Wir müssen doch in die Zukunft sehen ... Die Entnazifizierung in der Stadt Oldenburg unter britischer Besatzungshoheit (1945-1947)

Olaf Reichert, 276 Seiten, 24 Abb., erschienen im Isensee Verlag Oldenburg 1998

Auch 50 Jahre nach Kriegsende ist die geschichtliche Aufarbeitung der Entnazifizierung nur ungenügend erfolgt. Insbesondere in den Regionen liegen zumeist keine aussagekräftigen Untersuchungen vor. Waren die Maßnahmen der britischen Besatzungsmacht erfolgreich? Welche Probleme gab es? Wie verhielt sich die Bevölkerung in der Stadt?

Der Autor Olaf Reichert analysiert erstmalig systematisch und auf EDV-Basis über 8.000 Entnazifizierungsfragebögen für den Bereich der Stadt Oldenburg. Dabei schildert er nicht nur die allgemeine politische Situation, Ablauf und Verfahren der Entnazifizierung mit der Einführung des Einspruchsrechts, sondern beleuchtet auch die Haltung des oldenburgischen Ministerpräsidenten Theodor Tantzen, die parteipolitischen Auseinandersetzungen in der Stadt Oldenburg und die Fragebogenfälschung. Ferner werden einzelne Berufsgruppen, Wirtschaftsbereiche sowie Bevölkerungsschichten, z. B. Flüchtlinge und Einheimische, untersucht. Das Ergebnis seiner Forschung erlaubt jetzt eine grundlegende Bewertung der Entnazifizierung in den ersten Nachkriegsjahren.

Der Text wird durch viele Abbildungen (mit Abdruck aller seinerzeit verwendeten Entnazifizierungsfragebögen) und Tabellen veranschaulicht. Desweiteren werden die wichtigsten Quellen zur Thematik im Anhang abgedruckt. Ein ausführliches Quellen- und Literaturverzeichnis sowie Abkürzungsverzeichnis und Personenindex bieten die Möglichkeit des gezielten Zugriffs auf gewünschte weitere Informationen.

Das vorliegende Werk schließt eine weitere Lücke in der Stadtgeschichtsforschung für die Zeit nach 1945. Es ist das erste, welches die Entnazifizierung in der Region Oldenburg umfassend aufarbeitet.