Der Friedhof – die Gräber

Also, zu sehen sind dort unheimlich viele verschiedene Gräber mit Grabsteinen unterschiedlichen Alters und man hat den Eindruck, dass sie einfach kreuz und quer dort stehen. Es gibt keine Ordnung, die besagt, dass links die alten, dahinter die neueren und rechts die modernen Gräber sein müssen. Und da unwahrscheinlich viele Bäume dort ebenfalls kreuz und quer stehen, denkt man, man ist im Märchenwald. Ich war fasziniert von diesen wilden und schönen Gräbern, Denkmälern und Pflanzen.

Ein freundlicher Gärtner erklärte uns, dass es auf dem Kirchhof fast keine Laubbäume gibt, damit sich niemand mit dem Laub quälen muss. Außerdem sieht es im Herbst und Winter schöner aus, wenn nicht so viel vermodertes Laub auf den Wegen und den Gräbern liegt; und er sagte auch, dass er eigentlich sehr froh deswegen ist. Dabei zeigte er auf seinen Rücken.

Auf dem Kirchhof liegen sehr viele berühmte und bekannte Menschen, von denen wir allerdings bisher noch nicht viel gehört haben. Von unserer Tante kennen wir Dr. Schüßler, denn sie kann ohne das Schüßler Salz „die heiße 7“ nicht schlafen! Olaf lästert manchmal, ob sie ohne dieses Salz „die wilde 1“ wird und ich muss dann immer lachen. Dieser Dr. Schüßler (1821-1898) war früher Arzt in Oldenburg und der erste Arzt, der ein besonderes Heilverfahren mit diesen Salzen durchführte. Dieser Arzt ist zum Beispiel auf dem Gertrudenkirchhof beerdigt.

Sein Grab liegt ganz versteckt irgendwo zwischen den Bäumen. Wir haben es aber nicht gefunden. Wir wussten nur, dass es einen ganz bescheidenen kleinen Stein als Grabstein hat – und davon gab es sehr viele. Aber man kann ein sehr schönes Denkmal bewundern, das ihm seine Fans aufgestellt haben.

Es gibt noch ein anderes Denkmal, das uns aufgefallen ist. Es handelt sich um die Grabstätte von der Familie Högl. Die Högls waren Bildhauer in Oldenburg und haben einen Engel aus Marmor am Eingang ihrer Gruft aufgestellt, der aus Marmor ist und aussieht wie Stein. Aber da er schon ziemlich alt ist, sind viele Blessuren zu sehen. Mir hat das sehr gut gefallen – Menschen bekommen im Alter schließlich Falten und schlechte Augen, warum sollen Engel dann nicht auch altern dürfen!

Zwischen alten und neuen Grabstellen liegen manchmal riesige und uralte Grabplatten, die noch vom Friedhof an der Lamberti-Kirche stammen. Als der Stadt-Friedhof im Jahre 1785 aufgelöst wurde, schleppten die Kirchenmänner die meisten Grabplatten und Denkmäler auf den Gertrudenkirchhof.

Beim Denkmal für gefallene Soldaten im deutsch-französischem Krieg von 1870 / 71 hat Olaf echt große Augen gemacht. Wenn ihr dorthin geht, werdet ihr genau wissen, warum! Vor diesem Denkmal stehen drei Reihen mit kleinen halbrunden Steinen, auf denen erst der Rang, dann der Name und abschließend der Wohnort der Soldaten genannt wird. Auch hier haben wir unseren Fotoapparat für euch aktiviert und tolle Fotos gemacht. Jetzt seid ihr an der Reihe: Findet doch mal heraus, welche verschiedenen Ränge die Soldaten hatten! Olaf jedenfalls war hin- und hergerissen.