Digitale Helfer für Blinde und Sehbehinderte

Loc.id: Neues System erleichtert die Orientierung an Ampeln

An Ampeln eine bessere Orientierung für blinde und sehbehinderte Menschen zu ermöglichen – das ist das Ziel von „intelligenter“ Verkehrstechnik. Seit 2020 setzt die Stadt Oldenburg bei der Modernisierung von Ampelanlagen das System „Loc.id“ des Herstellers RTB ein. Bei diesem auf Bluetooth basierenden System können Sehbehinderte die akustischen Signale der Ampel beeinflussen – über eine App, die auf dem Smartphone installiert wird und als Sender fungiert und alternativ auch als Handgerät erhältlich ist. Solange sich das Smartphone oder der Handsender im Empfangsbereich der Ampel befindet, wird der Orientierungston deutlich lauter gestellt. „Damit können Sehbehinderte den Ampelmast viel besser auffinden. Das ist eine enorme Erleichterung“, lobt Sabine Görg, Mitglied im Behindertenbeirat der Stadt Oldenburg, die das System am Mittwoch, 28. April 2021, mit Erfolg an der Ampelanlage am Bahnhofsplatz Süd testete.

Barrierefreie Gestaltung des Verkehrsraumes wichtig

„Wir möchten allen Verkehrsteilnehmenden bestmöglich gerecht werden“, betont Annette Meyers, Leiterin des Amtes für Verkehr und Straßenbau. Dazu gehöre auch eine barrierefreie Gestaltung des Verkehrsraumes. „Sich sicher im Straßenverkehr bewegen zu können, ist für den Erhalt der Mobilität von seheingeschränkten Menschen sehr wichtig. Um blinden und sehbehinderten Menschen die Teilnahme am Straßenverkehr zu erleichtern, statten wir Ampelanlagen besonders aus“, so Meyers.

2020 wurden folgende Signalanlagen mit dem „Loc.id“-System ausgerüstet:

  • Moslestraße / Bahnhofstraße / Kaiserstraße
  • Am Stadtmuseum / Osterstraße
  • Hauptstraße / Eichenstraße
  • Klingenbergstraße / An den Voßbergen
  • Donnerschweer Straße / Unterm Berg

2021 erhalten folgende Anlagen diese Technik:

  • Julius-Mosen-Platz / Friedensplatz
  • Amalienstraße / Huntestraße / Poststraße
  • Stedinger Straße / Nordstraße
  • Stedinger Straße / Dedestraße
  • Bremer Straße / Schützenhofstraße
  • Ammerländer Heerstraße / Carl-von-Ossietzky-Straße
  • Bloherfelder Straße / Prinzessinweg
  • Wilhelmshavener Heerstraße / Langenweg

Vorteile der bedarfsabhängigen Lautstärkeanpassung

Bereits jetzt sind viele Ampelanlagen in Oldenburg mit akustischen Signalen für Sehbehinderte ausgestattet. Diese akustische Signalisierung besteht üblicherweise aus einem Orientierungston zum Auffinden der Ampelanlage und einem Freigabesignal, das bei „Fußgängergrün“ ertönt. Während der Freigabeton nur auf Anforderung eingeschaltet wird, muss der Orientierungston dauerhaft in Betrieb sein. Für Sehbehinderte ist dabei ein ausreichend lauter Ton notwendig. „Allerdings kann dieses Orientierungssignal, das quasi permanent einen Ton absondert, für Anwohnerinnen und Anwohner störend wirken“, erläutert Verkehrsingenieur Stefan Brandt. Diesen steten Interessenkonflikt mildert das „Loc.id“-System mit seiner bedarfsabhängigen Lautstärkeanpassung ab.

Weitere Informationen und Download

Die Loc.id-App kann kostenfrei sowohl für Android im Google-Play-Store » als auch für iOS im Apple-Store » heruntergeladen werden.