Notwendige Pflegemaßnahmen

Sukzession beschreibt die zeitliche Aufeinanderfolge von Pflanzengesellschaften auf einem bestimmten Gebiet. Am Ende der Sukzession steht immer die Klimaxgesellschaft. Im deutschen Tiefland ist dies meist ein Buchen- oder Eichen-Mischwald.

Man kann Sukzession in zwei Kategorien einteilen. Die primäre Sukzession beschreibt die Neubesiedlung von bisher unbesiedelten Gebieten. Sekundäre Sukzession kann auf allen Flächen, welche keine Klimaxgesellschaft darstellen, stattfinden.

Die Folge dieses Prozesses sind Veränderungen der Artenzusammensetzung in den aufeinander folgenden Stadien. Ehemals vorkommende Arten mit geringerer Konkurrenzstärke weichen konkurrenzstarken Arten. Auf absolute Pionierarten folgen Wiesen, Wiesen werden zu Gebüschen und letztendlich entsteht Wald.

Artenarme Buchen- oder Eichen-Mischwälder stellen die potentiell natürliche Vegetation des deutschen Tieflandes dar und beherrschten mit großer Wahrscheinlichkeit unseren Raum, bis die Menschen sesshaft wurden.

Neben dem Bedarf an Holz zum Bau, mussten offene Flächen für Lebensraum und Landwirtschaft geschaffen werden. Das Vieh wurde damals in die Wälder getrieben, wo besonders junge Pflanzen verbissen wurden. Alte Bäume bekamen mehr Licht und konnten ihre Blattmenge erhöhen, wodurch der Wald noch dunkler wurde und jungen Pflanzen keine Existenzgrundlage ließ. Folge dieser extensiven Haltungsform waren Wälder ohne Verjüngung. Es entstanden lichte bis offene Wälder und letztendlich Wiesen/Weiden mit einzelnen Bäumen.

Wert des Gebietes im heutigen Wandel der Landschaft

Die extensive Landwirtschaft wurde in den 1950er Jahren vollkommen von einer intensiven Landwirtschaft abgelöst. Seitdem werden Insektizide, Herbizide, Fungizide und Düngemittel systematische eingesetzt. Immer größer werdende Landmaschinen erlauben es auch Randbereiche landwirtschaftlich zu nutzen. Die Folge sind Rückgänge an Lebensräumen, Biodiversität und Artenzahlen.

Offenland steht unter dem ständigen Druck der Sukzession. Diese wird heute verstärkt durch Hochleistungssorten, erhöhte Nährstoffwerte und einem inselhaften Charakter. Konkurrenzschwächere heimische Arten haben oft keine Chance gegen die gezüchteten Varianten.

Doch ein offenes Land, wie es auf dem „Bahndammgelände Krusenbusch“ zu finden ist, besitzt durch sein spezielles Arteninventar einen hohen naturschutzfachlichen Wert. Trockene und magere Rasenfluren stellen eine Seltenheit in der heutigen Kulturlandschaft dar, aber bieten vielen geschützten oder gefährdeten Arten (Rote Listen) einen Lebensraum. Ein Zulassen der Sukzession würde zu einem Verlust dieser Arten führen. Um diesen wertvollen Lebensraum langfristig zu erhalten, müssen Pflegemaßnahmen durchgeführt werden.

Beweidung

Eine Möglichkeit stellt die extensive Beweidung durch Schafe, Ziegen, Rinder und Pferde dar. Die Bestandszahlen müssen dabei jedoch im Verhältnis zu den vorhandenen Flächen sehr klein sein, so dass oft weniger als 1 Tier pro Hektar gehalten wird.

Probleme bei der Beweidung treten auf, wenn Pflanzen wie zum Beispiel Birke, Traubenkirsche oder Kiefer zurückgedrängt werden sollen. Diese Pflanzen werden nur wenig verbissen und bleiben oft auf den Flächen stehen. Auch kann eine bestimmte Nutzung, wie die Nutzung als Erholungsgebiet mit Wanderwegen, die Beweidung als Maßnahme ausschließen.

Mahd, Entkusselung und „Reset“

So können Maßnahmen mit schwerem Gerät notwendig sein, um beschriebene Bäume zu entfernen. Aber auch die Entkusselung per Hand, Mahd oder Mulchen sind mögliche Pflegemaßnahmen. Je nach Biotoptyp können Nährstoffwerte, durch den Abtrag des Mähgutes oder den Verbleib auf der Fläche, beeinflusst werden. Die Häufigkeit und Mahdtermine richten sich stets nach Schutzziel der Flächen.

Manche Biotoptypen erlauben auch einen „Reset“ des Geländes. Bei dieser Maßnahme wird der Oberboden auf Teilflächen im Gebiet abgeschoben und kann neu besiedelt werden. Diese Maßnahme wird vor allem dann durchgeführt, wenn eine Mahd nicht mehr ausreicht, um Flächen offen zu halten und sich der gewünschte Biotoptyp schnell wieder entwickeln kann.

Pflegemaßnahmen im Schutzgebiet

Im Naturschutzgebiet „Bahndammgelände Krusenbusch“  werden die Magerrasenflächen nicht immer einheitlich gepflegt. Grundsätzlich versucht man durch jährliche Mahd Ende September bis Oktober die Sukzession zu verhindern. Wenn die Gehölzentwicklung zu stark wird, kommt es alle paar Jahre auf den stark betroffenen Teilflächen zum „Biotop-Reset“.

Diese Pflegemaßnahme wurde auf dem Gelände bereits mehrfach durchgeführt. Da Teilflächen belassen wurden, konnten sich die gewünschten Arten der Magerrasen auf den sandigen und/oder schottrigen Flächen wieder ansiedeln.

Vorteil dieser Methode ist darüber hinaus, dass sich Bereiche über einen längeren Zeitraum frei und relativ ungestört entwickeln können. Pflanzen mit einem geringen Regenerationsvermögen können sich etablieren, ohne durch eine Mahd zusätzlich geschwächt zu werden.

Probleme durch Neophyten

Im Bereich des Eingangs hat sich in den letzten Jahren der Japanische Staudenknöterich (Fallopia japonica) ausgebreitet. In Europa stellt die Art einen invasiven Neophyten dar. Durch seine ausgesprochene Wuchskraft und Robustheit werden nahezu alle anderen Arten verdrängt und heimische Pflanzen haben keine Chance, unter dem bis zu 4 Meter hohen Riesen zu existieren.

Durch seine physiologischen Merkmale und die Verbreitung über Rhizome im Boden ist seine Bekämpfung schwierig. Selbst mehrfache Mahd in aufeinanderfolgenden Jahren erreicht nur mäßige Erfolge.

Gartencenter und Gärtnereien bieten jedoch gerade wegen seiner Wuchskraft den Staudenknöterich und Artverwandte an. Doch aufgrund seiner Stellung als invasiver Neophyt gegenüber unseren heimischen Pflanzen, sollte der Kauf und die Verwendung vermieden werden.