Die Amalienbrücke

An einem sonnigen Sonntagmorgen unternehmen Mia und Max mit Max’ Opa einen Spaziergang entlang des Oldenburger Küstenkanals. Sie wollen auf die andere Seite des Flusses und sehen auch schon eine nahe gelegene Brücke, die beide Ufer miteinander verbindet. „Sehr gut, da ist ja schon die Amalienbrücke!“ sagt der Opa von Max. „Warum heißt die Brücke denn so?“, fragt Max. „Sie wurde nach Amalie Marie Friederike, der Tochter vom Großherzog von Oldenburg, benannt. Sie war eine wunderschöne Herzogin, die heiratete und später Königin von Griechenland wurde“, antwortet sein Opa.

Ein kleines Schiff fährt unter der Brücke durch und Max’ Opa sagt: „Früher konnte man hier nicht so in aller Ruhe sitzen und das Wetter genießen. Seht ihr das Schiff da, Kinder? Früher, noch bevor ich geboren wurde, war diese Brücke eine Zugbrücke. Wisst ihr was das ist?“ Mia schreit: „Ja, ich weiß es! Das ist eine Brücke, wie in meiner Ritterburg. Die kann man mit Seilen an einer Seite hochziehen.“ Max erwidert: „Aber dann fallen doch die Leute runter, die auf der Brücke sind.“ „Nein Max, wenn damals ein größeres Schiff unter der Brücke durchfahren wollte und die Brücke deshalb hochgeklappt werden musste wurden vorher beide Seiten der Brücke abgesperrt. So musste keiner ins Wasser fallen. Allerdings gab es damals auch noch nicht so schöne Bänke wie diese hier und die Leute gingen meist eilig über die Brücke hinweg“, erklärt Max’ Opa seinem Enkel.

Mia schaut sich um und fragt: „Aber die Brücke sieht so schwer aus. Wie kann man denn so eine große Brücke hochziehen, ich hab auch nirgendwo ein Seil gesehen, du Max?“ Opa lacht: „Nein, nein, Mialein. Seit damals ist viel passiert. Als ich grad geboren war, das war im Jahr 1926, wurde aus der Zugbrücke eine moderne Hubbrücke. Der damalige Hunte-Ems-Kanal war viel schmaler als dieser hier, er wurde erst ausgebaut zum heutigen Küstenkanal und dadurch brauchte man auch eine längere Brücke. Habt ihr schon mal eine Hubbrücke gesehen?“ Beide Kinder überlegen eine Weile und schütteln schließlich ihre Köpfe, nein, eine Hubbrücke kannten beide Kinder nicht. Max’ Opa erzählt: „Früher war hier noch mehr Schiffsverkehr als heutzutage. Und große Schiffe passen unter einer normalen Brücke nicht hindurch. Eine Hubbrücke ist folgendermaßen aufgebaut: Beide Enden sind fest mit den beiden Ufern des Flusses verbunden. Die Mitte der Brücke ist allerdings beweglich und kann ein ganzes Stück nach oben gehoben werden, wenn unter ihr ein großes Schiff hindurch möchte. Das könnt ihr euch wie einen riesigen Fahrstuhl vorstellen. Auch hierbei wurde natürlich immer darauf geachtet, dass keine Menschen oder Autos auf der Brücke waren, wenn sie angehoben wurde. Leider wurde im Krieg die Brücke zerstört. Nach fünf Jahren, im Jahr 1950, war sie wieder befahrbar.

Könnt ihr euch vorstellen, was ein Problem sein könnte, wenn eine Brücke immer wieder für Fußgänger, Fahrradfahrer, Autos und alle anderen Verkehrsteilnehmer gesperrt wird?“ Max und Mia grübeln, dann hat Mia eine Idee: „Na die müssen ja alle immer lange warten und dann stinkt es, weil viele Autofahrer ihre Autos nicht abstellen.“ „Goldrichtig Mia! Die Brücke erwies sich mit steigendem Verkehrsaufkommen als Hindernis im alltäglichen Stadtverkehr. Seit beinahe 30 Jahren steht nun die heutige Brücke hier“, berichtet Max’ Opa. „Diese kann man nicht mehr hochziehen und auch nicht mehr als Fahrstuhl benutzen“, folgert Max richtig, „das finde ich doof. Es wäre doch total spannend große Schiffe vorbeifahren zu sehen und den Kapitänen aus aller Welt zu winken.“ „Ja, da hast du recht. Das hatte auch seine Vorteile, aber in der heutigen Zeit ist das den Menschen der Stadt weniger wichtig, als schnell zu ihrem Wunschziel zu gelangen“, antwortet der Großvater.

Mia strahlt und sagt: „Ich finde es schön, dass wir heute hier auf der Brücke eine Rast machen können. „Ja, das stimmt. Und außerdem können wir von hier oben auch den Kapitänen, die ihre kleinen Schiffe unter der Brücke durch steuern zuwinken. Die kommen vielleicht nicht aus der Ferne, aber über einen Gruß freuen sie sich bestimmt genauso“, merkt Max an. „Schau mal Max, da kommt schon wieder ein Schiff!“, bemerkt Mia. Beide Kinder rennen zum Rand der Brücke und rufen und winken wild zu einem nahenden Ruderboot herüber. Der Steuermann freut sich und winkt den beiden zurück.