in Stadt und Umland. Er ordnet dabei die Fälle der damals üblichen Berufe nach der sogenannten Hamburger Berufssystematik ein, deren einheitliche Anwendung einen aussagekräftigen Vergleich mit anderen Städten ermöglicht. Die Stadt Oldenburg erweist sich dabei in der Mitte des 18. Jahrhunderts als stark von Gewerbe und Handwerk geprägt, wobei der Dienstleistungssektor, zum Beispiel im Verwaltungsbereich, deutlich im Erstarken ist. Das Umland ist zwar noch agrarisch geprägt, doch es zeigt sich eine zunehmende Anpassung an die Bedürfnisse der Stadt. Allmählich beginnen die Gebiete zu einem wirtschaftlichen Gesamtgebiet zusammenzuwachsen. In einem zweiten Schritt wertet Mack die erhaltenen Angaben über die Höhe der zu entrichtenden Steuern aus und rekonstruiert damit die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der Bevölkerung von Stadt und Umland. Es ergeben sich dabei interessante Angaben über die soziale Schichtung, bei der Status, Beruf und Vermögen berücksichtigt werden. Sie unterscheidet sich in Stadt und Umland erheblich.

So ist zum Beispiel eine Oberschicht, die vor allem von Verwaltungsbeamten und wohlhabenden Kaufleuten gebildet wird, fast ausschließlich in der Stadt zu finden, während im Umland überwiegende Unter- und ein wenig Mittelschicht vertreten sind. Der Anteil der Unterschicht an der Bevölkerung ist im Umland doppelt so hoch wie in der Stadt.

Die Untersuchung knüpft an sozialgeschichtliche Studien für die Jahre 1630 und 1678 an und vervollständigt somit das Bild von der Zusammensetzung der Oldenburger Bevölkerung auf dem Wege zur bürgerlichen Gesellschaft. Zugleich werden Wandlungen in der Steuergesetzgebung durchsichtig, die 1744 bereits ein beachtliches Maß an sozial differenzierter Gerechtigkeit erreicht hat.