Zwangsarbeit und ihre gesellschaftliche Akzeptanz in Oldenburg (1939 bis 1945)

Katharina Hoffmann, 370 Seiten, 16 s/w Abb., erschienen im Isensee Verlag Oldenburg 2001

Die vorliegende Untersuchung rekonstruiert die Lebensverhältnisse von verschleppten und zwangsverpflichteten ausländischen Männern, Frauen, Kindern und Kriegsgefangenen in der Stadt Oldenburg.

Die ersten ausländischen Zivilarbeiter und Kriegsgefangenen kamen in größerer Zahl in die Stadt, als mit dem für die regionalen Militärstandorte wichtigen Bau einer Stadtumgehungsstraße begonnen wurde. Im Laufe der Kriegsjahre stieg ihre Zahl kontinuierlich an, sie blieben aber gemessen an der Gesamtzahl der Ortsfremden – Umquartierte aus anderen deutschen Städten, seit 1944 zunehmend nichtdeutsche und deutsche Evakuierte sowie Flüchtlinge aus den besetzten Gebieten – eine überschaubare Gruppe.

Gleichwohl bildete der Zwangseinsatz von Tausenden ausländischer Männer, Frauen und auch Kinder einen wichtigen Faktor für die Wirtschaft in der Stadt. Stadtverwaltung, Industrie und Gewerbe, Bauernhöfe und Privathaushalte waren auf die Arbeit der Kriegsgefangenen und ausländischen Zivilarbeiter angewiesen. Zahlreiche Lager, darunter auch ein großes Durchgangslager des Oldenburger Arbeitsamtes, wurden im Stadtgebiet mit Unterstützung der kommunalen Behörden errichtet. Die sozialen Kontrollmechanismen für Ausländer, aber auch Deutsche, funktionierten in der beinah unzerstörten Stadt bis Kriegsende.

Nach der Befreiung blieb das Verhältnis der deutschen Bevölkerung vor allem zu den osteuropäischen Displaced Persons, die auch aus der Umgebung in den vorhandenen Lagern gesammelt wurden, angespannt. Displaced Persons war die Bezeichnung der Alliierten für die in Deutschland anwesenden ausländischen Arbeitskräfte, Häftlinge und Flüchtlinge.

Die Studie konzentriert sich darauf, wie zentrale Vorgaben der nationalsozialistischen Führung zum Arbeitseinsatz der ausländischen Zivilarbeiter und Kriegsgefangenen vor Ort umgesetzt beziehungsweise inwieweit bestehende Handlungsspielräume auf den mittleren und unteren, den ausführenden, Ebenen genutzt wurden. Hierbei richtet sich der Blick nicht nur auf die hauptsächlich klein- und mittelständisch geprägte Wirtschaft der Garnisons- und Verwaltungsstadt Oldenburg oder die Aktivitäten kommunaler Behörden, sondern es werden überregionale Quellen hinzugezogen und ausgewertet. Darüber hinaus werden die vielschichtigen Alltagswirklichkeiten des Ausländereinsatzes sowie Einzelschicksale von Zwangsarbeitern und auch Oldenburgern nachgezeichnet.

Die Autorin Katharina Hoffmann setzt sich in einer sachlichnüchternen Art mit diesem nach 50 Jahren immer noch schwierigen Kapitel der deutschen Geschichte auseinander, versucht aufzuklären und das Geschehene zu beschreiben.

Diverse Tabellen, darunter eine umfangreiche Aufstellung aller Lager in der Stadt Oldenburg, ein Personen- und Firmenindex sowie ein Abkürzungs-, Quellen- und Literaturverzeichnis runden diese Publikation ab.

Weitere Veröffentlichungen sind geplant.