Was sind Magerrasen?

Unter den Biotoptyp Magerrasen fallen verschiedene Typen von extensiv genutztem Grünland mit besonders „mageren“, also nährstoffarmen Bedingungen. Besonders der Mangel an Stickstoff ist hier der ausschlaggebende Faktor. Die Artzusammensetzung besteht aus verschiedenen Kraut- und Halbstrauchpflanzen, wie beispielsweise dem Silbergras (Corynephorus canescens) oder der Sand-Segge (Carex arenaria). Beide Gräser sind im Gebiet stark vertreten.

Ihr Vorkommen lässt sich heute nur noch auf Standorten mit oftmals extremen Bedingungen feststellen. Wiesen und Weiden zur Futtergewinnung für das Vieh müssen hohe Erträge liefern und dies ist von einem mageren Standort nicht zu leisten. Nährstoffeinträge, darunter besonders der Eintrag von Stickstoff durch die Landwirtschaft, aber auch über die Luft durch Industrie- und Fahrzeugabgase, lassen nährstoffarme Lebensräume zunehmend verschwinden.

Eigenschaften von Magerrasen-Standorten

Magerrasen kommen heutzutage meist an besonders extremen Standorten vor, da dies oft die einzigen Flächen sind, die nicht von Nährstoffeinträgen aus der Landwirtschaft beeinflusst werden oder durch andere Nutzungsarten verändert sind. Ein gutes Beispiel dafür sind Truppenübungsplätze, auf denen häufig Magerrasen zu finden sind. Diese Flächen sind meist sandig und ebenerdig. Es wird nicht gedüngt und durch die regelmäßige Befahrung werden der Boden und die Vegetation aufgerissen. Die Flächen bleiben offen und die Holzgewächse werden zurückgehalten. Auch der Gelände des ehemaligen Verschiebebahnhofs stellt, durch die vorangegangene Nutzung und die Aufschüttung von Sand und Schotter, so einen Extremstandort dar.

Auf sandige Böden finden sich Magerrasen in Norddeutschland oft wieder. Diese zeichnen sich durch eine geringe Fähigkeit aus pflanzenverfügbares Wasser, sowie Nährstoffe zu halten.  Die eher groben Sandkörper können Beides schlecht adsorbieren und die eingetragenen Nährstoffe werden mit dem durchfließenden Wasser ausgewaschen. Darüber hinaus können die Temperaturen stark schwanken. Böden aus Sand und Schotter haben eine sehr schlechte Wärmeleitfähigkeit. Liegen diese Bereiche in der prallen Sonne, können extrem heiße Temperaturen direkt am Boden und in der Luft nah an der Oberfläche erreicht werden.

Ursprung der Magerrasen

Magerrasen können nur existieren, wo der Mensch durch entsprechende Maßnahmen eingreift.
Ihren Ursprung haben sie aller Wahrscheinlichkeit nach in den Anfängen der Viehhaltung. Damals trieben die Bauern ihr Vieh in die Wälder, wo junge Bäume und Sträucher verbissen wurden. Zunächst konnten die älteren Bäume so besser wachsen und schufen ein dichtes Blätterwerk. Doch dadurch fehlte den Jungpflanzen, die nicht verbissen wurden, das Licht zum Wachsen. Die Wälder alterten, doch es konnten keine neuen Bäume nachwachsen. Wälder lichteten sich und verschwanden letztendlich. Die Beweidung führte zu einem stetigen Entzug von Nährstoffen und zurück blieben offene Flächen, die Magerrasen.

Bedeutung von Magerrasen

Trockenheit, Hitze und Nährstoffarmut scheinen auf den ersten Blick für die meisten Pflanzen eher ungünstig zu sein. Allerdings gibt es einige, spezialisierte Arten, die genau das benötigen und daran angepasst sind. Pflanzenarten mit geringen Nährstoffansprüchen, einer Vorliebe für Wärme und eben dieser hohen Trockenheitsresistenz haben hier die Chance aufzuwachsen. Diese Arten kommen sonst nur im Mittelmeerraum oder der osteuropäischen Steppenlandschaft vor. Viele davon weisen heutzutage einen Gefährdungsstatus (Rote Liste gefährdeter Arten) auf. Das „Bahndammgelände Krusenbusch“ bietet ihnen mit seinen Magerrasenflächen die Möglichkeit zur Existenz und Ausbreitung.

Ebenso hoch ist die Bedeutung für besondere, teils seltene oder gefährdete Tierarten. Auch diese benötigen oft den selten gewordenen Offenbodencharakter des Gebiets oder die strukturelle Abwechslung. Viele sind zudem abhängig von bestimmten Pflanzenarten, die im Gebiet vorkommen und so auch diesen Tieren dort einen Raum zum Leben schaffen.

Mit seiner Fläche von 55,5 Hektar macht das Naturschutzgebiet „Bahndammgelände Krusenbusch“ nicht einmal 1 Prozent der Stadtfläche Oldenburgs aus, doch lassen sich hier 40 Prozent aller gefährdeten Arten Oldenburgs wiederfinden.

Nach §30 BNatSchG (Bundesnaturschutzgesetz) stehen Magerrasen unter Schutz. Fast alle Flächen, die diesem Biotoptyp zugeordnet werden, sind heute als Landschafts- oder Naturschutzgebiet ausgewiesen – der gesetzliche Schutzstatus gilt allerdings schon vor der Ausweisung. So ist die untere Naturschutzbehörde seit 1999 mit der Pflege und Durchführung von Maßnahmen auf einer 6 Hektar großen Fläche zum Erhalt der Magerrasen zuständig.

Welche besonderen Anpassungen haben Pflanzen entwickelt und was bedeutet eigentlich „Hungerkünstler“? Antworten finden Sie beim nächsten Code.