Nutzungs- und Betriebskonzept Stadion-Neubau

Sportbusiness-Beratungsfirmen zeigen Potenziale in einem Nutzungs- und Betriebskonzept auf

Was außer Fußball in einem neuen Stadion alles möglich wäre

Fußball spielt im Nutzungs- und Betriebskonzept für einen möglichen Stadion-Neubau an der Maastrichter Straße die Hauptrolle: Die Fachleute der Hamburger Beratungsgesellschaft C/SIGHT, die das Konzept in Kooperation mit dem Planungs- und Beratungsunternehmen Drees & Sommer im Auftrag der Stadionplanungsgesellschaft Oldenburg erarbeitet haben, stellen ohne Umschweife fest: „Im Kern soll das neue Stadion als wettbewerbsfähige und verbandskonforme Fußballspielstätte fungieren.“

Oberbürgermeister Jürgen Krogmann stellte das Nutzungs- und Betriebskonzept » (PDF, 4,5 MB) zusammen mit Finanzdezernentin Dr. Julia Figura und dem Geschäftsführer der Stadionplanungsgesellschaft, Joachim Guttek, am Montag, 4. Dezember 2023, vor. „Der Fokus liegt auf einer Fußballspielstätte, die den heutigen Anforderungen an Modernität, Komfort, Sicherheit und verkehrlicher Infrastruktur entspricht“, betonte Krogmann. Allerdings sei zur Generierung eines wirtschaftlichen Erfolgs die Optimierung der Stadionauslastung von elementarer Bedeutung. „Wir brauchen also mehr als die klassische 14-tägige Nutzung für Heimspiele“, so Krogmann. Entsprechende Nutzungsmöglichkeiten – garniert mit Auslastungsprognose und Wirtschaftlichkeitsanalyse – zeigen die Sportbusiness-Berater in ihrem Konzept auf. Ihrer Kalkulation zufolge könnten, bei einer Stadionkapazität von 7.500 Plätzen, Einnahmen in Höhe von knapp 1,1 Millionen Euro erwirtschaftet werden.

Fußball, Football und mehr

Für die „Primärnutzung“ durch den VfB Oldenburg zur Ausrichtung von Ligaspielen setzen die Berater in ihrem Konzept 17 bis 20 Veranstaltungstage pro Jahr an. Die Nutzung des Stadions durch lokale Vereine, zum Beispiel für Spitzen- oder Pokalspiele, wird auf zwei Veranstaltungen pro Jahr taxiert, hinzu kommt die Ausrichtung von Jugendländerspielen des DFB, die in der Auslastungsprognose mit einem Termin (alle zwei Jahre) berücksichtigt sind. Aus Sicht der Fachleute können auch weitere Sportarten zum Zuge kommen, so zum Beispiel die American Footballer der „Oldenburg Knights“.

Neben dem Sport eignet sich ein Stadion-Neubau auch für Konzert- und Entertainmentveranstaltungen im Innenraum, die in der Fußballsommerpause stattfinden könnten. Die Business-Berater gehen von zwei Veranstaltungen pro Jahr aus. Ebenfalls mit zwei Terminen pro Jahr sind Großveranstaltungen angesetzt, die von der Stadt Oldenburg mit primär sozialem und kulturellem Nutzen ausgerichtet werden könnten. Im Konzept werden beispielhaft Gesundheitstage oder Zieleinläufe von Laufveranstaltungen genannt.

Logen und Business-Club bieten Potenzial für Konferenzen und Events

Eine wichtige Einnahmequelle kann laut Konzept die Nutzung der so genannten Hospitality-Flächen darstellen. Dazu gehören Logen und Business-Club, die sich außerhalb der Spieltage für MICE-Veranstaltungen eignen. MICE (Meetings, Incentives, Conventions, Exhibitions) ist ein Akronym aus dem Englischen, das für Meetings, besondere Events, Kongresse und Ausstellungen steht. Mit 100 Nutzungstagen wird gerechnet.

Medizinisches Zentrum

Untergebracht werden könnte in den Funktionsräumen des Stadions zudem ein sportmedizinisches Zentrum, das auch gesundheitliche Dienstleistungen für die breite Öffentlichkeit anbieten könnte. Etwa 250 Nutzungstage sind in das Konzept eingeflossen. Integriert werden könnten darüber hinaus Geschäftsstelle und Fanshop des VfB Oldenburg – etwa 200 bis 250 Nutzungstage sind hierfür veranschlagt.

Synergien mit den Weser-Ems-Hallen

Immer nutzbar – nämlich an 365 Tagen im Jahr – wären die kostenpflichtigen Parkflächen, die sowohl an und außerhalb von Spieltagen zur Verfügung stehen und das Parkplatzangebot der Weser-Ems-Hallen ergänzen würden. Für die Beratungsfirmen ist es wichtig, dass die sekundären Nutzungen Synergien zum Angebot der Weser-Ems-Hallen liefern, in deren Nutzungskonzept integrierbar sind oder dieses ergänzen.

Wirtschaftlichkeitsanalyse und Betreibermodell

Aus der Wirtschaftlichkeitsanalyse geht hervor, dass bei einem Stadion mit 10.000 Plätzen jährliche Einnahmen in Höhe von rund 1,2 Millionen Euro generiert werden können, bei einer Kapazität von 7.500 Plätzen wären es knapp 1,1 Millionen Euro. „Die Kalkulationen und Annahmen basieren auf aktuellen Benchmarks und umfassenden Marktdaten aus der Sport- und Veranstaltungsbranche“, heißt es dazu in dem Konzept. Als Betreibermodell empfehlen die Businessberater, die bestehende Stadionplanungsgesellschaft in eine Stadionrealisierungs- und -betriebsgesellschaft umzuwandeln. Noch nicht berücksichtigt in den jährlichen Deckungsbeiträgen sind die möglichen Erlöse aus der Vermarktung von Namensrechten.

Wie kam der Ball ins Rollen?

Die Entscheidung, die konkrete Planung für den Bau einer Profifußball-tauglichen Spielstätte an der Maastrichter Straße aufzunehmen, hatte der Rat der Stadt Oldenburg mehrheitlich am 27. Februar 2023 getroffen. Im städtischen Marschwegstadion können auch trotz umfangreicher Ertüchtigungsmaßnahmen Nutzungseinschränkungen bei Anstoßzeiten und gravierende infrastrukturelle Nachteile nicht ausgeglichen werden.

Wie geht es weiter?

Das endgültige Ratsvotum über einen Stadion-Neubau steht noch aus und wird, wenn belastbare Ergebnisse sämtlicher Fachgutachten und Untersuchungen vorliegen, für Frühjahr 2024 angestrebt. Angepeilt wird dafür die Ratssitzung am 15. April 2024. In Arbeit sind derzeit ein Verkehrsgutachten, ein Parkraummanagementkonzept für das Quartier, ein Mobilitätskonzept und ein schalltechnisches Gutachten. Daraus hinaus wird auch die Funktionalplanung als Grundlage der Investitionskosten- und Wirtschaftlichkeitsberechnungen vertieft.

Zuletzt geändert am 7. Dezember 2023