CO2-neutrales Oldenburg

Die EU-Kommission hat am 4. März 2020 einen Vorschlag für die rechtliche Verankerung des im europäischen Green Deal manifestierten Ziels, bis 2050 klimaneutral zu werden, vorgelegt. Um diese Treibhausgasneutralität zu verwirklichen, bedarf es bekanntlich der Annäherung an „Netto-Null-Emissionen“ bis zur Jahrhundertmitte. Die Bundesregierung hat sich zum Ziel gesetzt, die Treibhausgasemissionen in Deutschland bis zum Jahr 2030 um 55 Prozent, bis 2040 um 70 Prozent und bis 2050 um 80 bis 95 Prozent zu reduzieren (jeweils bezogen auf das Basisjahr 1990).

Herausforderung für Oldenburg

Die Bewegung Fridays for Future Oldenburg hat in einem Leitantrag vom Februar 2020 Klimaneutralität bis 2030 gefordert, eine Zielsetzung die seitens der Verwaltung allerdings nicht für realistisch gehalten wird. Der letzte Treibhausgasbericht der Verwaltung kam zu dem Ergebnis, dass 2015 noch 1.128.000 Tonnen CO2-Äquivalente emittiert wurden (gegenüber 1.126.000 Tonnen im Jahr 1990). Würden bis 2040 sämtliche im Solardachkataster der Stadt Oldenburg geeigneten Dächer mit PV-Anlagen ausgestattet, das wären rund 50 Prozent aller Gebäude und eine installierte Leistung von rund 600.000 Kilowatt, so würde man damit unter Zugrundelegung des aktuellen CO2-Faktors des bundesdeutschen Strommix theoretisch eine CO2-Entlastung von rund 228.000 Tonnen erreichen. Da der CO2-Faktor zukünftig mit steigendem Anteil erneuerbarer Energien im Netz sinkt, würde das CO2-Minderungspotenzial durch Produktion aller gemäß Solardachkataster ausgewiesenen Photovoltaik Strommengen 2040 nur noch etwa ein Fünftel dieses Wertes betragen. Dieses eine Beispiel zeigt, welche enorme Kraftanstrengung sich hinter dem wohlklingenden Attribut der CO2-Neutralität verbirgt.

Die Verwaltung hat sich nun mit einem Szenario für ein klimaneutrales Oldenburg im Jahr 2040 befasst. Die ermittelten Ergebnisse können eine Diskussions- und mögliche Entscheidungsgrundlage für einen neuen Leitbildbeschluss darstellen. Das Ziel einer klimaneutralen Stadt könnte 2040 erreichbar sein, wenn der Energiebedarf in allen Sektoren umgehend schrittweise drastisch reduziert und die Nutzung erneuerbarer Energieträger ambitioniert vorangetrieben wird. Beispielsweise müssten energetische Sanierungsmaßnahmen an Wohngebäuden und Nicht-Wohngebäuden in erheblichen Umfang (Faktor 5) zunehmen. Das 2018 im Rahmen der Fortschreibung des Strategieplan Mobilität und Verkehr (SMV-2025) formulierte Ziel nach einer deutlichen Erhöhung der Fahrgastzahlen der VWG (von 19 Millionen auf 30 Millionen in 2030) stellt bereits eine gute Wegmarke dar. Dennoch sind weitere ehrgeizige Schritte im Verkehrsbereich erforderlich, um das Ziel Klimaneutralität zu erreichen. Die Verbrennung von Erdgas sowie der Einsatz von Diesel- und Benzin-Verbrennungsmotoren fände in einem Klimaschutz-Szenario 2040 nicht mehr statt.

Die weiteren Arbeitsschritte

Die Verwaltung ist der Auffassung, dass es eine Vielzahl von Möglichkeiten gibt, die Klimaschutzbemühungen umgehend maßgeblich zu intensivieren. Dazu bedarf es nicht erst als Bedingung der Erarbeitung eines umfangreichen neuen Energie- und Klimaschutzkonzeptes. Der Leitantrag von Fridays for Future mit 88 Beschlussvorschlägen, die seitens der Verwaltung noch um einige Ideen ergänzt wurden, bietet eine gute Grundlage. Ehrgeizige energiepolitische Arbeitsprogramme, eine begleitende Erfolgskontrolle und regelmäßige Treibhausgasbilanzierungen können bereits kurzfristig viel bewirken. Die Verwaltung favorisiert zunächst einen solchen pragmatischen Ansatz.

Der weitere Umgang mit den Beschlussvorschlägen soll nun im Ausschuss für Stadtgrün, Umwelt und Klima beraten und entschieden werden. Die Verwaltung regt an, die gute Erfahrung aus dem Fridays for Future-Workshop am 3. Dezember 2019 aufzugreifen, das heißt die Form der Thementische fortzuführen und die Beschlussvorschläge aus den verschiedenen Themenfeldern in moderierten Workshops mit Vertretern der Politik, Fridays for Future und weiteren Expertinnen und Experten miteinander zu diskutieren. Die letztlich unabdingbare politische und öffentliche Befassung in den Gremien der Stadt Oldenburg wird dadurch natürlich nicht ersetzt.

Wir freuen uns über Ihre Ideen und Vorschläge für Maßnahmen im Bereich Energie und Klimaschutz

Wenn Sie, egal ob als Privatperson, Verein oder Unternehmen, Ideen und Vorschläge haben, setzen Sie sich jederzeit gerne direkt per E-Mail mit uns in Verbindung: energie(at)stadt-oldenburg.de.