Über Hedwig Heyl

  • geboren am 3. Mai 1850 in Bremen; geborene Crüsemann
  • 1884: Gründung der ersten Koch- und Haushaltungsschule für Frauen (Pestalozzi-Fröbel-Haus in Berlin)
  • 1890: Gründung der ersten Gartenbauschule für Frauen in Berlin
  • 1904: Organisation des Internationalen Frauenkongresses in Berlin
  • 1905: Gründung des ersten internationalen Frauenclubs „Lyceum-Club Berlin“
  • 1908: Organisation der Internationalen Volkskunstausstellung in Berlin
  • 1910: bis 1920 1. Vorsitzende des Frauenbundes der Deutschen Kolonialgesellschaft
  • 1912: Organisation der Ausstellung „Die Frau in Haus und Beruf“ in Berlin
  • 1915: Gründungsmitglied des Deutschen Hausfrauen-Bundes
  • 1919: Abgeordnete in der Stadtverordnetenversammlung in Charlottenburg (Deutsche Volkspartei)
  • 1920: Ehrendoktorwürde der Universität Berlin
  • gestorben am 23. Januar 1934 in Berlin

Pionierin der Frauenbewegung in Deutschland

Die in Bremen geborene Hedwig Heyl war eine der Pionierinnen der Frauenbewegung in Deutschland. Mit der Gründung von Haushaltsschulen engagierte sie sich für die berufliche Bildung von Frauen, insbesondere in der Hauswirtschaft. Im Jahr 1905 gründete Heyl den ersten internationalen Frauenclub und war seit 1910 die erste Vorsitzende des Frauenbundes der Deutschen Kolonialgesellschaft. Hier setzte sie sich dafür ein, die deutschen Kolonien rassisch rein zu halten und die von ihr als „Verkafferung“ bezeichneten Mischehen zu verhindern. Als wesentliche Aufgabe des Frauenbundes betrachtete Heyl die Ausbildung deutscher Frauen zu zukünftigen Ehefrauen für die Kolonisten. Ziel war es, „Siedlungen durch Ehen zu befestigen und überhaupt geeignetes Mädchenmaterial zu verschicken.“ (Doris Kachulle, Seite 35)

Brosche für die „sittenreine“ Frau

Der Frauenbund wählte die Kandidatinnen aus und führte eine Brosche als Qualitätszeichen für die „sittenreine“ Frau ein. Mit einer Resolution protestierten Heyl und der Koloniale Frauenbund während des Ersten Weltkrieges gegen die Behandlung der deutschen Siedler durch England und Frankreich: „Die Unterdrückung des Deutschtums stellt ein Verbrechen an der gesamten weißen Rasse dar, deren Vorherrschaft in den von primitiven farbigen Naturvölkern bewohnten überseeischen Gebieten das ist, was im Bereich der europäischen Kulturstaaten Zivilisation und Kultur bedeuten.“ (Doris Kachulle, Seite 35)

Völkische und rassistische Haltung

Auch in der Weimarer Republik propagierte Heyl weiterhin ihre völkische und rassistische Haltung: Sie protestierte gegen die „koloniale Schuldlüge“ und trat für das Bild deutscher Überlegenheit im Ausland ein. In einem Brief an Eugen Vinnai vom Januar 1933 äußerte sie sich bestürzt: „Hörte einen Vortrag eines Professors, der Afrika bis in die neueste Zeit erforschte. Er ringt um Hoffnung für Deutschland. Es entwickelt sich ein afrikanisches Mischvolk, die schwarze Rasse macht Riesenfortschritte, und die Frage der Zukunft ist: weiß oder schwarz? Es gibt sogar Negeruniversitäten!“ (Leopold Klotz, Seite 282)

Bewunderung für Hitler

Hedwig Heyl begrüßte die Machtübernahme durch die Nationalsozialisten im Jahre 1933 und spricht Vinnai gegenüber von einem „herzbewegenden Sichnahefühlen mit dem Führer“ und von einer „inneren Verwandtschaft mit seinem Wollen und Zielen“. Über Adolf Hitler schrieb sie bewundernd: „Ist dieser Mann nicht mehr als alle Recken, der getreue Eckehart des Volkes? Und die Einheit, die sich gestern auslöste, sie wird der Welt zeigen, was ein wirklich edler Mann, der mit Gott ausgerüstet, für Deutschland werden konnte, weil eben doch in den Deutschen edles Christusblut pulsiert, das in Fluß zu bringen ist und das bisher hoffnungslos stillstand und alle Tat hemmte! Möchte doch die Begeisterung anhalten und alle Opfer möglich machen, das Ich zum Du werden.“ (Leopold Klotz, Seite 373 und folgende.)

Zitate aus:

Doris Kachulle, Verschicke nur geeignetes Mädchenmaterial, die tageszeitung, 21. März 1992
Leoplod Klotz (Herausgeber), Ströme der Liebe: Ein Briefwechsel, Gotha 1936

Über Hilde Domin

  • geboren am 27. Juli 1909 in Köln; geborene Löwenstein
  • 1929: Jurastudium an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
  • ab 1929/30: Studienfachwechsel zur Sozial- und Staatswissenschaft
  • ab Oktober 1930: Studium an der Berliner Friedrich-Wilhelm-Universität (der heutigen Humboldt-Universität Berlin)
  • 1930: Eintritt in die Sozialdemokratische Partei Deutschlands
  • 1931: Rückkehr an die Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
  • 1932: Studium der Kunstgeschichte und Politik in Rom
  • 1934 bis 1936: Studium und Promotion am renommierten Istituto Superiore di Scienze Sociali e Politiche „Cesare Alfieri“ in Florenz
  • 1939: Flucht aus Italien über Paris nach London
  • 1940: Ausreise über Kanada in die Dominikanische Republik
  • 1946: erste schriftstellerische Tätigkeiten
  • 1948 bis 1952: Deutschlehrerin an der Universität von Santo Domingo
  • 1954: Rückkehr nach Deutschland und Beginn der Karriere als Schriftstellerin
  • gestorben am 22. Februar 2006 in Heidelberg

Bedeutende Lyrikerin der Nachkriegszeit

Hilde Domin war eine deutsche Schriftstellerin und sie gilt als eine der bedeutendsten Lyrikerinnen der Nachkriegszeit. Ihre Gedichte wurden in 26 Sprachen übersetzt. Sie wurde als Hilde Löwenstein in ein großbürgerliches jüdisches Elternhaus in Köln hineingeboren. Die verheiratete Hilde Palm veröffentlichte ihre literarischen Werke später unter dem Künstlernamen Domin, mit dem sie an ihr Exil in der Dominikanischen Republik erinnerte.

Am 4. Dezember 1930 hörte sie Hitlers viel zitierte Rede im überfüllten Festsaal auf der Hasenheide im Berliner Bezirk Neukölln und bereits 1930/31 erlebte sie an der Berliner Universität ernste Auseinandersetzungen zwischen den Parteien. Die Lektüre von Hitlers „Mein Kampf“ überzeugte sie endgültig davon, dass „Hitler das, was er in ‚Mein Kampf‘ geschrieben hatte, auch ausführen würde.“ (Marion Tauschwitz, Seite 52)

Exil in Italien, England und der Dominikanischen Republik

Gemeinsam mit ihrem späteren Mann, dem jüdischen Frankfurter Altphilologen und Archäologen Erwin Walter Palm, begann sie im Herbst 1932 ein Auslandsstudium in Rom. Nach Hitlers Ernennung zum Reichskanzler im Januar 1933 wurde Italien dann für beide die erste Station ihres Exils. Da sich in Italien ab 1934 die Politik gegen Juden zu richten begann und die Rassengesetze sie 1938 auch hier zu Staatsfeinden machten, floh das Paar 1939 aus Italien über Paris zu Verwandten nach London. Am 26. Juni 1940 verließen sie schließlich auch England und reisten über Kanada in die Dominikanische Republik aus. Hier begann Hilde Palm zu schreiben.

Literaturpreise und Auszeichnungen für Werke

Als sie 1954 nach Deutschland zurückkehrte entschied sie sich, ihre Gedichte, Essays, Romane und Erzählungen sowie wissenschaftliche Werke unter dem Pseudonym Hilde Domin zu veröffentlichen. Sie ist für ihr Werk mit bedeutenden Literaturpreisen wie der Ehrengabe der Heinrich-Heine-Gesellschaft (1972), dem Nelly-Sachs-Preis (1983), der Carl-Zuckmeyer-Medaille (1992), dem Staatspreis des Landes Nordrhein-Westfalen (1999) oder dem Jacob-Wassermann-Preis (1999) geehrt worden. Auch zahlreiche Auszeichnungen wie das Bundesverdienstkreuz Erster Klasse (1983), die Verdienstmedaille des Landes Baden Württemberg (1990) oder das Große Bundesverdienstkreuz (1994) wurden ihr verliehen. Im Wintersemester 1987/1988 hielt sie die renommierten Frankfurter Poetik-Vorlesungen an der Goethe-Universität Frankfurt am Main mit dem Titel „Das Gedicht als Augenblick der Freiheit“.

„Ein Schriftsteller braucht drei Arten von Mut. Den, er selber zu sein. Den Mut, nichts umzulügen, die Dinge beim Namen zu nennen. Und drittens den, an die Anrufbarkeit der anderen zu glauben.“ (Hilde Domin, 1986)

Zitate aus:

Marion Tauschwitz, Dass ich sein kann, wie ich bin.
Hilde Domin – Die Biografie, Heidelberg 2009