Der richtige Standpunkt - Gegen Gewalt

Die Aktion „Der richtige Standpunkt - Gegen Gewalt“ wurde 2015 vom "Arbeitskreis häusliche Gewalt im Präventionsrat" gestartet. Jedes Jahr werden Standpunkte aus unterschiedlichen Lebens- oder Wirkungsbereichen gesammelt und als gemeinsames Statement veröffentlicht.

Standpunkte aus der Arbeit mit Frauen mit Beeinträchtigung

Bettina Unruh, Geschäftsführerin der Baumhaus Gesellschaften

Jede dritte bis vierte Frau mit Behinderung hat sexualisierte Gewalt erlebt. Neben dieser personalen Gewalt gibt es viele Formen der Diskriminierung und strukturelle Gewalt gegenüber Frauen mit Behinderung.

Selbstbestimmung, Teilhabe, Bildung, bessere Arbeits- und Wohnmöglichkeiten, hingucken und ernstnehmen - das sind unsere Aufgaben, um Frauen mit Behinderung zu unterstützen.

Eka Oehne, Vorstandsmitglied des SeGOld e.V.

Angesichts der bekannten Zahlen von täglichen Todesfällen, Körperverletzungen und psychischen Folgen durch sexualisierte oder physische Gewalt an Frauen, auch in Deutschland, sollte dieses Thema nicht nur am 25. November präsent sein, sondern an jedem Tag und zu jeder Zeit! Wenn jede dritte Frau in Deutschland und sogar jede zweite mit einer Behinderung davon betroffen ist begegnet jede(r) Bundesbürger*in in seinem/ihrem näheren Umfeld diesen Frauen. Wir kennen sie oder sind sogar selbst betroffen.

Wir alle tragen die Verantwortung zur Beendigung dieser Gewalt. Ich fordere dazu auf, diesen Frauen eine Stimme zu geben und uns mit ihnen zu solidarisieren.

Es ist an der Zeit diese Gewaltdelikte endlich zu benennen und entsprechend unter Strafe zu stellen – ohne Ausnahme!

Bereits zur Aktion "One Billion Rising" am 14. Februar 2018 hielt Eka Oehne ein Grußwort zum Thema Gewalt gegen Frauen mit Beeinträchtigung » (PDF, 78 KB)

Heinz-Hermann Buse, Kreisgeschäftsführer des Diakonischen Werks Oldenburg Stadt

Gewalt gegen Frauen ist ein Mittel von Männern zur Ausübung von Macht und Unterdrückung von Frauen. Gewalt gegen Frauen ist ein Skandal, sie ist nicht hinzunehmen und durch nichts zu legitimieren. Jede Form von Gewalt ist zu verurteilen - auch Hetze, Beleidigung, Bedrohung und Einschüchterung. Gewalt gegen Frauen muss enttabuisiert werden auf allen gesellschaftlichen Ebenen durch:

  • Hinschauen - nicht Wegsehen, nicht bagatellisieren!
  • entschiedenes parteiliches Einschreiten gegen Gewalt an Frauen im sozialen Nahbereich (Familie, Freunde, Nachbarschaft, Arbeitsplatz)
  • stringente strafrechtliche Verfolgung der Täter
  • Aufklärung und Information aller sozialer Schichten und Kulturen
  • Kampagnen in sozialen Medien sowie Fernsehen und Radio

Sebastian Vatterodt, Paritätischer Wohlfahrtsverband Niedersachsen e. V., Geschäftsführung des Kreisverbandes Oldenburg-Ammerland

Die gesellschaftliche Dimension und das Fortdauern sexualisierter Gewalt insbesondere auch gegenüber Frauen mit Behinderungen im überdurchschnittlichen Ausmaß machen deutlich, wie dringend erforderlich und wichtig eine dauerhafte Auseinandersetzung mit diesem Thema ist. Der Paritätische setzt sich seit vielen Jahren dafür ein, die Kultur des Wegschauens und Verschweigens zu beenden und eine Kultur des Hinschauens und Ansprechens zu entwickeln.

Der Verband bietet dafür umfangreiche Vernetzung und Unterstützung bei der Erstellung und Umsetzung entsprechender Konzepte, zum Beispiel durch Arbeitshilfen oder die entsprechende Fachberatung.

Die Istanbul-Konvention, die in einem eigenen Kapitel auch dezidiert Frauen mit Behinderungen besondere Aufmerksamkeit widmet, muss gesetzlich verankert werden. Die Einrichtung der „Frauenbeauftragten in Einrichtungen“ über das Bundesteilhabegesetz (BTHG) kann dabei nur ein erster, kleiner Schritt sein, diesem Thema die notwendige Aufmerksamkeit zu widmen. Dazu gehören auch barrierefreie Zugänge zu bestehenden Hilfs- und Beratungsangeboten wie Frauenhäusern, Beratungsstellen und unabhängige Meldestellen für Betroffene, die ohne Angst vor Repressalien zugänglich sein müssen, und vieles mehr.