Oberbürgermeister: „Klimaschutz ist uns lieb – wird aber auch teuer werden“

Klimagerechte Sanierung städtischer Gebäude: Gutachten liegt vor

Was kostet es die Stadt, ihre eigenen Gebäude klimaneutral umzubauen? Dieser Frage ist das Fraunhofer-Institut für Bauphysik in Stuttgart nachgegangen. Es hat im Auftrag des Eigenbetriebes für Gebäudewirtschaft und Hochbau (EGH) der Stadt Oldenburg eine Szenarienbewertung für die energetische Sanierung der städtischen Liegenschaften durchgeführt, deren Ergebnisse seit Anfang März 2022 vorliegen. Der Rat hatte im Jahr 2021 beschlossen, dass Oldenburg bis zum Jahr 2035 klimaneutral werden soll und das Ziel formuliert, möglichst alle städtischen Gebäude entsprechend umzubauen.

In dem Gutachten des Fraunhofer-Instituts » (PDF, 9,5 MB) werden drei unterschiedliche Wege hin zur Klimaneutralität des stadteigenen Gebäudebestands untersucht und beschrieben. Insbesondere wurde ermittelt, welcher Endenergiebedarf und welche Treibhausgasemissionen nach den energetischen Sanierungen verbleiben, welche Investitionskosten dabei entstehen und welche verbleibenden Energiekosten dem gegenüberstehen. Die drei Szenarien unterscheiden sich dabei vorrangig bei der Sanierungsrate (Erreichen des Ziels bis 2030, 2035 und 2045).

„Zusammenfassend lässt sich sagen: Klimaschutz ist uns als Stadt lieb – wird aber auch teuer werden“, resümiert Oberbürgermeister Jürgen Krogmann. „Mit der Umsetzung des Anspruchs, städtische Gebäude klimagerecht zu sanieren, sind immense Kosten verbunden. Das muss allen bewusst sein.“ Es müsse genau geprüft werden, ob und welches der aufgezeigten Szenarien für die Stadt leistbar sei.

Die drei Szenarien im Überblick

Im Szenario 1 mit dem Zieljahr 2030 für die Klimaneutralität ergibt sich eine Sanierungsrate von etwa elf Prozent der Gebäude pro Jahr (entspricht 31 komplett zu sanierenden Gebäuden pro Jahr). Die ermittelten energiebedingten Investitions- und Planungskosten betragen 43,1 Millionen Euro pro Jahr.

Im Szenario 2 mit dem Zieljahr 2035 für die Klimaneutralität beträgt die Sanierungsrate etwa sieben Prozent der Gebäude pro Jahr (entspricht 20 komplett zu sanierenden Gebäuden pro Jahr). Die ermittelten energiebedingten Investitions- und Planungskosten betragen 27,8 Millionen Euro pro Jahr.

Im Szenario 3 mit dem Zieljahr 2045 für die Klimaneutralität beträgt die Sanierungsrate immer noch rund vier Prozent der Gebäude pro Jahr (entspricht 13 komplett zu sanierenden Gebäuden pro Jahr). In den Jahren 2036 bis 2045 erfolgt zusätzlich die Sanierung der Gebäude mit Baujahr 2011 bis 2017, die bei den Szenarien 1 und 2 nicht als zu sanieren berücksichtigt sind. Die ermittelten energiebedingten Investitions- und Planungskosten betragen etwa 17,5 Millionen Euro pro Jahr.

Zum Vergleich: Die bundesweite Sanierungsrate liegt bei etwa ein bis zwei Prozent. Hierbei sind jedoch auch kleinere Einzelmaßnahmen wie der Austausch von Fenstern oder des Heizkessels enthalten. Die Stadt hingegen wird ihre eigenen Gebäude allumfassend sanieren müssen, um diese zu Effizienzgebäuden zu machen. Die im jeweiligen Szenario verbleibenden Treibhausgasemissionen sollen durch das Erzeugen von Strom über PV-Module ausgeglichen werden und so der Betrieb der städtischen Gebäude in einer Jahresbilanz klimaneutral gestellt werden.

Zu den Kostenschätzungen

Mögliche Fördermittel für die sanierten Gebäude aufgrund des immer angestrebten Standards der Bundesförderung Effiziente Gebäude „EG-40-EE“ sind in den Berechnungen nicht berücksichtigt. In der Studie wurde mit Kosten aus dem Basisjahr 2021 gerechnet. Diese sind nicht auf die Folgejahre indexiert worden, da sich die Kostenentwicklung derzeit unmöglich prognostizieren lässt. Bereits die für das Szenario 2 (Klimaneutralität 2035) benötigten Sanierungsmittel reichen nahezu an 30 Millionen Euro pro Jahr heran.

Stadtbaurat Dr. Sven Uhrhan sieht in diesem Zusammenhang enorme Herausforderungen auf die Stadt zukommen: „Wenn wir die angestrebten Ziele erreichen wollen, müssen einige Räder ineinandergreifen. Es gilt, die notwendigen Finanzmittel zur Verfügung zu stellen, die personellen Ressourcen im Eigenbetrieb Gebäudewirtschaft und Hochbau zu schaffen und externe Planer sowie Handwerksbetriebe mit entsprechenden Kapazitäten zu finden. Letztendlich müssen auch die notwendigen Materialien zur Verfügung stehen.“