Das Schloss

„Da kommen ja unsere Schlossgespenster Max und Philipp!“, ruft Mia. „Die haben richtig rote Ohren – müssen die aufregende Dinge gesehen haben!“
„Na, was glaubt ihr, wo hat wohl Graf Anton Günther das Licht im Schloss ausgeknipst? Wisst ihr, was eine Kemenate ist? Und eine Fama? Und hast du schon mal Dünnbier getrunken, Papa? Und zwei Mohren, Alexander und Konstantin, gab es hier auch, und auch ein Meerkätzchen!“ „Halt, halt, Max!“, rufen die Eltern wie aus einem Mund. „Wir verstehen nur noch Bahnhof, wenn du so schnell redest! Nun mal langsam und ganz von vorne: Du warst bei einer Aktion für Kinder, um das Leben im Schloss vor 400 Jahren kennen zu…“ „Ja, ja“, fällt Max seiner Mutter aufgeregt ins Wort.

„Das Leben von Graf Anton Günther, der ließ damals die alte, baufällige Burg in ein Schloss umbauen, mit echt vergoldeten Ledertapeten, funkelnden Kerzenleuchtern, Fußböden aus Marmor – alles ganz edel. Und seine Hochzeit hat er dann auch hier gefeiert – mit mehr als 600 Gästen…die Tische müssen sich gebogen haben – soviel wurde den Gästen angeboten – fast 4.000 Pfund Rindfleisch, 500 Hühner, tonnenweise Bier und natürlich Wein, den tranken sie damals schon aus feinen Kristallgläsern.“ „Du lieber Himmel!“, lacht seine Mutter. „Die Wörter Diät und Cholesterinspiegel standen wohl nicht auf dem Speiseplan!“ „Bestimmt nicht, damals kriegten sogar die Diener täglich Extraportionen Dünnbier. Immer zum Essen und abends zum Schlafen.“ „Apropos Schlafen, wir haben im Schloss überhaupt kein Schlafzimmer gesehen“, sagt Max’ Vater. „Nee, ist doch klar“, belehrt Max seine Eltern. „Nach so langer Zeit musste natürlich viel renoviert werden. Und außerdem ist das Schloss ja jetzt auch schon seit über 80 Jahren ein Museum und da kann man noch ganz viel mehr aus anderen Zeiten und von anderen Herrschern sehen. Aber man weiß aus alten Plänen – davon gab es eine Kopie zu sehen - und nachgebauten Modellen ganz genau, wo Graf Anton Günther geschlafen und gewohnt hat und wo die Geheimgänge im Schloss waren und auch seine Toilette.“ „Oh, Max, bitte, bitte, zeig sie uns“, bestürmten ihn Mia und Lena.

„Na, klar“, sagt Max großzügig. „Kommt mit – ich kann euch auch noch viel mehr zeigen. Die tollen Leuchter, die glänzenden Holzfußböden und die großen Türen mit den Mustern aus Holz, die Dekofrüchte an den Decken, die Seidentapeten an den Wänden – und uh … vor allem die dunkle Grablege von Graf Anton Günther. Erst hab ich gedacht, der Graf liegt dort wirklich. Aber ohne Kopf und ohne Füße???“ Philipp wurde ungeduldig. „Los, Lena, nun schleck dein Eis schon ein bisschen schneller! Dich wird das alles auch interessieren“, treibt Philipp an. „Na, klar“, ergänzt Max, „vor allem, weil es auch Kurse für Mädchen gibt, bei denen man Prinzessin spielen kann – da verkleiden sie sich, tanzen durch die großen Säle, essen und trinken, und fühlen sich wie damals, als Gräfin Sophia Katharina, die Frau von Graf Anton Günther, hier wohnte. Und zum Schluss machen sie sich auch ein Schmuckstück, das sie mitnehmen dürfen.“ „Na, das wäre doch was für euch Prinzessinnen“, meint Lenas Mutter lachend.

„Mama, wenn die Mädchen zu einem so tollen Kurs dürfen, dann will ich auch in den Ritter-Kurs. Wir haben gehört, dass die Jungen Ritter spielen dürfen und sich einen eigenen Schild basteln und den dürfen sie auch mit nach Hause nehmen!“, bittet Philipp. „Na, klar, aber nun seht zu, dass ihr noch ins Schloss kommt. Um Mitternacht ist Geisterstunde! Wir treffen uns dann wieder hier im Schlossinnenhof.