Jubiläum

30 Jahre Arbeitskreis Mädchen*arbeit in Oldenburg

Als der Arbeitskreis Mädchen*arbeit vor 30 Jahren auf Initiative des damaligen Frauenbüros ins Leben gerufen wurde, verstand man Mädchenarbeit als „kleine Schwester“ zur politischen und emanzipatorischen Frauenarbeit. Die Offene Kinder- und Jugendarbeit der Jugendfreizeitstätten, des pädagogisch geführten Abenteuerspielplatzes und anderen Einrichtungen und Projekten der Kinder- und Jugendhilfe war geprägt von der Aussage: „Jugendarbeit ist Jungenarbeit.“ Mädchen waren schlicht unterrepräsentiert machten nur wenig Prozent des Besucher_Innenanteils aus. Was also war zu tun, um die, vom Kinder- und Jugendhilfeplan geforderte, gleichberechtigte Anzahl von Mädchen und Jungen in den Einrichtungen zu etablieren? Wie sollte man die Sichtbarkeit, das Empowerment der Mädchen in der Gesellschaft, im öffentlichen Raum und den Einrichtungen stärken? Die Häuser standen ihnen offen, doch das Angebot und die Atmosphäre entsprachen nur wenig den Lebenswelten und Bedürfnissen von Mädchen.

Der Arbeitskreis entsteht
Bereits Ende der Achtziger Jahre machten sich deshalb Pädagoginnen aus Oldenburger Einrichtungen auf den Weg, diesem Umstand zu begegnen und geschlechtsspezifische Angebote zu entwickeln. Mädchen sollten auch in der offenen Kinder- und Jugendarbeit explizit berücksichtigt, sichtbar gemacht und als eigene Persönlichkeiten mit ihren Stärken wahrgenommen und gefördert werden.

Annette Fischer, damalige Frauenbeauftragte der Stadt Oldenburg vernetzte diese Frauen und initiierte 1989 den Arbeitskreis Mädchenarbeit. Vertreterinnen der städtischen Einrichtungen, aber auch anderer Träger treffen sich seitdem regelmäßig, tauschen sich aus und planen Angebote für das gemeinsame Ziel. Bis heute obliegt die Leitung und Organisation dem Gleichstellungsbüro.

Es war ein beständiger Kampf
Die ersten Jahre der Mädchenarbeit gestalteten sich schwierig. Obwohl den Mädchen von damals die parteiliche Unterstützung der engagierten weiblichen Fachkräfte ohne Wenn und Aber gewiss war, gab es viele Hürden zu überwinden und reichlichem Gegenwind standzuhalten. Befragt man die Pädagoginnen der ersten Jahre des Arbeitskreises, so hört man das Zitat „es war ein beständiger Kampf“ nicht selten. Ein Kampf um Raum, um Gelder, um zugesicherte Zeiten und um ein Ernstgenommen werden. Denn die Ansicht einer Notwendigkeit von Mädchenarbeit teilten damals längst nicht alle.

Gemeinsam ein Fundament emanzipatorischer Arbeit
Doch in den letzten 30 Jahren ist viel passiert. Das gesponnene Netzwerk unter den Pädagoginnen ist fest und tragfähig. Viele der Teilnehmerinnen sind schon seit Jahren oder gar von Beginn an dabei. Jahrzehntelanges Engagieren für die Gleichberechtigung der Mädchen hat sich gelohnt.

Seit 30 Jahren sieht der Arbeitskreis Mädchen*arbeit es als seine Aufgabe, auf Belange und Bedarfe von Mädchen in der Stadt Oldenburg hinzuweisen und eigene Räume für sie zu schaffen. Denn davon gibt es noch immer zu wenige, betonen die engagierten Pädagoginnen.

Der Arbeitskreis plant Veranstaltungen, diskutiert gesellschaftliche Veränderungen, hinterfragt, begleitet und dreht unermüdlich im Hamsterrad rund um Schönheitsnormen und Rollenvorstellungen. Gesellschaftliche Veränderungen brauchen Beharrlichkeit.

Noch viel zu tun
Aber auch aktuelle Themen beschäftigen die Pädagoginnen: Insbesondere die Digitalisierung und damit einhergehend die Auswirkungen und der Umgang mit sozialen Medien spielen derzeit eine große Rolle. Eine ebenso neue Herausforderung ist die Arbeit mit geflüchteten Mädchen und deren Erfahrung mit Rassismus und Diskriminierung aufgrund ihres Geschlechts, sowie die Öffnung für den Gedanken der Vielfalt der Geschlechter. Die Themen sind so vielfältig wie eben Mädchensein vielfältig ist.

Wer macht mit
Vertreterinnen im Arbeitskreis kommen derzeit aus folgenden Einrichtungen:

Gleichstellungsbüro der Stadt Oldenburg »
Freizeitstätten Bürgerfelde »
Freizeitstätte Kreyenbrück »
Freizeitstätte Osternburg »
Freizeitstätte Ofenerdiek »
Abenteuer- und Bauspielplatz »
Gemeinwesenarbeit Bloherfelde »
Mädchentreff »
Offene Tür Bloherfelde »
Villa Wieselweg »
Freizeit- und Begegnungsstätte Frisbee »
KiekIn »