Stadt ist Träger

Neues Fanprojekt: Doppelpass zwischen Sozialarbeit und Fußball

Anpfiff für das neue Fanprojekt Oldenburg: Greta Prätsch (23) und Nils Wach (27) spielen ab August 2019 den Doppelpass zwischen Sozialarbeit und Fußball. Die beiden hauptamtlichen Kräfte kümmern sich künftig um Fanszene und Fankultur außerhalb und innerhalb des Stadions. Eine wichtige Mitspielerin haben sie in der Stadt Oldenburg gefunden, die als Träger fungiert. Das Fanprojekt ist unter dem Dach des Amtes für Jugend und Familie beim Fachdienst Jugend und Gemeinwesenarbeit angesiedelt.

Begeisterung, Zusammenhalt und Emotionen
„Sport und Fußball genießen in Oldenburg einen hohen Stellenwert. Wir möchten dazu beitragen, dass die Begeisterung dafür in geordneten Bahnen verläuft“, betont Sozialdezernentin Dagmar Sachse. „Fußball schafft Zusammenhalt und weckt Emotionen. Doch wo viele Emotionen im Spiel sind, kann es auch Probleme geben. Das Fanprojekt soll präventiv Gewalt und Diskriminierung entgegenwirken und die positiven Elemente der Fan- und Ultrakultur fördern“, ergänzt Jugendamtsleiter Dr. Frank Lammerding.

Förderung von Stadt, Land und Fußball-Bund
Das Fanprojekt wird von der Stadt Oldenburg mit 30.000 Euro und vom Land Niedersachsen mit insgesamt 50.000 Euro gefördert. Den Landesanteil teilen sich das Ministerium für Inneres und Sport (35.000 Euro) und das Ministerium für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung (15.000 Euro). Der Deutsche Fußball-Bund trägt rund 80.000 Euro zur Finanzierung bei. „Das Projekt wird sich an den Strukturen der aufsuchenden Jugendsozialarbeit orientieren“, informiert Stadtjugendpfleger Christian Fritsch. „Alle an der Vorbereitung beteiligten Akteure haben sich für eine Trägerschaft der Stadt ausgesprochen, um eine größtmögliche Neutralität und Unabhängigkeit zu gewährleisten“, so Fritsch.

Über die Entstehung des Fanprojekts
Ulrike Heinrichs, stellvertretende Vorsitzende des Präventionsrates Oldenburg, sagt: „Die Initiative für das Fan-Projekt hat sich aus dem Runden Tisch Fußball entwickelt, den der Präventionsrat moderiert. Wir begrüßen es sehr, dass die Stadt die Trägerschaft dafür übernommen hat und dem Präventionsansatz damit den geeigneten Rahmen gibt.“

Die Stadtverwaltung hatte gemeinsam mit dem Präventionsrat, der Oldenburger Fan-Initiative, dem Fanbeauftragten des VfB Oldenburg sowie der bei der Deutschen Sportjugend angesiedelten und ligaübergreifend agierenden Koordinationsstelle Fanprojekte (KOS) ein Rahmenkonzept erarbeitet. „Fanprojekte sind ein wichtiges Bindeglied zwischen Fans, Vereinen und anderen Netzwerkpartnern wie Ordnungsdiensten, Fan- und Sicherheitsbeauftragten und Polizei. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Fanprojekte arbeiten täglich mit der aktiven Fanszene und können Problemlagen sehr gut einschätzen und frühzeitig präventiv Einfluss nehmen. Somit reicht die Wirkung der sozialpädagogischen Arbeit mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen weit über den Fußball hinaus. Sich in der Fanarbeit zu engagieren, lohnt sich allemal“, erläutert Gerd Wagner, Referent der Koordinationsstelle Fanprojekte.

Fußballbegeisterte Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter im Boot
Greta Prätsch hat ihre Arbeit am 1. Mai 2019 aufgenommen, Nils Wach folgte am 1. Juni – für die fußballbegeisterte Sozialarbeiterin und den fußballbegeisterten Sozialarbeiter bedeutet die neue Aufgabe ein Stück weit die Möglichkeit, ihr Hobby mit dem Beruf zu verbinden. Das Fanprojekt ist vereinsunabhängig und wendet sich an alle fußballaffinen jungen Menschen in der Stadt. Einen besonderen Schwerpunkt legt das Duo auf die Arbeit mit der Fanszene des VfB Oldenburg und auf eine enge Zusammenarbeit mit dem VfB-Fanbeauftragten Raimund Kropp. Denn auch in der Regionalliga gehört der frühere Zweitligist nach wie vor zu den Publikumsmagneten. In der vergangenen Saison verzeichnete der Klub bei seinen Heimspielen den zweitgrößten Zuschauerzuspruch – und auch auswärts werden die Blau-Weißen von vielen Anhängerinnen und Anhängern begleitet.  

Einblick in Fan- und Ultraszene
„Wir sind dabei, einen Einblick in die Fan- und Ultraszene zu gewinnen“, sagt Greta Prätsch, „dadurch wollen wir das Fundament für eine gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit legen.“ Nils Wach ergänzt: „Wir werden die Fans bei den Heim- und Auswärtsspielen begleiten und dabei immer ein offenes Ohr für ihre Anliegen haben.“ Bis zum Ende des Jahres wollen beide ein umfangreiches Netzwerk geknüpft haben. Erste Gespräche mit Einrichtungen der Jugendhilfe, unter andrem mit den Jugendfreizeitstätten, dem Präventionsrat und dem Verein für Konfliktschlichtung, aber auch mit weiteren Fanprojekten in der Region und im Norden wurden bereits geführt.  

Freizeitraum für Fans
In den nächsten Monaten wollen die Sozialarbeiterin und der Sozialarbeiter auch die Räumlichkeiten im Haus der Jugend in der Von-Finckh-Straße 1 fertig einrichten. Dort wird es einen Freizeitraum für Fans geben. „Diese Räumlichkeiten möchten wir gerne in Zukunft für verschiedene Angebote und Aktionen mit den Fans nutzen. Wir haben dafür bereits erste Ideen, sind aber auch für Vorschläge von den Fans zu haben“, kündigt Nils Wach an. „Ebenso werden wir Beratungen in Form von Einzelfallhilfen anbieten, bei denen es auch um persönliche Themen und Anliegen gehen kann“, ergänzt Greta Prätsch. Bis Ende des Jahres soll zudem ein Beirat initiiert werden, um alle am Fanprojekt Beteiligten an einen Tisch zu bringen. Fußball lebt vom Teamgeist – auch außerhalb des Rasens.

Zu den Personen

Nils Wach (27) ist in Oldenburg geboren und aufgewachsen. Er hat Pädagogik an der Carl von Ossietzky-Universität studiert. In seiner Bachelorarbeit hat er sich mit dem Thema Fußball und Sozialarbeit befasst. In den vergangenen Jahren hat er in der stationären Jugendhilfe sowie ein Jahr als Internatsleiter bei Eintracht Braunschweig gearbeitet. In seiner Freizeit spielt er selber aktiv beim FC Ohmstede Fußball. Als Kind hat er sein erstes Fußballspiel in einem Stadion mit seinem Vater beim VfB Oldenburg erlebt.

Greta Prätsch (23) ist ebenfalls gebürtige Oldenburgerin. Von ihrem Vater hat sie Geschichten über das alte Donnerschwee-Stadion, die „Hölle des Nordens“, gehört. Dem VfB und der Stadt, in die sie fürs Sonderpädagogik-Studium zurückgekehrt ist, hat sie sich stets verbunden gefühlt. Im Studium spezialisierte sie sich auf die emotionale/soziale und psychische Entwicklung von Kindern und Jugendlichen. Vor und während des Studiums hat sie im Bereich der (Jugend-)Sozialarbeit über Nebenjobs und Praktika Erfahrungen gesammelt. Außerdem spielte Greta Prätsch zehn Jahre im Verein und DFB-Fördermaßnahmen Fußball. Aktuell kickt sie in der „Bunten Liga“.

Das Fanprojekt ist erreichbar per E-Mail an fanprojekt(at)stadt-oldenburg.de und unter den Telefonnummern 0441 235-4135 oder -4134 sowie mobil unter 0170 1438654 (Nils Wach) und 0171 5560542 (Greta Prätsch).