Störstoffanteil hat sich verringert – Bisher 12.000 gelbe Karten verteilt

Kampf gegen Plastik in der Biotonne ist erfolgreich

Die vom Abfallwirtschaftsbetrieb (AWB) der Stadt Oldenburg im Herbst gestartete Aufklärungskampagne „Kein Plastik in die Biotonne“ zeigt erste positive Wirkung. Ziel ist es, den Anteil an Stör- und Fremdstoffen in der Biotonne zu reduzieren. Anlass für diese Aktion sind verschärfte gesetzliche Vorgaben bezüglich des Störstoffanteils im erzeugten Kompost.

Seit Januar dieses Jahres hängen die Müllwerker des AWB gelbe Karten an die Biotonnen, in denen sie Störstoffe, also Abfälle, die nicht in die Biotonne gehören, entdecken. „Wir stellen erfreut fest, dass sich im Vergleich zur großflächigen Bioabfallanalyse, die wir Anfang des Jahres 2018 vorgenommen haben, der Störstoffanteil in den Biotonnen verringert hat. Das ist eine gute Entwicklung, und wir sind positiv gestimmt, dass sich die Situation weiter verbessern wird“, sagt Volker Schneider-Kühn, Betriebsleiter des AWB. Die Sortieranalyse hatte ergeben, dass – auf das Volumen bezogen – rund 25 Prozent der in den Biotonnen entsorgten Inhalte dort nicht hineingehörten. Jetzt wird der Störstoffanteil auf rund 15 bis 20 Prozent geschätzt. Ganz genau wird das eine erneute Sortieranalyse ermitteln. Diese Erfolgskontrolle ist für Ende Februar vorgesehen.

Die jetzt erfolgten Sichtungen der Biotonnen zeigen, dass insbesondere im Ein- und Zweifamilienhausbereich die Biotonnen in den weitaus meisten Fällen fast frei von Störstoffen sind. „Wir erhalten viele Mails und Anrufe von Bürgerinnen und Bürgern aus der Stadt, die diese Aktion unterstützen. Schließlich geht es hier nicht nur um einen wichtigen aktiven Beitrag zum Umweltschutz, sondern letztendlich auch um die Höhe der Müllgebühren, die durch sauberen Bioabfall geringer gehalten werden können“, so Schneider-Kühn. In Abfuhrbezirken mit verdichteter Wohnbebauung ist die Situation noch verbesserungsbedürftig. Das hängt insbesondere damit zusammen, dass die Abfallbehälter einer großen Gemeinschaft zugänglich sind und es daher eher zu Fehlbefüllungen kommt. „Wir sind in engem Informationsaustausch mit den Wohnungsbaugesellschaften und Hausverwaltungen und bieten ihnen kostenlos umfangreiches und mehrsprachiges Informationsmaterial an, um ihre Mieterinnen und Mieter optimal aufzuklären“, so Schneider-Kühn weiter.

82 Prozent der Tonnen einwandfrei
Insgesamt haben die Müllwerker des AWB seit Anfang Januar nach Sichtkontrollen 12.000 gelbe Karten verteilt. Pro Sammelgebiet sind es im Schnitt 140 Ermahnungen, die Verbesserungspotential aufzeigen und auf das unsachgemäße Befüllen von Biotonnen hinweisen. Hierbei wurden auch Behälter mit gelben Karten versehen, die zwar korrekt befüllt waren, aber unerwünschte kompostierbare Plastiktüten enthielten. In Bezug auf die Anzahl der entleerten Behälter wurden 82 Prozent nicht bemängelt.

Ab März rote Karten

Ab März werden die Biotonnen, die weiterhin Störstoffe enthalten, mit roten Karten versehen. Eine Leerung durch den AWB erfolgt in diesen Fällen nicht. Die Nutzerinnen und Nutzer haben dann folgende Möglichkeiten:

  • Der Grundstückseigentümer sortiert die Störstoffe aus und stellt die Biotonne zur nächsten regulären Leerung der Biotonne wieder zur Abholung bereit.
  • Der Grundstückseigentümer beklebt die Biotonne mit einer Einmalentsorgungsmarke, die unter anderem beim AWB erworben werden kann, und stellt sie zur nächsten    regulären Restabfallabholung bereit. Die Einmalentsorgungsmarken kosten in Abhängigkeit des Behältervolumens nach aktueller Gebührensatzung zwischen 3,20 Euro für die 60 Liter-Biotonne bis 11,85 Euro für die 240 Liter-Biotonne.
  • Der Grundstückseigentümer transportiert die Biotonne selbst zur Mechanischen Abfallbehandlungsanlage Neuenwege, Barkenweg 3, und kann sie dort zu den Kosten einer entsprechenden Einmalentsorgungsmarke entleeren.  

„Ich bin sehr optimistisch“, so Schneider-Kühn, „dass bis dahin noch mehr Bürgerinnen und Bürger ihre Biotonnen korrekt befüllen und so der Störstoffanteil insgesamt weiter vermindert werden wird.“

Neben positiven Rückmeldungen aus der Bevölkerung gibt es aber auch, und das bleibt bei einer solchen Aktion gar nicht aus, kritische Anmerkungen sowie Beschwerden insbesondere über den Erhalt einer gelben Karte. „Wir nehmen diese Informationen der Bürgerinnen und Bürger sehr ernst und bemühen uns um eine objektive und zielführende Beratung“, so Schneider-Kühn. Ein Großteil der Beschwerden betrifft die Verwendung von sogenannten kompostierbaren Plastikbeuteln. Der AWB stellt dazu klar, dass diese Biotüten zwar kompostierbar sind, allerdings nicht während des ungefähr vierwöchigen Rotteprozesses im Kompostwerk. Solche Bioplastikbeutel benötigen einen Kompostierungszeitraum von circa drei Monaten.

Neue Papiertüten zum Vorsammeln

Der AWB duldet die Verwendung solcher Tüten derzeit noch. Biotonnen, die ausschließlich Bioplastikbeutel als Fremdstoff enthalten, bekommen daher vorerst keine rote Karte und werden weiter geleert. Allerdings weist der AWB darauf hin, dass eine Satzungsänderung zum Verbot solcher Tüten in Vorbereitung ist. „Wir empfehlen daher schon jetzt die Nutzung von wachsbeschichteten Papiertüten als Vorsammelgefäß“, informiert Schneider-Kühn. „Diese Tüten sind feuchtigkeitsabweisend und verrotten während ihres Verbleibs im Kompostwerk vollständig. Die Tüten sind in verschiedenen Drogeriemärkten sowie ab Ende Februar beim AWB erhältlich.“ 

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