Gleichstellungsplan 2021 bis 2023

Stadt stellt neuen Gleichstellungsplan vor – Ziel sind mehr Frauen in Führungspositionen

Die Gleichstellung von Männern und Frauen ist erklärtes Ziel der Stadt Oldenburg, auf dem Weg dorthin werden auch beharrlich Fortschritte gemacht, erreicht ist es hingegen noch nicht. Das geht aus dem aktuellen Gleichstellungsplan hervor. Das Niedersächsische Gleichberechtigungsgesetz fordert  alle drei Jahre einen solchen Plan, der analysiert, in welchen Bereichen Frauen oder Männer in der Verwaltung über- oder unterrepräsentiert sind und erwartet konkrete Maßnahmen, wie die gefundenen Schieflagen ausgeglichen werden können. Außerdem geht es darum, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu verbessern – das bedeutet nicht nur mehr Möglichkeiten für Frauen im Beruf, sondern auch mehr Möglichkeiten für Männer in der Familienarbeit. „Die Stadtverwaltung entwickelt ihre bereits vielfältigen Angebote und Maßnahmen insbesondere im Bereich der Vereinbarkeit von Beruf und Familie beständig weiter, um als Arbeitgeberin noch attraktiver zu werden“, so Oberbürgermeister Jürgen Krogmann. „Unser Ziel muss es sein, dass mehr Männer von den Möglichkeiten der Elternzeit und Teilzeitberufstätigkeit Gebrauch machen und mehr weibliche Kompetenz in die Führungsetagen einzieht.“

Über- und Unterrepräsentanzen in der Stadtverwaltung

Die Über- und Unterrepräsentanzen lassen sich grob in drei Ebenen einteilen. In den eher gewerblich-technischen Berufen gibt es eine stereotype Geschlechterverteilung. Überwiegend männliche Hausmeister, Müllwerker, Feuerwehrleute stehen den überwiegend weiblichen Reinigungskräften gegenüber. Auch in den sozialen Berufen findet sich dieses Ungleichgewicht der Geschlechter wieder, zum Beispiel ist die überwiegende Mehrheit der der Beschäftigten in den Kindertagesstätten weiblich. Der Verwaltungsbereich ist dagegen recht ausgeglichen – mit hier und da einigen Ausreißern wie die klassisch weiblichen Sekretärinnen. „Diese Verteilung der Geschlechter stammt noch aus einer Zeit, in der es für Frauen unschicklich war, sich bei der Arbeit zu beschmutzen und Männer sich der Lächerlichkeit preisgaben, wenn sie einen zuarbeitenden oder sozialen Job machten“, weiß Wiebke Oncken, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt. „Solche Zuschreibungen sollten wir 2021 wirklich hinter uns gelassen haben. Das Ziel muss sein, dass jede Person unabhängig vom Geschlecht auf der richtigen Stelle wirkt und alle gleichermaßen Wertschätzung und Unterstützung erfahren.“ Deshalb wurde mit den einzelnen Bereichen eng zusammengearbeitet und nach individuellen Ideen gesucht, wie das jeweils unterrepräsentierte Geschlecht besser gewonnen und gehalten werden kann. So ist zum Beispiel eine Überlegung, einen eigenen Fraueninformationstag beim Abfallwirtschaftsbetrieb einzurichten und verstärkt Praktika im Kindergartenbereich explizit Jungen anzubieten.

Führungsetagen bleiben nach wie vor deutlich männlich dominiert

In Sachen Führungspositionen bleibt die Verteilung der Geschlechter aktuell auf dem Niveau von etwa Zweidritteln zu einem Drittel zugunsten der Männer. Die Stadt entwickelt beständig neue Maßnahmen, um diesem Umstand zu begegnen. Zuletzt wurde in Kooperation mit einer Projektgruppe der Universität eine Umfrage unter den weiblichen Beschäftigten durchgeführt, um Gründe und Wege zu erörtern. Die Ergebnisse sind maßgeblich mit in den neuen Gleichstellungsplan eingeflossen. Dennoch spielen auch hier gesellschaftliche Denkmuster eine Rolle: „Sehr viele Frauen gehen dem gehobenen Arbeitsmarkt mit der Familienphase verloren, auch weil Führung meist mit Vollzeit und dazu Überstunden assoziiert ist“, erläutert Wiebke Oncken. „Das ist auch deshalb bedauerlich, weil sehr viel gesellschaftliches Potential verloren geht. Frauen studieren häufiger und schließen im Durchschnitt besser ab als ihre männlichen Kommilitonen – und dann stellen sie den Berufsweg für die Kinder hinten an, während die Männer sich nach wie vor als Familienernährer sehen oder die gesellschaftlichen Erwartungen so interpretieren.“

Familienfreundlichkeit

Die ungleiche Verteilung der Elternaufgaben liest sich auch in der Dauer der Elternzeit ab. Mehr als die Hälfte der Frauen ging im Zeitraum des alten Gleichstellungsplans für einen Zeitraum zwischen 13 und 36 Monaten in Elternzeit. Mehr als die Hälfte der Männer nahm lediglich einen Monat Zeit für den Nachwuchs und die Familie. Dabei punktet die Stadt schon lange als familienfreundliche Arbeitgeberin. Arbeitszeit und -ort können je nach Aufgabengebiet ganz flexibel gestaltet werden, längere Auszeiten durch Gehaltsumwandlung in Freizeit oder Sabbaticals ermöglicht werden, die Stadt unterstützt pflegende Angehörige, hält den Kontakt zu Eltern in Elternzeit und bietet sportlichen Ausgleich für die ganz individuelle Zeit für sich selbst.

Gleichstellungsplan 2021 bis 2023 » (PDF, 16,2 MB, barrierefrei)